Ao Yem (Leibchen) – Das unverzichtbare Kleidungsstück vietnamesischer Frauen in früheren Zeiten

Ao Yem (Leibchen) – Das unverzichtbare Kleidungsstück vietnamesischer Frauen in früheren Zeiten

Rachel Tran Rachel Tran | Aktualisiert am 5. März 2021

Ein Blick auf die Entwicklung der traditionellen vietnamesischen Kleidung zeigt: Neben dem “Ao Dai” gehört auch das “Ao Yem” zum kulturellen Erbe des Landes – ein unverzichtbares Kleidungsstück vietnamesischer Frauen in früheren Zeiten.

Das Bild anmutiger Frauen im eleganten traditionellen langen Gewand gilt als Symbol Vietnams. Ein Blick auf die Entwicklung der Landestracht zeigt jedoch, dass neben dem “Ao Dai” auch das “Ao Yem” zum kulturellen Erbe des Landes gehört – ein unverzichtbares Kleidungsstück vietnamesischer Frauen in früheren Zeiten.

Das “Ao Yem” (Leibchen) ist bereits seit sehr langer Zeit Teil des vietnamesischen Alltags, erhielt seine grundlegende Form jedoch erst während der Ly-Dynastie. Damals wurde es schlicht “Yem” genannt. Das einfache Kleidungsstück bestand aus einem quadratischen Stück Stoff, bei dem eine Ecke ausgeschnitten war, sodass es sich an den Hals der Trägerin schmiegte. Bänder hielten den Stoff über Brust und Bauch zusammen. Traditionell trugen Frauen dieses Nackentop unter einer Bluse, deren Vorderteile häufig offen blieben und den Blick auf das “Ao Yem” freigaben. Frauen in den Städten bevorzugten weiße, rosafarbene oder rote Ausführungen, während auf dem Land eher braune oder beigefarbene Stoffe getragen wurden, die zum einfachen Lebensumfeld passten.

Im Laufe der Geschichte und Kultur Vietnams wandelte sich das “Ao Yem” stetig und wurde gestalterisch immer weiter verfeinert. Grundlegende Veränderungen setzten jedoch erst zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts ein, als westliche Hosen und Röcke in Vietnam Einzug hielten. Im 17. Jahrhundert blieb die Form des “Ao Yem” weitgehend unverändert. Im 20. Jahrhundert war es schließlich im ganzen Land verbreitet und wurde in zahlreichen Formen und Ausführungen getragen.

Eine bei Frauen in früheren Zeiten beliebte Variante des “Ao Yem” hieß “Yem deo bua”. Der Name geht auf eine kleine Seitentasche zurück, in der Moschus aufbewahrt wurde – für die Damen jener Zeit ein wirkungsvolles Mittel, um ihre Anziehungskraft zu unterstreichen. Darüber hinaus ist das “Ao Yem” mit zahlreichen außergewöhnlichen Liebesgeschichten verbunden. Traf sich eine junge Frau früher mit ihrem Geliebten, steckte sie ein Stück Betel in ihr “Ao Yem”; dieser Brauch wurde “khau trau dai yem” genannt. Wohl kaum ein anderes Betelstück galt als derart verheißungsvoll.

Dieses jahrhundertealte Kleidungsstück hat sich bis heute erhalten. Das “Ao Yem” wurde von Frauen aller Gesellschaftsschichten getragen – von Arbeiterinnen bis hin zu Angehörigen der Oberschicht. Auch bei traditionellen Festen war es weit verbreitet und wurde so zu einem festen Bestandteil der traditionellen vietnamesischen Kleidung früherer Generationen. Seine Trägerinnen mögen altern, doch das Ao Yem bewahrt seinen zeitlosen Reiz.

Heute wird das “Ao Yem” vor allem wegen seines kulturellen und künstlerischen Wertes geschätzt. Zu festlichen Anlässen tragen Frauen in ganz Vietnam das Ao Yem und andere traditionelle Kleidungsstücke wieder mit wachsender Begeisterung.

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