Ein altes vietnamesisches Sprichwort lautet: “Hanoi hat sechsunddreißig Straßen und Zünfte – die Marmeladenstraße, die Zuckerstraße, die Salzstraße …” Mitten in der modernen, dynamischen Metropole liegt ein historisches Viertel: Hanois Altstadt, die als zeitlose Seele der Stadt gilt. Heute ist den meisten Vietnamesen und vielen westlichen Besuchern der Ausdruck “Hà Nội – Ba mươi sáu phố phường” bekannt, der sich etwa mit “Hanoi – die 36 Viertel” oder “Hanoi – die 36 alten Straßen” übersetzen lässt. Auch “Phố cổ Hà Nội”, also “Hanois Altstadtviertel”, ist geläufig. Als eine der bedeutendsten historischen Stätten und Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt zieht das weitgehend ursprünglich erhaltene Viertel Besucher aus aller Welt an.
Karte des Altstadtviertels von Hanoi:
1. Wo liegt Hanois Altstadtviertel?
Das Altstadtviertel mit seinen 36 historischen Straßen liegt zwischen dem Hoan-Kiem-See, dem “See des zurückgegebenen Schwertes”, der Long-Bien-Brücke, einem ehemaligen Stadtwall und einer Zitadellenmauer. Ursprünglich war das Gebiet ein von Schlangen und Krokodilen bevölkertes Sumpfland. Später entstanden hier mehrere Dörfer mit Pfahlhäusern. Chinesische Verwalter vereinten sie schließlich und errichteten Schutzwälle um ihren Verwaltungssitz. Unter chinesischer Herrschaft trug das Gebiet die Bezeichnungen “Unterworfenes Annam” und “Beschützter Süden”.
2. Wie alt sind die Straßen?
Vielleicht überrascht es Sie, dass Hanois Altstadtviertel bereits entstand, als König Ly Thai To im Jahr 1010 Thang Long zur Hauptstadt des Landes erklärte. Die Straßen blicken somit auf eine fast 1,000-jährige Geschichte zurück und entwickelten sich im 15th Jahrhundert zu einem dicht besiedelten, lebhaften Handelsviertel. Besonders bemerkenswert ist, dass viele Gebäude noch immer die historische Architektur des 15th Jahrhunderts erkennen lassen. Bis heute gilt die Altstadt als das älteste durchgehend bewohnte und weiterentwickelte Stadtgebiet Vietnams.
3. Woher stammen die Namen der Straßen?
Aufgrund ihres hohen Alters ist die Gegend als “Altstadtviertel” oder “36 alte Straßen” bekannt. Ähnlich den Handwerkszünften im historischen Europa verkörperten die “36 Viertel Hanois” die vietnamesische Form des Zunftwesens. Handwerker, die einst zum Arbeiten und Handeln in die Hauptstadt kamen, ließen sich in diesem Gebiet nach Gewerben geordnet nieder und nutzten gemeinsame Ressourcen. Daher erhielten viele Straßen die Namen der dort hergestellten oder verkauften Waren. Beispiele hierfür sind Pho Hang Bun (Reisnudeln), Pho Hang Ma (Papierwaren) und Pho Hang Bac (Silber).
Der Ausdruck “36 pho phuong” sorgt häufig für Verwirrung. “Phố” bezeichnet eine Straße oder einen Ort, an dem Händler zusammenkamen, um Geschäfte zu treiben. “Phường” hingegen steht für ein Viertel oder eine Zunft von Handwerkern, die auf ein bestimmtes Gewerbe spezialisiert waren, etwa phuong cheo oder phuong tho. In gewisser Weise sind daher beide Deutungen zutreffend.
4. Straßen der traditionellen Handwerkszünfte
Viele Besucher erkunden besonders gern jene historischen Straßen, die für ein bestimmtes Handwerk oder Gewerbe bekannt sind.
In der Hang-Gai-Straße finden Sie fertige und maßgeschneiderte Seidenkleidung, Stickereien und Silberwaren. In Hang Quat wurden früher Fächer aus Seide und Federn verkauft; heute fallen dort vor allem farbenprächtige Fahnen für Bestattungen und Feste sowie religiöse Gegenstände und Gewänder ins Auge. Die To-Tich-Straße verbindet diese beiden Straßen und ist bis heute für Drechslerarbeiten bekannt. Hang Ma schimmert im Glanz bunter Papierwaren, darunter Geschenkverpackungen, Hochzeitsdekorationen und kleine Papierobjekte, die als Opfergaben für Verstorbene verbrannt werden. Die Lan-Ong-Straße spricht mit ihren vielfältigen Strukturen und Düften alle Sinne an: Aus großen Säcken verströmen Blätter, Wurzeln, Rinden und Pulver der traditionellen Pflanzenheilkunde ihre Aromen. Hier fühlen Sie sich nicht nur wegen der Architektur, sondern auch aufgrund des Warenangebots in eine längst vergangene Epoche versetzt.
5. Gibt es 36 alte Straßen oder mehr?
Obwohl Hanois Altstadt häufig als die “36 alten Straßen” bezeichnet wird, umfasst sie tatsächlich mehr als 36 Straßen. Einige Forscher vermuten, dass die Zahl 36 auf das 15th Jahrhundert zurückgeht, als es möglicherweise 36 Zunftbezirke gab. Dabei handelte es sich um Werkstattbereiche und nicht um einzelne Straßen. Als später Straßen angelegt wurden, übertrug man die Namen der Zünfte auf sie. Andere sehen in der Zahl 36 eine eher symbolische Bedeutung. In Asien steht die Zahl neun für “Fülle”. Neun multipliziert mit den vier Himmelsrichtungen ergibt 36 und bedeutet sinngemäß einfach “viele”. Heute gibt es in diesem Gebiet tatsächlich mehr als 70 Straßen.
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Viele Straßen verkaufen heute zwar nicht mehr die Waren, nach denen sie einst benannt wurden, doch in einigen lebt die alte Tradition fort. Das Altstadtviertel ist zu einem unverwechselbaren historischen Wahrzeichen Hanois geworden. Es inspiriert zahlreiche Schriftsteller, Dichter und Maler und zählt zu den beliebtesten Reisezielen der Hauptstadt.
Wenn Sie Hanois Altstadtviertel ausgiebig erkunden möchten, sollten Sie sich auf einen ganzen Tag zu Fuß einstellen. Schlendern Sie von Straße zu Straße, beobachten Sie den Alltag der Einheimischen, entdecken Sie schmale historische Gassen und Häuser, stöbern Sie in farbenfrohen Souvenirläden und probieren Sie natürlich einige der köstlichsten traditionellen Spezialitäten Hanois. Viele Reisende sind sich einig, dass eine von einem Reiseveranstalter angebotene Stadtführung zu Fuß durch Hanoi oder eine kulinarische Tour besonders umfassende Einblicke in das Altstadtviertel bietet – vom täglichen Leben über seine Geschichte bis zu den kulinarischen Genüssen. Wenn Sie noch tiefer in die Kultur Hanois und den Alltag seiner Bewohner eintauchen möchten, steht Ihnen außerdem eine große Auswahl an ganz- und halbtägigen Hanoi-Touren zur Verfügung.
