Kunst begleitet die Menschen in Vietnam seit jeher. Als in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts erstmals Zeichen-, Anatomie- und Landschaftsmalkurse angeboten wurden, schöpften die Kunststudierenden aus ihrem reichen religiösen und kulturellen Erbe. So vereinten ihre Werke Ansichten ihrer Heimatdörfer und Porträts von Bauern auf dem Land mit jahrhundertealten Lack- und Seidenmaltechniken, die zuvor vor allem zur Ausschmückung von Tempeln gedient hatten.
Die traditionelle vietnamesische Musik ist außerordentlich vielfältig und umfasst zahlreiche, regional unterschiedliche Stilrichtungen. Besonders bekannt ist die kaiserliche Hofmusik, die von der Tran- bis zur Nguyen-Dynastie an den vietnamesischen Fürstenhöfen erklang. Zu ihren Aufführungen gehören zahlreiche Instrumente sowie Musiker und Tänzer in prachtvollen Gewändern. Auch der Quan-ho-Gesang blickt auf eine lange Tradition zurück, während der Ca-tru-Gesang als immaterielles Kulturerbe anerkannt ist.
Die mündliche und schriftliche Literatur Vietnams wurde größtenteils von vietnamesischsprachigen Menschen geschaffen. Aufgrund der langen chinesischen Herrschaft entstanden jedoch viele Werke in klassischem Chinesisch. Die um das 10. Jahrhundert entwickelte Schrift Chữ Nôm ermöglichte es Autoren, mithilfe angepasster chinesischer Schriftzeichen auf Vietnamesisch zu schreiben. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts werden nahezu alle Werke in Quốc Ngữ verfasst. Zu den bedeutendsten Werken zählen “Das Mädchen Kiều” von Nguyễn Du und “Lục Vân Tiên” von Nguyễn Đình Chiểu.