Vietnam ist ein kulturell vielfältiges Land mit 54 ethnischen Gruppen und zahlreichen Bräuchen und Traditionen. Jede Gruppe besitzt ihre eigene charakteristische Tracht und verleiht damit der vietnamesischen Kultur noch mehr Farbe …
1. Die Thai
Als zweitgrößte ethnische Gruppe Vietnams sind die Thai besonders für ihre Brokatstoffe mit unverwechselbaren, farbenfrohen und langlebigen Mustern bekannt. In den vergangenen Jahrzehnten haben die Männer zunehmend den Kleidungsstil der Kinh übernommen, während die Frauen weiterhin ihre traditionelle Kleidung tragen: kurze Westen, lange Röcke, Tücher und Schmuck. Die Schwarzen Thai leben vor allem in Son La und im Süden der Provinz Lai Chau, die Weißen Thai überwiegend im Norden von Lai Chau sowie in der Provinz Lao Cai. Zur traditionellen Tracht der Thai gehören meist eine farbige Bluse – häufig in Grün, Blau, Rosa oder Violett – mit einer markanten Reihe silberner Knöpfe auf der Vorderseite, ein langer schwarzer Rock und ein kunstvoll besticktes, unverwechselbares schwarzes Kopftuch. Im Dorf Mai Chau nahe Hoa Binh begegnen Reisende vielen Angehörigen der Thai; ihre traditionelle Tracht tragen sie dort jedoch meist nur bei Tanzvorführungen für Besucher.
2. Die Nung
Gemeinschaften der Nung leben heute hauptsächlich in den Provinzen Cao Bang und Lang Son, sind jedoch auch in Teilen von Lao Cai, Ha Giang, Tuyen Quang, Bac Can, Thai Nguyen und Ha Bac ansässig. Die traditionelle Kleidung der Nung besteht bei Frauen wie Männern aus einer schlichten indigofarbenen Jacke und Hose, häufig ergänzt durch einen farbigen Gürtel und einen schwarzen Turban, über den ein weißes oder farbiges Tuch gelegt wird. Je nach Untergruppe gibt es jedoch zahlreiche Varianten. Die Nung An leben ausschließlich in der Region nordöstlich von Cao Bang. Ihre charakteristische Tracht besteht aus einer schlichten schwarzen Tunika und einer schwarzen Pumphose. Die Tunika wird an der rechten Schulter geschlossen; den Kragen zieren schmale, abwechselnd blau-weiße und/oder mehrfarbig bestickte Bänder. An den Ärmelbündchen befinden sich mehrfarbige blaue Bänder auf der Vorderseite sowie weiße Bänder mit schwarzen Mustern auf der Rückseite. Um die Taille wird häufig ein Gürtel aus weißem Stoff mit schwarzen Mustern getragen, die jenen an den Bündchen ähneln. Dazu gehört meist ein weißes, gelegentlich auch blaues Kopftuch. Mitunter wird stattdessen ein Turban aus weißem Stoff um den Kopf gewickelt und mit einem blauen Tuch bedeckt. Die Nung Phan Sinh der Provinz Lang Son leben vorwiegend in der Region Cao Loc östlich der Stadt. Ihre Tracht besteht aus einer schlichten schwarzen Hose und einem einfarbigen Hemd, das unter der rechten Achsel geschlossen wird. Beide Kleidungsstücke sind mit schmalen Borten aus weißem oder floral gemustertem Stoff eingefasst. Dazu wird ein kleiner weißer Turban getragen, der mit senkrechten schwarzen und weißen oder farbigen Streifen bestickt ist.
3. Die Giay
Die Giay sind relativ weit verbreitet. Sie sind nicht nur rund um Sapa anzutreffen, sondern auch nahe Tam Duong in Lai Chau sowie in den Bezirken Dong Van und Yen Minh der Provinz Ha Giang. Die traditionelle Frauentracht in den Provinzen Lao Cai und Lai Chau besteht aus einer schwarzen Hose und einem farbigen Hemd – in hellem oder dunklem Rosa, hellem oder dunklem Blau, Grün oder Weiß. Ein breites Band aus andersfarbigem Stoff verläuft um den Kragen und hinunter zu einem Verschluss unter der rechten Achsel. Ergänzt wird die Tracht meist durch das allgegenwärtige gemusterte Kopftuch.
4. Die Lu
Die Lu sind eine seit Langem ansässige ethnische Gruppe der Tay-Thai-Sprachfamilie. Mit knapp 4,000 Angehörigen bilden sie die 40.-größte Bevölkerungsgruppe Vietnams. Ihre traditionelle Kleidung in Schwarz und Silber zählt zu den auffälligsten im Norden Vietnams. Besonders charakteristisch ist ein schwarzes Kopftuch mit silbernem Streifenmuster und farbenfrohen Quasten. Die lächelnden Frauen zeigen Ihnen häufig auch ihre ebenmäßige Reihe traditionell geschwärzter Zähne. Heute leben die Lu hauptsächlich zwischen Sin Ho und Binh Lu in der Provinz Lai Chau.
5. Die Tu Di
Die Tu Di sind eine von zwei Gruppen der ethnischen Minderheit Bo Y. Die andere Gruppe, die Bo Y selbst, lebt im Bezirk Quan Ba der Provinz Ha Giang. Die Frauen der Tu Di in Muong Khuong haben einen Kleidungsstil übernommen, der dem ihrer benachbarten Phi La ähnelt. Sie tragen heute eine schwarze Hose und ein Hemd aus schwarzem und blauem Stoff mit einem markanten Einsatz auf der Vorderseite, der mit farbigen Stoffstücken, Stickereien und Silberketten verziert ist. Das Hemd wird unter der rechten Achsel geschlossen; konzentrische Ringe aus farbigem Stoff schmücken die Oberärmel und Bündchen. Das Haar wird zu einem Knoten oben auf dem Kopf gebunden und mit einem schwarzen Turban sowie Stickereien bedeckt.
6. Die Pa Di
Die Pa Di sind eine Untergruppe der Tay und leben ausschließlich im Bezirk Muong Khuong in Lao Cai. Sie sind sofort an ihrer charakteristischen Kopfbedeckung zu erkennen: einem mit Metallnieten verzierten Stirnband, das von einem steifen, pyramidenförmigen schwarzen Hut umschlossen wird. Wie die mit ihnen verwandten Thu Lao tragen auch die Frauen der Pa Di einen schwarzen Rock, ein unter der rechten Achsel geschlossenes schwarzes Hemd und eine schwarze Schürze. Das Hemd besitzt jedoch eine blaue Einfassung; die unteren Ärmel sind mit blau-weißen Ringen und der Kragen mit ornamentalen Nietenmustern verziert.
7. Die Tay
Die Tay sind mit deutlich über 1,200,000 Angehörigen die größte ethnische Minderheit Vietnams. Dennoch sind sie häufig nicht leicht zu erkennen, da sich ihre Kleidung kaum von jener der modernen Viet Kinh unterscheidet. Üblicherweise tragen sie eine schwarze Hose und ein schwarzes Hemd. Das Hemd wird unter der rechten Achsel geschlossen und ist dort sowie an den unteren Ärmeln mit markanten blauen Stoffbändern verziert.
