Weihnachten wird in Vietnam ausgelassen gefeiert: Bereits am Heiligabend, der häufig wichtiger ist als der eigentliche Weihnachtstag, füllen sich die Straßen der Städte mit Menschen!

Weihnachten zählt neben Buddhas Geburtstag, dem Neujahrsfest und dem Mittherbstfest zu den vier wichtigsten Festen des vietnamesischen Jahres. Vietnamesische Christen begehen Weihnachten zugleich mit seinen traditionellen religiösen Ritualen.

Zu den traditionellen Religionen und Weltanschauungen Vietnams gehören der Buddhismus sowie die chinesisch geprägten Lehren des Taoismus und Konfuzianismus. Während der französischen Kolonialzeit traten jedoch viele Menschen zum Christentum über; heute machen Christen 8 bis 10 Prozent der Bevölkerung aus. Die lebensfrohen und geselligen Vietnamesen nutzen die zahlreichen Feste und Veranstaltungen des Landes gern als Gelegenheit, gemeinsam zu feiern. So ist Weihnachten in Vietnam zu einem großen Fest geworden.

Die Geschichte von Weihnachten in Vietnam

Vietnams Straßen zur Weihnachtszeit

Weihnachten in Vietnam blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Katholiken bilden zwar eine Minderheit, konnten das Fest jedoch seit der französischen Kolonialzeit weitgehend ungestört feiern. Das änderte sich, als 1975 die Kommunisten die politische Macht übernahmen. Das Verhältnis zwischen Kirche und Staat verschlechterte sich, sodass Katholiken die Geburt Jesu fortan im privaten Kreis begingen.

Seit dem Ende des Vietnamkriegs im Jahr 1975 war das Verhältnis zwischen Kirche und Staat nicht immer einfach. Mit der Einführung der Wirtschaftsreformen Ende der 1980er-Jahre begann es sich jedoch zu verbessern. Die seit den 1980er-Jahren verfolgte Öffnungspolitik brachte Vietnam westlichen Einflüssen und Vorstellungen näher, und das Weihnachtsfest hielt wieder Einzug in das öffentliche Leben. Heute gehört Weihnachten zu den bedeutenden Festen Vietnams und wird von Menschen aller Religionsgemeinschaften mit großer Freude gefeiert.

Die Kathedrale von Phat Diem in der Provinz Ninh Binh gilt als geistliches Zentrum der sieben Millionen Katholiken im überwiegend buddhistisch geprägten Vietnam. Hunderte Gläubige versammeln sich zur Christmette in Phat Diem im Norden des Landes. Vor der 1891 erbauten Kathedrale führen Kinder ein Krippenspiel zur Geburt Jesu Christi auf, der auf Vietnamesisch auch Kito genannt wird.

Weihnachten in Vietnam

Weihnachten ist in Vietnam ein großes Ereignis, besonders in Ho-Chi-Minh-Stadt, wo die Feierlichkeiten an die Weihnachtszeit in westlichen Metropolen erinnern. Vietnamesische Christen besuchen am Heiligabend die Mitternachtsmesse und kehren anschließend zu einem festlichen Weihnachtsessen nach Hause zurück. Traditionell wird häufig Hühnersuppe serviert, während in wohlhabenderen Familien auch Truthahn und Weihnachtspudding auf den Tisch kommen.

Weihnachtsschmuck in Vietnam

Am Heiligabend zieht es die Menschen in Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt, insbesondere die jüngere Generation, in die Stadtzentren mit ihren katholischen Kathedralen. Die Straßen sind voller Menschen, und in den zentralen Bereichen bleibt der Autoverkehr an diesem Abend vielerorts draußen.

Die Menschen werfen Konfetti, machen Fotos und bestaunen die festliche Beleuchtung und Weihnachtsdekoration der großen Hotels und Kaufhäuser. Viele Cafés und Restaurants bleiben geöffnet und laden zu einer kleinen Stärkung ein.

Vietnam gehörte einst zum französischen Kolonialreich, und dieser Einfluss ist in den Weihnachtstraditionen bis heute spürbar. Viele katholische Kirchen stellen große Weihnachtskrippen mit nahezu lebensgroßen Figuren von Maria, Joseph, dem Jesuskind, den Hirten und den Tieren auf. In einigen Vierteln von Ho-Chi-Minh-Stadt, meist in katholischen Gemeinden, errichten die Bewohner große Krippen vor ihren Häusern und schmücken ganze Straßenzüge. So entstehen stimmungsvolle Weihnachtsviertel, deren kunstvoll gestaltete Szenen zahlreiche Besucher anziehen.

Wie in Frankreich heißt das besondere Festessen am Heiligabend “Réveillon”. Zum Nachtisch gehört eine “Bûche de Noël”, eine Schokoladenbiskuitrolle in Form eines Holzscheits. Vietnamesen verschenken gern Speisen, und zur Weihnachtszeit ist eine Bûche de Noël daher ein beliebtes Präsent. Andere Weihnachtsgeschenke sind weniger verbreitet, einige junge Menschen tauschen jedoch gern Weihnachtskarten aus.

Der weihnachtliche Gedanke des Gebens und Teilens wird in Vietnam von Herzen gelebt. Großzügigkeit spielt eine wichtige Rolle, und während der Weihnachtsfeiern werden zahlreiche Geschenke verteilt. Besonders Kinder hoffen darauf, dass der Weihnachtsmann ihre Strümpfe und Schuhe mit Leckereien aus seinem prall gefüllten Sack bestückt. Auch europäische Bräuche wie der Weihnachtsmann und der geschmückte Weihnachtsbaum sind beliebt; am Heiligabend stellen manche Kinder ihre Schuhe vor die Tür.

“Frohe Weihnachten” heißt auf Vietnamesisch “Chúc Mừng Giáng Sinh”!

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