Die Dan Nhi (vietnamesische zweisaitige Fiedel) besticht durch ihren melodischen Klang. In traditionellen Orchestern spielt sie eine unverzichtbare Rolle, da sie die feinen Regungen der menschlichen Seele besonders ausdrucksvoll wiedergibt.
Was ist die Dan Nhi, die vietnamesische zweisaitige Fiedel?
Die Dan Nhi ist eine Art senkrecht gehaltene Fiedel mit zwei Saiten, einem langen Hals und einem Resonanzkörper. Sie wird wie ein kleines Cello vor dem Musiker gehalten und mit einem Bogen gespielt. Das Instrument ist bei mehreren ethnischen Gruppen Vietnams verbreitet, darunter die Muong, Tay, Thai, Gie Trieng und Khmer. In den südlichen Provinzen Vietnams ist es auch unter dem Namen Dan Co bekannt.
Der röhrenförmige Korpus der Dan Nhi besteht aus Hartholz. Ein Ende ist mit Schlangen- oder Pythonhaut bespannt und mit einem Steg versehen. Der ebenfalls aus Hartholz gefertigte Hals besitzt keine Bünde. Ein Ende des Halses verläuft durch den Korpus, während das andere leicht nach hinten geneigt ist. Zwei Wirbel dienen zum Stimmen des Instruments. Die beiden Saiten bestanden früher aus Seide, heute werden sie aus Metall gefertigt. Sie sind in Quinten gestimmt: C-1 D-2; F-1 C-2; oder C-1 G-1.
Der Bogen wird aus Bambus oder Holz gefertigt und mit Rosshaar bespannt. Die Bogenhaare verlaufen durch den Zwischenraum der beiden Saiten. Der Tonumfang der Dan Nhi erstreckt sich über zwei Oktaven, von C-1 bis C-3. Beim Streichen setzt der Musiker unterschiedliche Spieltechniken wie Legato, Vibrato und Staccato ein. In Verbindung mit verschiedenen Grifftechniken lassen sich zudem Triller, Glissandi, schnelle Läufe und weitere Klangfiguren erzeugen.
Die Bedeutung der Dan Nhi für Vietnams Kultur & Kunst
Die Dan Nhi ist ein äußerst ausdrucksstarkes Instrument, das sowohl solistisch als auch in Orchestern eine wichtige Rolle spielt. Archäologische Funde aus der Van-Phuc-Pagode (Phat Tich – Thanh Son – Ha Bac) zeigen auf einem als Pagodensäule dienenden Sockel die Darstellung eines Orchesters mit Musikinstrumenten indischen und chinesischen Ursprungs.
Das dargestellte Orchester bestand aus 10 Musikern, deren Kleidung jener der ethnischen Gruppe der Cham ähnelte. Eines der gespielten Instrumente glich einem zweisaitigen Cello (Dan Ho) und gilt als Vorläufer der heutigen zweisaitigen Fiedel. Diese Funde lassen vermuten, dass die zweisaitige Nhi je nach Epoche und Region entweder durch die Cham oder aus China nach Vietnam gelangte (nach den musikgeschichtlichen Forschungen von Professor Tran Van Khe und Van Thong).
Die Nhi kommt in verschiedenen Orchestern und Musikensembles zum Einsatz, darunter beim Nha Nhac, im Bat Am (einem Ensemble aus acht traditionellen Musikinstrumenten), in Don-Ca-Tai-Tu-Ensembles, beim Chau Van, in der Begleitmusik des Tuong-Theaters und beim Cheo-Gesang… Der Klang der Dan Nhi soll der menschlichen Stimme ähneln. Das Instrument kann mit kurzen Staccato-Tönen oder lang ausgehaltenen Klängen gespielt werden; sein Tempo lässt sich jeder Komposition anpassen.
Dank ihrer vielseitigen Einsatzmöglichkeiten ist die Dan Nhi ein schlichtes Instrument, das wahre Klangwunder vollbringen kann. Ein Volkslied aus dem Norden, ein Wiegenlied aus Zentralvietnam oder eine Cai-Luong-Arie aus dem Süden würden ohne die Begleitung der Dan Nhi viel von ihrem Zauber verlieren. Dieses traditionelle Instrument zeichnet sich durch eine außergewöhnliche Ausdrucksvielfalt aus.
