Mit ihren zahlreichen historischen Pagoden und Tempeln ist Hanoi ein faszinierendes Reiseziel für alle, die sich für den Buddhismus interessieren. Viele der ältesten Heiligtümer liegen rund um den Westsee. Besonders sehenswert ist die Tran-Quoc-Pagode, die älteste Pagode Hanois.
Die Tran-Quoc-Pagode ist mehr als 1500 Jahre alt und nimmt daher einen bedeutenden Platz in der Geschichte Vietnams im Allgemeinen und Hanois im Besonderen ein. Aus diesem Grund zieht das Heiligtum jedes Jahr Tausende Besucher aus aller Welt an.
Öffnungszeiten: täglich von 8 bis 16 Uhr
Eintritt: kostenlos
Kleiderordnung: Shorts, Miniröcke und ärmellose Oberteile sind nicht gestattet
Karte mit der Lage der Tran-Quoc-Pagode:
Geschichte der Tran-Quoc-Pagode
Die Pagode wurde im Jahr 541 unter König Ly Nam De begonnen und 545 fertiggestellt. Damals trug sie den Namen Khai-Quoc-Pagode – Khai Quoc bedeutet “Gründung der Nation”. Ursprünglich stand sie am Ufer des Roten Flusses. Nachdem das Flussufer mehr als 150 Jahre später eingebrochen war, wurde sie zu Beginn des 17.th Jahrhunderts während der Herrschaft König Le Kinh Tongs auf die Insel Kim Ngu (“Goldener Fisch”) verlegt. Seitdem heißt sie Tran Quoc, was “Verteidigung der Nation” bedeutet.
Mit ihrer über tausendjährigen Geschichte war sie während der Tran-Dynastie ein bedeutendes Zentrum des Buddhismus. Heute gilt sie als Wahrzeichen Hanois und verbindet die Vergangenheit der Hauptstadt mit ihrer Gegenwart.
Architektur und Aufbau
Die Tran-Quoc-Pagode ist für ihr heiliges Tempelgelände und ihre malerische Umgebung bekannt. Einst war sie ein beliebtes Ausflugsziel zahlreicher vietnamesischer Könige, insbesondere an Festtagen wie dem Tet-Fest und an Vollmondtagen. Trotz der fortschreitenden Urbanisierung hat die Pagode über mehr als 1000 Jahre hinweg ihren besonderen Ruf und ihre charakteristische Architektur bewahrt.
Die Pagode liegt direkt am malerischen Westsee auf einer Insel, die über einen Damm zwischen zwei der romantischsten Seen Hanois erreichbar ist: dem Truc-Bach-See und dem Westsee. Diese reizvolle Lage zieht täglich zahlreiche Besucher an.
Die besondere Architektur der Tran-Quoc-Pagode erinnert an andere historische Tempel Hanois. Die Anlage ist deutlich von traditioneller buddhistischer Baukunst geprägt und umfasst mehrere, hintereinander angeordnete Gebäude. Besonders gut zeigt sich dies an den drei Haupthäusern der Pagode. Warum sind es drei? In Vietnam gilt die Zahl 3 als Sinnbild für Glück und Wohlstand.
Eine architektonische Besonderheit ist der Eingang der Pagode: Aus der Ferne wirkt das Tor schief, doch sobald Sie sich ihm nähern, verschwindet dieser Eindruck vollständig.
Hinter dem Tor folgen Sie einem mit roten Ziegeln gepflasterten Weg in das Innere der Anlage.
- Das Tien Duong (Vorderhaus) befindet sich vor dem Glockenturm und ist nach Westen ausgerichtet. Auf dem Hof davor steht ein Räuchergefäß, an dem Gläubige und Besucher Räucherstäbchen entzünden können.
- Das Nha To (Ahnenhaus) liegt rechts vom Tien Duong und ist dem Andenken früherer Generationen von Mönchen gewidmet.
- Das Nha Bia (Stelenhaus) befindet sich links vom Tien Duong. Es beherbergt 14 bedeutende Stelen, die zwischen 1813 und 1815 beschriftet wurden und von der Restaurierung der Pagode nach einer langen Zeit des Verfalls berichten.
Die drei Haupthäuser sind miteinander verbunden und lassen die Pagode wie eine blühende Lotusblume erscheinen. Die Tran-Quoc-Pagode vereint auf harmonische Weise die stille Atmosphäre eines grünen Gartens, den weiten See und eine alte, eindrucksvolle Architektur. Aufgrund ihrer kulturellen und historischen Bedeutung erklärte das vietnamesische Ministerium für Kultur und Information sie 1962 zum Nationaldenkmal.
