Das dreitägige Festival der traditionellen vietnamesischen Kampfkünste in der zentralvietnamesischen Provinz Binh Dinh, der Wiege des “Viet Vo Dao”, macht die Kampfkunst Vietnams nicht nur einem breiteren Publikum bekannt, sondern spiegelt auch ihr weltweites Ansehen wider.
Hunderttausende Anhänger in 100 Ländern und Gebieten erlernen heute traditionelle vietnamesische Kampfkünste. Damit zählen sie inzwischen zu den weltweit beliebtesten Sportarten.
Die zentralvietnamesische Provinz Binh Dinh gilt als Wiege der vietnamesischen Kampfkunst und als Geburtsstätte der traditionellen Kampfkünste Vietnams, deren Wurzeln hier bis zur Kampfkunstschule Tay Son-Binh Dinh im 18. Jahrhundert zurückreichen. Bis heute führt die Provinz dieses Erbe mit Stolz fort und bringt einige der besten Kampfkünstler des Landes hervor.
Das Festival der traditionellen Kampfkünste beginnt mit Vorführungen in Quy Nhon, der Hauptstadt von Binh Dinh, sowie an umliegenden Schauplätzen. Dazu gehören das König-Quang-Trung-Museum, die Zitadelle Hoang De (Kaiserliche Zitadelle) und die Wirtschaftszone Nhon Hoi, ein Symbol für die wirtschaftliche Entwicklung Zentralvietnams.
“Viet Vo Dao”
Das “Viet Vo Dao”, das auf dem harmonischen Zusammenspiel von Härte und Sanftheit beruht, wurde vor weniger als hundert Jahren während der französischen Kolonialzeit in Vietnam von Großmeister Nguyen Loc begründet. Er entwickelte die Kampfkunst vor allem zur Selbstverteidigung: Kraft und Reaktion des Gegners werden dabei gezielt gegen ihn selbst eingesetzt.
“Viet Vo Dao” dient nicht nur der körperlichen Gesundheit und der charakterlichen Entwicklung, sondern vermittelt auch Mitmenschlichkeit. Zugleich verkörpert diese Kampfkunst die Großzügigkeit eines heldenhaften und sportlichen Volkes. Traditionelle vietnamesische Kampfkünste begeistern Menschen aller Generationen. Zu den Techniken des “Viet Vo Dao” gehören Tritte, Würfe, Befreiungs- und Hebeltechniken, Ringen und Faustschläge; auch Schwerter, Stöcke und Messer kommen zum Einsatz.
Der Begründer Truong Thanh Dang widmete sein gesamtes Leben dem Verständnis, der Ausübung und der Erforschung dieses kulturellen Erbes. Aus dem reichen Schatz der Kampfkünste formte er ein einzigartiges, schöpferisches System.
Spektakuläre Kampfkunstvorführungen
Der Wille zu Freiheit und Unabhängigkeit sowie ihr unerschütterlicher Patriotismus haben im vietnamesischen Volk einen starken Kampfgeist hervorgebracht. Er zeigte sich besonders in den entscheidenden Kriegen: “Um der Erniedrigung, dem Elend und den Entbehrungen der Knechtschaft zu entkommen, mussten sie ihre Feinde besiegen.”
Die traditionellen vietnamesischen Kampfkünste sind außerordentlich vielfältig. Sie entwickelten sich aus den leidvollen Erfahrungen mutiger Kämpfe zum Schutz des Landes und seiner Bevölkerung.
Die Provinz Binh Dinh ist für Vo Tay Son bekannt, das auch Vo Binh Dinh genannt wird – eine alte Kampfkunst, die in dieser Region entstand. In zehn der elf Bezirke der Provinz gibt es heute Kampfkunstzentren mit nahezu 100 Vereinen. Der Provinzverband für traditionelle Kampfkünste vereint 80 Meister und betreut rund 1.000 Schüler in regelmäßig stattfindenden Kursen.
Wenn Sie Binh Dinh besuchen und am Festival teilnehmen, können Sie den lokalen Gruppen begegnen und ihre beeindruckenden Kampfkunstvorführungen erleben. Zugleich entdecken Sie die reizvolle Landschaft und die unverwechselbare Kultur der Provinz. In den Dörfern präsentieren Teilnehmer vielfältige Darbietungen, die Einblicke in die besonderen Ausdrucksformen unterschiedlicher Kampfkunsttraditionen geben.
Darüber hinaus können Sie traditionsreiche Kampfkunstdörfer wie An Thai und An Vinh besuchen. Dort vermitteln die Nachfolger früherer Meister das über Generationen bewahrte Wissen. Zum abwechslungsreichen Festivalprogramm gehören mitreißende Kriegstrommel-Darbietungen, internationale Kampfkunstwettbewerbe und ein Schönheitswettbewerb, bei dem einige der kampfstärksten Frauen Vietnams antreten.
