Was ist ein T’rung?
Das T’rung ist ein beliebtes Musikinstrument, das eng mit dem spirituellen Leben der Bahnar, Sedang, Jarai, Ede und weiterer ethnischer Minderheiten im zentralen Hochland Vietnams verbunden ist. Es besteht aus unterschiedlich großen, kurzen Bambusröhren, die an einem Ende eingekerbt und am anderen abgeschrägt sind. Die langen, dicken Röhren erzeugen tiefe Töne, die kurzen, dünnen hingegen hohe. Die Röhren werden der Länge nach horizontal angeordnet und mit zwei Schnüren miteinander verbunden.
Die Geschichte des T’rung
Die Entstehung dieses besonderen Volksmusikinstruments ist eine Hommage an die Arbeitskraft und den Lebenswillen der ethnischen Gruppen Vietnams.
In früher Zeit mussten die Menschen hart arbeiten, um ihren Lebensunterhalt zu sichern, und zugleich den Kräften der Natur trotzen. Nach einem anstrengenden Arbeitstag gab es damals nur wenige Möglichkeiten der Unterhaltung. Steintrommeln kamen erst viel später auf, als sich in den frühen Gemeinschaften religiöse Bräuche und die Verehrung von Gottheiten entwickelten. Umso größer war die Freude, als das erste T’rung entstand.
Die heutige Bedeutung und der kulturelle Wert des T’rung
Unter den vietnamesischen Volksmusikinstrumenten aus Bambus nimmt das T’rung einen besonderen Platz ein. Es ist ein Symbol der Gemeinschaft und unverkennbar vietnamesisch. Sein Klang ist lebendig und anmutig. Das T’rung wird stets bei fröhlichen Festen gespielt, insbesondere bei den Volksgruppen im Hochland, während Flöten und Panflöten meist dazu dienen, Gefühle der Liebe auszudrücken. Deshalb bezeichnen die ethnischen Gruppen Vietnams das T’rung auch als fröhliche Musik, denn seine Klänge vermitteln pure Lebensfreude.
Ein traditionelles T’rung wird im Wesentlichen aus sorgfältig zugeschnittenen Bambusröhren gefertigt. Diese werden auf einem Rahmen nach ihrer Tonhöhe von tief nach hoch angeordnet und erzeugen so ein harmonisches Klangbild. Schon bei der Entwicklung des Instruments erkannten seine Erbauer, dass kleine und große Röhren unterschiedliche Töne hervorbringen. Durch ihre Anordnung entstand ein eindrucksvolles Klangspiel. Jede Röhre lässt beim Anschlagen einen Laut hören, der wie “t’rung” klingt. Daher erhielt dieses Volksmusikinstrument den Namen T’RUNG. Anzahl und Anordnung der aufgehängten Röhren können je nach gewünschtem Tonumfang angepasst werden.
Im majestätischen zentralen Hochland wird das T’rung häufig nach anstrengender Feldarbeit gespielt. Abends kommen die Menschen im Gemeinschaftshaus am Lagerfeuer zusammen, während junge Frauen und Männer fröhlich singen und tanzen. Auch bei Hochzeiten und Dorffesten vereinen sich die Klänge von Gongs und T’rung.
Im Laufe der Zeit wurde das T’rung erheblich weiterentwickelt. Zusätzliche Röhren kamen hinzu; manche Instrumente verfügen heute über bis zu 48 Röhren, die in drei Reihen angeordnet sind. Damit lassen sich selbst anspruchsvolle moderne Musikstücke spielen, ohne die traditionelle Tonskala aufzugeben. Einige Musiker entwickelten zudem einen an beiden Enden eingekerbten Schlägel, mit dem sich einhändig zwei Töne zugleich erzeugen lassen – eine Technik, die die Ausdrucksmöglichkeiten des Instruments nochmals erweitert.
In den nationalen Musikensembles Vietnams hat das T’rung seit jeher einen festen Platz. Obwohl dieses unverwechselbare Instrument aus einfachen Materialien gefertigt wird, findet es bei Auftritten in renommierten Konzerthäusern vieler Länder große Anerkennung.