Höhepunkte der Tran-Quoc-Pagode
Auf dem Weg durch die Gärten sehen Besucher den heiligen Bodhi-Baum mit seinen herzförmigen Blättern. Der indische Präsident Rajendra Prasad schenkte ihn der Pagode im Jahr 1959. Viele Menschen glauben, dass er von jenem heiligen Bodhi-Baum abstammt, unter dem Buddha die Erleuchtung erlangte. Deshalb kommen Besucher und Pilger aus aller Welt hierher, um diesen besonderen Baum zu ehren.
Darüber hinaus ist in der Tran-Quoc-Pagode eine nahezu vollständige Sammlung religiöser Statuen erhalten. Die Anlage gleicht einem kleinen Museum, das unschätzbare Kunstschätze bewahrt. Viele davon sind mehrere Hundert Jahre alt, darunter verschiedene Kultstatuen im Vorderhaus. Besonders erwähnenswert sind die Statuen der drei Weisen sowie jene der früheren Mönche der Pagode.
Das herausragendste Werk ist die Statue Buddhas beim Eintritt ins Nirwana, im Volksmund auch als liegender Buddha und auf Vietnamesisch als “Thich ca thap niet ban” bezeichnet. Darstellungen dieser Art sind im Norden Vietnams selten und vor allem aus Thailand oder Laos bekannt. Die Statue gilt als eine der schönsten Buddha-Statuen Vietnams.
Wegen ihrer malerischen und friedvollen Umgebung wurde die Tran-Quoc-Pagode in zahlreichen Gedichten und Parallelversen vietnamesischer Könige und Mandarine verewigt, insbesondere während der Nguyen-Dynastie. Viele dieser Gedichte werden bis heute in der Pagode aufbewahrt. So erhalten Sie einen interessanten Einblick in die vietnamesische Literatur vergangener Zeiten und zugleich in die Geschichte des Landes.
Nicht unerwähnt bleiben darf der Turm “Bao Thap Luc Do Dai Sen”. Die elfgeschossige Anlage ist 15 Meter hoch und wurde 1998 errichtet. Jedes Stockwerk besitzt sechs bogenförmige Öffnungen und eine Statue. Die aus Edelsteinen gefertigten Figuren stellen den Buddha Amitabha dar. Den Abschluss des Turms bildet eine neunfach gegliederte Lotusblüte namens “Cuu Pham Lien Hoan”.
Anreise zur Tran-Quoc-Pagode
Die Pagode liegt nur 5 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt und ist mit verschiedenen Verkehrsmitteln gut erreichbar.
- Mit dem Bus: Die Buslinie 50 hält direkt vor der Pagode. Sollte diese Verbindung für Sie ungünstig sein, können Sie alternativ die Linien 31, 41, 55A, 55B oder 58 bis zur Haltestelle An Duong nehmen. Von dort erreichen Sie die Pagode in etwa 5 Minuten zu Fuß.
- Mit dem Taxi: Für die Taxifahrt zur Pagode empfiehlt sich eine Buchung über die Grab-App auf Ihrem Mobiltelefon.
- Mit dem Motorrad oder Motorroller: Sie können ein Motorrad mieten und damit auch die Umgebung des Westsees flexibel erkunden. Die Fahrt zur Pagode dauert etwa 12 Minuten.
Tipps für Ihren Besuch der Tran-Quoc-Pagode
- In der Pagode herrscht oft reger Betrieb, besonders am 1.st und 15.th Tag des Mondkalenders. An diesen Tagen kommen buddhistische Mönche und Touristen hierher, um Räucherstäbchen zu entzünden und die Anlage zu besichtigen. Wenn Sie die religiösen Traditionen Vietnams näher kennenlernen möchten, eignen sich diese beiden Tage besonders gut. Möchten Sie große Menschenmengen vermeiden, wählen Sie hingegen besser einen anderen Termin.
- Da die Pagode ein heiliger Ort ist, müssen Besucher die geltende Kleiderordnung beachten. Tragen Sie angemessene Kleidung, die Schultern und Knie bedeckt, und vermeiden Sie freizügige Kleidungsstücke.
- Wie beim Besuch anderer Pagoden sollten Sie Hüte, Schirme und Schuhe ablegen, bevor Sie die Gebetsräume betreten. Damit zeigen Sie Ihren Respekt gegenüber dem Heiligtum und dem buddhistischen Glauben.
Vietnam ist ein faszinierendes Reiseziel für alle, die sich für spirituelle Stätten interessieren. Wenn Sie dieses wunderschöne Land besuchen, sollten Sie sich die Tran-Quoc-Pagode – die älteste Pagode Nordvietnams – nicht entgehen lassen.
