Ao Dai – das vietnamesische Langkleid

Ao Dai – das vietnamesische Langkleid

Rachel Tran Rachel Tran | Aktualisiert am 11. Februar 2020

Die Schönheit der Frauen im “Ao Dai” hinterlässt bei ausländischen Vietnamreisenden stets einen tiefen Eindruck.

Die Schönheit der Frauen im “Ao Dai” hinterlässt bei ausländischen Vietnamreisenden stets einen tiefen Eindruck. Schülerinnen in langen weißen Gewändern beleben auf ihrem Schulweg die Straßen oder gleiten anmutig auf ihren Fahrrädern vorbei. Sekretärinnen in zarten Pastelltönen begrüßen Sie an der Bürotür, während ältere Damen in kräftigen Violett-, Grün- oder Blautönen beim Abendessen im Restaurant eine eindrucksvolle Erscheinung abgeben. Das “Ao Dai” scheint jeder Figur zu schmeicheln.

Frühe Formen des “Ao Dai” reichen bis ins Jahr 1744 zurück. Damals verfügte Fürst Vu Vuong aus der Nguyen-Dynastie, dass sowohl Männer als auch Frauen eine Kombination aus Hose und vorn geknöpftem Gewand tragen sollten. Erst um 1930 nahm das “Ao Dai” teilweise seine heutige Gestalt an. Männer trugen es nun seltener und meist nur zu feierlichen Anlässen wie Hochzeiten oder Beerdigungen. In den 1950er-Jahren begannen zwei Schneider in Saigon, “Ao Dai” mit Raglanärmeln anzufertigen. Dabei verläuft eine diagonale Naht vom Kragen bis unter den Arm – ein bis heute besonders beliebter Schnitt.

Jedes “Ao Dai” wird individuell an die Körperform seiner Trägerin angepasst, damit es besonders anmutig fällt. Das figurbetonte Oberteil reicht über eine weite Hose, die sanft den Boden berührt. Die Hosenbeine sollten bis zu den Fußsohlen reichen und über den Boden gleiten. Seitliche Schlitze im Gewand ziehen sich bis weit über die Taille hinauf und sorgen für Komfort und Bewegungsfreiheit.

Bei diesem Kleidungsstück gehen Schönheit und Tragekomfort stets Hand in Hand. Der Schnitt muss der Trägerin ausreichend Bewegungsfreiheit bieten. Obwohl das “Ao Dai” ein langes Gewand ist, soll es sich auch bei warmem Wetter angenehm tragen lassen. Bevorzugt werden Kunstfasern oder Seide, da diese Stoffe kaum knittern und schnell trocknen. So eignet sich das “Ao Dai” auch als praktische Uniform für den Alltag.

Die Farbe verrät traditionell etwas über Alter und Familienstand der Trägerin. Junge Mädchen tragen vollständig gefütterte Gewänder in reinem Weiß, das ihre Unschuld symbolisiert. Ältere, noch unverheiratete Frauen wählen sanfte Pastelltöne. Kräftige, satte Farben – meist in Kombination mit einer weißen oder schwarzen Hose – sind verheirateten Frauen vorbehalten. Wo körperlich gearbeitet wird, sieht man das “Ao Dai” allerdings nur selten. In den 1990er-Jahren erlebte es eine eindrucksvolle Renaissance. Heute gehört es für Schülerinnen ebenso wie für Mitarbeiterinnen in Büros und Hotels zur üblichen Kleidung. Bei formellen Anlässen ist das “Ao Dai” traditionell das bevorzugte Gewand.

Heute präsentiert sich das “Ao Dai” in leicht veränderter Form. Häufig ist es kürzer geschnitten und reicht nur noch bis knapp unter das Knie. Auch beim Ausschnitt gibt es zahlreiche Varianten, vom U-Boot-Ausschnitt bis zum traditionellen Stehkragen. Modebewusste Frauen experimentieren zudem mit tiefen Rundhalsausschnitten, Puffärmeln oder schulterfreien Entwürfen. Die einst strengen Farbvorgaben gelten längst nicht mehr, und neue Stoffe ermöglichen eindrucksvolle Kreationen. Viele Vietnamreisende zeigen sich besonders von der Kunstfertigkeit der einheimischen Schneider begeistert, die ein “Ao Dai” anfertigen. Kaum ein anderes Gewand wirkt zugleich so elegant, dezent und bezaubernd – und kleidet vietnamesische Frauen jeden Alters so vortrefflich wie das “Ao Dai”.

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