Kriegstrommeln
Das Spiel der Tay-Son-Kriegstrommeln liegt den Menschen der Region seit jeher besonders am Herzen. Überliefert ist, dass Nguyen Hue, der später als Kaiser Quang Trung bekannt wurde, im Kampf ein System aus 12 Trommeln verwendete. Diese symbolisierten die 12 asiatischen Tierkreiszeichen und dienten dazu, Befehle zu übermitteln, den Kampfgeist seiner Soldaten zu stärken und seine Gegner für eine gerechte Sache zu gewinnen.
Laut Tran Dinh Ky, dem Direktor des König-Quang-Trung-Museums in Quy Nhon, ist das Spiel der Tay-Son-Kriegstrommeln eine besondere Kunstform, die militärische und künstlerische Elemente miteinander verbindet und auf traditionellen Klangsystemen wie ho, xang und xe beruht.
Die “Seele” des Tay-Son-Kriegstrommelspiels auszudrücken, ist außerordentlich anspruchsvoll. Daher beherrschen nur wenige Künstler diese Kunst auf höchstem Niveau.
Hoang Mai, eine junge Frau Anfang zwanzig und Mitglied des Kampfmusikensembles des König-Quang-Trung-Museums, wurde zur Haupttrommlerin des Festivals und zur Botschafterin dieser besonderen Kunstform ernannt.
Schönheitswettbewerb
Beim Festival nehmen Vertreterinnen von Kampfkunstschulen aus fast 40 Ländern am Schönheitswettbewerb “Hoa hau nhung mien dat vo” (Schönheiten aus den Ländern der Kampfkünste) teil.
“Als Symbolfigur des Wettbewerbs wurde Generalin Bui Thi Xuan gewählt. Sie war eine der führenden Persönlichkeiten des Tay-Son-Aufstands und vereinte Anmut mit außergewöhnlichem Kampfkunsttalent”, erklärte ein Mitglied des Organisationskomitees. “Die Teilnehmerinnen messen sich nicht nur in äußerer Schönheit, sondern stellen bei ihren Kampfkunstvorführungen auch ihre mentale und körperliche Stärke unter Beweis”, fügte er hinzu.
Auch Tuong, das klassische vietnamesische Theater, ist Teil des Wettbewerbs. Im Mittelpunkt steht dabei insbesondere die Tradition des Dao-Tan-Tuong-Theaters der Provinz, einer der bedeutenden Wiegen dieser Kunstform in Vietnam. In Binh Dinh weisen Tuong und die Kampfkünste einige gemeinsame Bewegungsabläufe auf und sind daher eng miteinander verbunden.
Weitere Höhepunkte
Das Festival beginnt um 8 Uhr am König-Quang-Trung-Museum mit einer Prozession und einer Blumenzeremonie zu Ehren von Kaiser Quang Trung, eines klugen Herrschers und großen Nationalhelden.
Am folgenden Tag können Besucher in 22 Segelbooten mitfahren, die für 22 Jahre “Doi Moi” (wirtschaftliche Erneuerung) stehen, und in der Bucht von Thi Nai sowie an der Thi-Nai-Brücke Blumengirlanden und farbenfrohe Laternen zu Wasser lassen.
Während des gesamten Festivals sorgen außerdem eindrucksvolle Feuerwerke und traditionelle Musikdarbietungen einheimischer und internationaler Künstler für besondere Erlebnisse.
Ein weiterer Höhepunkt ist der traditionelle Kunsthandwerksmarkt mit zahlreichen Ständen im Zentralpark von Quy Nhon.
Auf dem Markt können Besucher regionale Spezialitäten wie den besonders kräftigen Bau-Da-Reiswein und Phu-My-Nem (fermentierte Schweinefleischrolle) probieren. Im Kulturhaus der Arbeit der Provinz finden außerdem eine Zierpflanzenausstellung und ein Wettbewerb mit zahlreichen seltenen Pflanzen und Bonsai aus dem ganzen Land statt.
Eindrücke vom ersten nationalen Kampfkunstfestival
Das erste nationale Kampfkunstfestival fand 2006 in Binh Dinh statt. Zahlreiche in Vietnam und im Ausland lebende Meister des “Viet Vo Dao” sowie rund 500 weitere Begeisterte aus aller Welt kamen zum ersten “Viet Vo Dao”-Festival, um gemeinsam zu den Ursprüngen ihrer Kampfkunst zurückzukehren.
Phan Tho, ein dauerhaft in Binh Dinh lebender Meister des “Viet Vo Dao”, zeigte sich tief bewegt darüber, dass das Festival in seiner Heimat stattfand. Nach rund 70 Jahren, die er dem Training des “Viet Vo Dao” gewidmet hatte, sei dies für ihn das größte Glück, erklärte er.
Auch zahlreiche weitere Meister des “Viet Vo Dao”, darunter Tran Tien und Ho Hoa Hue, sowie im Ausland lebende Meister zeigten sich vom Festival begeistert.
Die Zahl der Delegationen und Künstler, die 2007 am Festival teilnahmen, war nahezu doppelt so hoch wie 2006 – ein Zeichen für die wachsende internationale Bedeutung der traditionellen vietnamesischen Kampfkünste …
