Dan Bau ist ein vietnamesisches Monochord, ein traditionelles einsaitiges Musikinstrument und ein wichtiger Bestandteil der vietnamesischen Kunst.
Geschichte des Dan Bau
Laut dem Geschichtswerk “Dai Nam thuc luc tien bien” wurde das erste Dan Bau im Jahr 1770 gefertigt. Viele Forschende gehen jedoch davon aus, dass das Instrument bis zu tausend Jahre älter sein könnte. Eine bekannte Legende über seinen Ursprung erzählt von einer blinden Frau, die auf dem Markt Dan Bau spielte, um den Lebensunterhalt ihrer Familie zu verdienen, während ihr Mann im Krieg war. Ob diese Geschichte auf Tatsachen beruht oder nicht: Fest steht, dass das Dan Bau traditionell häufig von blinden Musikern gespielt wurde. In seiner ursprünglichen Form war es ein sehr einfaches Instrument, das aus einem Bambusrohr, einem biegsamen Stab sowie einer Kalebasse oder einer halben Kokosnussschale bestand. Im Laufe der Zeit wurde das Dan Bau weiterentwickelt und verbessert. Seine heutige Form ist etwas ausgefeilter, bleibt jedoch vergleichsweise schlicht. Bis vor Kurzem schränkte sein leiser Klang die musikalischen Einsatzmöglichkeiten ein. Als Soloinstrument spielt das Dan Bau eine zentrale Rolle in der vietnamesischen Volksmusik, die im Land bis heute beliebt ist. Traditionell dient es außerdem als Begleitung bei Gedichtrezitationen.
Was ist ein Dan Bau?
Das Wort “Monochord” bedeutet wörtlich “eine Saite”. Bei einem Monochord ist eine einzelne Saite über einen Resonanzkörper gespannt. Sie ist an beiden Enden befestigt, während ein beweglicher Steg die Tonhöhe verändert. Ursprünglich bestand das Dan Bau aus nur 4 Teilen: einem Bambusrohr, einem Holzstab, einer halben Kokosnussschale und einer Seidensaite. Die Saite wurde über das Bambusrohr gespannt und an einem Ende am Stab befestigt, der senkrecht mit dem Bambus verbunden war. Die am Stab angebrachte Kokosnussschale diente als Resonator.
In seiner heute üblichen Form besitzt das Dan Bau einen länglichen, kastenförmigen Resonanzkörper, der zu einem Ende hin etwas schmaler wird. Seine leicht gewölbte Decke besteht aus unlackiertem, hellem Weichholz, die Seiten aus Hartholz und der Boden aus hellem Holz mit Öffnungen zur Verbesserung des Klangs. An einem Ende des Resonanzkörpers befindet sich ein biegsamer Bambusstab. Dieser führt durch eine getrocknete Kalebasse, deren unteres Ende zuvor entfernt wurde und die auf dem Resonanzkörper befestigt ist. Am anderen Ende sitzt ein Wirbel aus Holz oder Metall, mit dem das Instrument gestimmt wird.
Die Metallsaite ist am Stab und am Wirbel befestigt. Als Plektrum dient ein zugespitztes Stäbchen aus Bambus oder Rattan. Obwohl das Dan Bau nur eine Saite besitzt, kann es sämtliche Töne der pentatonischen Tonleiter hervorbringen. Die acht Töne der vietnamesischen Musik ermöglichen stärkere Modulationen als bei jedem anderen einsaitigen Instrument der Welt. Das Dan Bau wird üblicherweise auf den Ton C gestimmt und nutzt Flageolett- beziehungsweise Obertöne. Beim Spielen zupft der Musiker die Saite und berührt sie zugleich an einer Stelle, an der ein Oberton entsteht, leicht mit der Handkante. Mithilfe des biegsamen Stabes lässt sich die Spannung der Saite verändern. Dadurch kann die Tonhöhe angehoben oder abgesenkt, ein Ton verlängert oder verkürzt und ein Triller erzeugt werden. Zu den Spieltechniken der linken Hand gehören Vibrato, Drücken sowie abwechselndes Drücken und Loslassen. Das Dan Bau kann Tonfolgen mit Drittel- oder sogar Vierteltönen wiedergeben. Sein Klang ist weich, lieblich und fesselnd.
Heute wird das Dan Bau mit großer Sorgfalt gefertigt, um sowohl eine ansprechende Gestaltung als auch eine hohe Klangqualität zu gewährleisten. Bei öffentlichen Auftritten kommt häufig ein elektronischer Verstärker zum Einsatz. Dadurch lassen sich Lautstärke und Reichweite des Klangs erhöhen, ohne seine charakteristische Qualität zu beeinträchtigen. Das Instrument wird solistisch oder zur Begleitung von Gedichtrezitationen gespielt. In den vergangenen Jahren hat es zudem einen festen Platz in der Orchesterbegleitung der Opernformen Cheo und Cai luong gefunden. Auch auf bedeutenden Bühnen im Ausland ist das Dan Bau bereits zu hören gewesen.
Das Dan Bau spielen
Das Dan Bau zu spielen erscheint einfach, erfordert jedoch höchste Präzision. Der kleine Finger der rechten Hand berührt die Saite sanft an einem von sieben häufig verwendeten Knotenpunkten, während die anderen Finger sie mit einem langen Plektrum anzupfen. Mit dem Zeigefinger der linken Hand kann der Spieler den biegsamen Stab zum Instrument hin drücken, um die Tonhöhe zu senken. Zieht er den Stab mit dem Daumen vom Instrument weg, steigt die Tonhöhe. Mit dieser Technik lassen sich sowohl Töne erzeugen, die an den Knotenpunkten nicht verfügbar sind, als auch beliebige Töne mit Vibrato versehen.
Tatsächlich ist das Dan Bau ein Musikinstrument, das unmittelbar das Herz berührt. Seine Musik sollte allein dem Vergnügen des Spielers dienen – und früher hieß es, junge Frauen sollten ihr besser nicht lauschen. Besorgte Eltern wollten ihre Töchter damit vor der emotionalen Wirkung der auf diesem Instrument gespielten Liebeslieder schützen. Diese Warnung lässt erahnen, welche Kraft und welchen Zauber der Klang des Dan Bau entfalten kann.
