Traditionelles vietnamesisches Ringen

Traditionelles vietnamesisches Ringen

Rachel Tran Rachel Tran | Aktualisiert am 12. Februar 2020

Das Ringen ist eine traditionelle vietnamesische Kampfkunst, die zahlreiche Zuschauer begeistert.

Die nationale Meisterschaft im traditionellen Ringen findet häufig an einem schönen Frühlingstag in wechselnden Provinzen Vietnams statt. Eine leichte Brise bewegt die bunten traditionellen Fahnen, die an den vier Ecken der Kampffläche stehen, während sich die Finalisten auf ihren Wettkampf vorbereiten.

Wären da nicht der trockene Rhythmus der Trommel und die aufgeheizte Atmosphäre eines Sportereignisses, könnte man die Szenerie für eine künstlerische Darbietung halten – so sehr erinnert das traditionelle vietnamesische Ringen (“Dau Vat”) an einen Tanz. Tatsächlich sind es gerade seine malerischen und kunstvoll choreografierten Elemente, die diesen äußerst beliebten Sport so eindrucksvoll machen.

Die Ringer sitzen rund um die “Matte” und warten auf den Beginn der Kämpfe. Einen Ring oder Seile gibt es nicht. Mit Kalk haben die Dorfbewohner ein Quadrat mit einer Seitenlänge von etwa 10 m auf den Boden gezeichnet. Das Publikum sitzt ringsherum und beobachtet gespannt, wie die Ringer ihre schweißnassen Hände an der Erde reiben und dabei ihre Gegner aus den Augenwinkeln mustern.

“Toong! Toong! Toong!” Die Trommel ruft zwei Kontrahenten zum Kampf. Wie bei allen traditionellen vietnamesischen Sportarten wird auch das Ringen von einer Trommel, einem Gong oder manchmal von beidem begleitet. Die Trommel gibt den Rhythmus vor und spornt die Athleten an. Ein Sprecher kündigt die Teilnehmer an, die sich erheben und in die Mitte der “Matte” treten. Sie sind oberkörperfrei und tragen rote Shorts sowie einen Seidengürtel um die Hüfte – der eine Kämpfer in Rot, der andere in Gelb.

Mit leichten, an Vögel erinnernden Schritten beginnen sie zu tanzen. Ihre Arme vollführen geschmeidige, wellenförmige Bewegungen, die ihre Muskulatur zur Geltung bringen. Dann folgt das Aufwärmen – ein schwungvolles und farbenprächtiges Schauspiel. Gewöhnlich dauert es zwei Minuten, während die Trommeln ununterbrochen weiterschlagen. Obwohl sich die Darbietungen je nach Kampfkunstschule unterscheiden, müssen alle Aufwärmtänze dem Rhythmus der Trommel folgen. Sobald die Ringer ihr Aufwärmprogramm beendet haben, stellt der Hauptkampfrichter sie vor, indem er wie beim Boxen ihre Arme hebt. Anschließend

drehen sich die Ringer voneinander weg und blicken zu den gegenüberliegenden Seiten der Kampffläche. Die Trommel setzt mit langsamen, weit auseinanderliegenden Wirbeln wieder ein. Die beiden Gegner wenden sich einander zu und reichen sich die Hand. Dann stemmen sie die Hände in die Hüften und starren sich herausfordernd an. Auf einen kurzen, trockenen Trommelschlag hin drehen sie sich um und entfernen sich voneinander. Mit jedem weiteren Schritt wird der Trommelrhythmus schneller. Damit endet der “künstlerische” Teil des Duells. Sobald der Kampf offiziell beginnt, wird nichts mehr geschenkt. Die Ringer wenden sich um, beugen den Oberkörper vor und gehen so tief in die Knie, dass sie beinahe hocken, während sie die Arme ausstrecken. Den Blick fest aufeinander gerichtet, gleiten sie förmlich aufeinander zu und bewahren dabei ihr Gleichgewicht für den ersten Angriff.

Die Trommelschläge bestimmen den Verlauf des Kampfes. Sobald einer der Gegner zu einem Griff ansetzt, beschleunigt sich der Rhythmus. Ist die Gefahr vorüber, kehrt er zum normalen Tempo zurück – als wolle die Trommel den Ringern Zeit geben, wieder zu Atem zu kommen und ihre Deckung zu halten. Stürzt ein Ringer, wird der Rhythmus immer schneller und drängender. Sobald die Schultern des Unterlegenen den Boden berühren, beendet ein abschließender Trommelschlag den Kampf. Sieger und Verlierer stehen auf, begleitet vom Applaus des Publikums und einem lang anhaltenden Trommelwirbel.

Jeder Ringer verfügt über eigene Griffe, die ihm von seinem Trainer vermittelt wurden – dem einzigen Menschen, der diese Geheimnisse kennt. Sieger ist, wer seinen Gegner mit dem “Gesicht zum Himmel” auf den Rücken dreht und dessen Schultern auf den Boden zwingt. Nach den modernen Regeln besteht ein Kampf aus drei Runden von jeweils vier Minuten. Traditionelle Duelle dauerten jedoch oft mehrere Stunden, da die Regeln kein Unentschieden zuließen.

Bei der nationalen Meisterschaft im traditionellen Ringen erleben Sie eine mitreißende, aufgeheizte Atmosphäre, die durchaus an ein spannendes Fußballspiel erinnert.

Teilen:
Ga-T3-Tan-Son-Nhat-1.jpg

Wie sparen Sie bei Ihrer Ankunft in Vietnam Zeit & Geld?

Lange Warteschlangen, unübersichtliche Abläufe und unzuverlässige Taxis können den ersten Eindruck trüben.

UNSER VIETNAM-KOMPLETTPAKET

Wohin möchten Sie reisen?