Im Herzen der Altstadt von Hanoi gelegen, gilt der Bach-Ma-Tempel als bedeutendes historisches Denkmal, das eng mit der Verlegung der Hauptstadt durch König Ly Thai To verbunden ist. Er gehört zu den vier Schutztempeln der Kaiserlichen Zitadelle von Thang Long. Diese Tempel bildeten einst einen schützenden Ring um die Stadt und sollten sie vor möglichen Gefahren bewahren.
Öffnungszeiten: Täglich von 8:00–11:00 Uhr und 14:00–20:00 Uhr
Eintritt: Kostenlos
Kleiderordnung: Gepflegte, schlichte und angemessene Kleidung; Kleidungsstücke mit Aussparungen sind möglichst zu vermeiden
I. Geschichte des Bach-Ma-Tempels
Der Bach-Ma-Tempel wurde im 9. Jahrhundert als Kultstätte für Long Do, den alten Schutzgott Hanois, erbaut. Der Legende nach vereitelte die Gottheit Long Do die magischen Praktiken von Cao Bien, einem General des chinesischen Tang-Reiches.
Ursprünglich trug der Tempel den Namen Long Do. Später wurde er in Bach Ma umbenannt – in Erinnerung an die Verlegung der kaiserlichen Hauptstadt von Hoa Lu nach Thang Long, dem heutigen Hanoi, durch König Ly Thai To im Jahr 1010.
Zahlreiche historische Aufzeichnungen berichten, dass die Versuche des Königs, die neue Zitadelle zu errichten, aus unerklärlichen Gründen immer wieder scheiterten. Erst nachdem er einen Höfling zum Gebet ausgesandt hatte, erschien ein weißes Pferd aus dem Long-Do-Tempel. Es lief umher, hinterließ Hufspuren auf dem Boden und verschwand schließlich.
Daraufhin ließ Ly Thai To die Mauern der Zitadelle entlang dieser Spuren errichten – und der Bau konnte erfolgreich vollendet werden. Seitdem trug der Long-Do-Tempel den Namen Bach Ma, was “weißes Pferd” bedeutet.
II. Höhepunkte des Bach-Ma-Tempels
Der Bach-Ma-Tempel gilt als herausragendes Bauwerk und wurde während der Herrschaft mehrerer Dynastien immer wieder restauriert. Sein Grundriss orientiert sich am chinesischen Schriftzeichen für “Drei”. Von außen erinnert der Tempel an ein dörfliches Gemeinschaftshaus mit 8 Dachflächen, das mit traditionellen Mustern verziert ist und stilistische Anklänge an die Kunst von Hoi An zeigt. Die meisten Säulen und Holzbalken sind kunstvoll geschnitzt; auch die historischen Bildtafeln zeugen von der meisterhaften Arbeit erfahrener Kunsthandwerker.
Der Tempel galt in Hanoi als so heilig, dass französische Kolonialherren und Soldaten im 19. Jahrhundert es nicht wagten, ihn zu beschädigen oder seine Kultgegenstände zu entfernen. Dadurch blieb der Bach-Ma-Tempel als charakteristisches Beispiel für die Architektur und Formensprache der Nguyen-Dynastie erhalten.
Beim Blick in die Haupthalle fällt Ihnen eine außergewöhnliche Konstruktion aus Querbalken aus Eisenholz auf. Sie ist nicht nur dekorativ, sondern trägt auch wesentlich zur Stabilität des Gebäudes bei. Darüber hinaus beherbergt der Tempel zahlreiche kunstvoll geschnitzte Altäre sowie wertvolle Antiquitäten, darunter Gemälde, kaiserliche Ehrentitel, historische Waffen, Metallglocken und Sänften.
III. Was können Sie im Bach-Ma-Tempel unternehmen?
Die meisten Besucher kommen in den Bach-Ma-Tempel, um die historischen Schnitzarbeiten und die besinnliche Atmosphäre zu bewundern. Wenn Sie jedoch am 12. oder 13. Februar nach dem Mondkalender vor Ort sind, können Sie in die feierliche Stimmung des alljährlichen traditionellen Tempelfestes eintauchen.
Am 12. Februar zieht eine Prozession mit Sänftenträgern, einer Löwentanzgruppe, Trommlern, Fahnenträgern und weiteren Teilnehmern von der Ma-May-Straße zum Bach-Ma-Tempel. Anschließend findet das Opferritual statt, einer der wichtigsten Bestandteile der Zeremonie. Erst wenn alle zentralen Riten abgeschlossen sind, dürfen Besucher den Tempel betreten und an weiteren Aktivitäten teilnehmen.
Am folgenden Tag, dem 13. Februar, führen die Ältesten weitere Opferrituale durch. Gleichzeitig sorgen kleinere Kultur- und Kunstveranstaltungen für Unterhaltung. Zum Fest gehören zudem zahlreiche kulturelle Darbietungen und vietnamesische Volksspiele, darunter Tauziehen, Hahnenkämpfe, Menschenschach und ein Wettbewerb mit traditionellen Festgesängen.
IV. Anreise zum Bach-Ma-Tempel
Der Bach-Ma-Tempel befindet sich mitten in der Altstadt von Hanoi. In den engen, belebten Gassen ist er nicht immer leicht zu finden. Eine häufig genutzte Route führt von der Nguyen-Thai-Hoc-Straße über die Cua-Nam-Straße, die Phung-Hung-Straße und die Hang-Vai-Straße zur Hang-Buom-Straße und schließlich zum Bach-Ma-Tempel bei Hausnummer 76.
Die Fortbewegung durch Hanoi wird deutlich einfacher, wenn Sie das passende Verkehrsmittel wählen und nach Möglichkeit einen erfahrenen Reiseleiter hinzuziehen.
V. Zusätzliche Tipps
Mit diesen Hinweisen wird Ihr Besuch in Hanoi noch angenehmer:
- Achten Sie auf Taschendiebe, insbesondere während des jährlichen Tempelfestes am Bach-Ma-Tempel.
- Respektieren Sie die Regeln und religiösen Bräuche vietnamesischer Tempel. Dazu gehören ein angemessener Umgangston, das achtsame Berühren religiöser Gegenstände und passende Kleidung.
- Für eine abwechslungsreiche Entdeckungstour sollten Sie auch einige Sehenswürdigkeiten rund um die Altstadt besuchen, etwa den Hoan-Kiem-See und das Opernhaus von Hanoi. Probieren Sie außerdem lokale Spezialitäten wie Trang-Tien-Eis, gedämpfte Reisrollen (“Banh Cuon”) oder Reisnudeln mit gegrilltem Fleisch (“Bun Cha”).
