Ho-Chi-Minh-Stadt, Vietnams geschäftigste und lebendigste Metropole, ist längst ein vertrautes Reiseziel für Gäste aus dem In- und Ausland. Hier erleben Sie eine faszinierende Verbindung aus modernem Alltag und traditionsreichen kulturellen Werten. Neben zahlreichen Unterhaltungsmöglichkeiten ist die Stadt vor allem für ihre markanten Bauwerke bekannt, die zu ihren Wahrzeichen geworden sind. Wenn Sie Ho-Chi-Minh-Stadt besuchen, sollten Sie sich die Cha-Tam-Kirche nicht entgehen lassen – ein einzigartiges Gotteshaus der örtlichen Gemeinde.
Öffnungszeiten: täglich 07.00 – 12.00, 14.00 – 18.00 und 19.00 – 21.00 Uhr
Eintritt: kostenlos
I. Geschichte der Cha-Tam-Kirche
Die Cha-Tam-Kirche, auch Pfarrkirche des Heiligen Franz Xaver genannt, war die erste Kirche für die katholischen Gläubigen der chinesischen Gemeinde in Ho-Chi-Minh-Stadt. Das zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts errichtete Gotteshaus hat die wechselvolle Geschichte Saigons miterlebt – so lautete der frühere Name von Ho-Chi-Minh-Stadt, das die Franzosen damals auch als Perle des Fernen Ostens bezeichneten.
1. Wer war Cha Tam?
Cha Tam ist der vietnamesische Name des Priesters Pierre d’Assou, des ersten Pfarrers dieser Kirche. Er leitete die Bauarbeiten und war maßgeblich an ihrer Gründung beteiligt. Der in Macau geborene und in Hongkong aufgewachsene Geistliche kannte die chinesische Sprache und Kultur sehr genau.
Als er Ende des 19. Jahrhunderts an der Kathedrale von Saigon tätig war, beobachtete er einen starken Rückgang der chinesischen und vietnamesischen Katholiken vor Ort. Ihnen fehlte ein eigener Ort zum Beten. Gouverneur Lagrandière von Südvietnam ordnete daher den Bau der Kirche an, um die chinesisch-katholische Gemeinde neu zu beleben.
Bischof Jean Pierre vom Erzbistum Saigon beauftragte Priester Pierre d’Assou mit der Leitung des Projekts. Dieser organisierte eine Spendenaktion, die von Katholiken und Nichtkatholiken ebenso unterstützt wurde wie von Anwohnern und chinesischen Kaufleuten.
2. Der Bau der Cha-Tam-Kirche
Im Zentrum Saigons fand Cha Tam ein drei Hektar großes Grundstück, das neun chinesischen Eigentümern gehörte. Da das Gelände bereits seit 20 Jahren brachlag, war es schwierig, die Besitzer ausfindig zu machen und das Land zu erwerben.
Am 3. Dezember 1900, dem Festtag des Heiligen Franz Xaver, begannen die Bauarbeiten nach den Plänen von Pater Johannes dem Täufer Huynh Tinh Huong. Zwei Jahre später, am 10. Januar 1902, wurde die Kirche mit einer feierlichen Weihe des Chorraums eröffnet. An der Zeremonie nahmen Priester, Gemeindemitglieder und Regierungsvertreter teil.
Neben der Kirche ließ Cha Tam auch einen Kindergarten, ein Wohnheim und Mietshäuser errichten, um den Katholiken der Umgebung Unterkunft zu bieten.
3. Bedeutende historische Ereignisse
Im Jahr 1934 verstarb Pfarrer Pierre d’Assou und wurde an der Mauer nahe dem Kircheneingang beigesetzt. In der Folge verfiel die Cha-Tam-Kirche zunehmend, während die Zahl der Gemeindemitglieder zurückging. Erst 1952 brachten Priester aus China eine Wende.
In den darauffolgenden Jahren entstanden weitere Kirchen für chinesische Gläubige in Saigon und im Süden Vietnams. Bis heute spielt die Cha-Tam-Kirche eine wichtige Rolle in der seelsorgerischen Betreuung der chinesisch-katholischen Gemeinden Südvietnams.
Am 1. November 1963 kam es zu einem Militärputsch. Der Präsident der Republik Vietnam, Ngo Dinh Diem, und sein politischer Berater Ngo Dinh Nhu suchten daraufhin Zuflucht im Haus eines Chinesen in der Nähe der Kirche. Am nächsten Morgen kamen sie zum Gebet in die Cha-Tam-Kirche und ergaben sich anschließend den Putschisten. Auf dem Weg von der Kirche zum Generalstab wurden jedoch beide getötet.
II. Was zeichnet die Cha-Tam-Kirche aus?
1. Die Anlage
Das Gelände der Pfarrkirche des Heiligen Franz Xaver umfasst zahlreiche eigenständige Gebäudebereiche, darunter den umliegenden Hof, ein Wohltätigkeitshaus, Mietshäuser, einen Kindergarten, ein Gemeindehaus, eine Schule und einen Versammlungssaal. Jeder Bereich erfüllt einen eigenen Zweck.
In der Mitte des Vorhofs steht eine Marienstatue in einem traditionellen chinesischen Schrein. Dahinter erinnern zwei Reliefs an 120 chinesische und 117 vietnamesische Märtyrer. Links davon wird der Heilige Franz Xaver in einem gelb-weißen Bau im gotischen Stil geehrt. Auf der rechten Seite befindet sich eine Statue des gekreuzigten Jesus Christus.
Auf dem Pfarrgelände steht ein gelbes Wohltätigkeitshaus, das vor über zwanzig Jahren erbaut wurde. Dort werden täglich mehr als 100 kostenlose Mahlzeiten an ältere und bedürftige Menschen ausgegeben. Einmal pro Woche finden zudem kostenlose medizinische Untersuchungen statt. Daneben liegen weiße Mietshäuser, deren Balkone mit Topfpflanzen und Blumen geschmückt sind.
Links von der Kirche befindet sich der Kindergarten Thien Loc. Auf der rechten Seite steht das gelbe, dreistöckige Francis-Gemeindehaus mit acht Klassenzimmern und einem Saal für 400 Personen.
2. Architektur
Die gesamte Kirchenanlage verbindet chinesische Philosophie auf harmonische Weise mit westlicher Architektur. Gotische Gestaltungselemente, wie sie auch an vielen anderen Kirchen zu finden sind, treffen hier auf traditionelle chinesische Details und verleihen dem Bauwerk ein unverwechselbares Erscheinungsbild.
2.1. Außenbereich der Cha-Tam-Kirche
Das Haupttor besteht aus drei Bögen und ist von der chinesischen Symbolik inspiriert. An die Stelle von Drachen und Sonne treten zwei Karpfen und ein christliches Kreuz. Das schmale, rot und dunkelgrün gestrichene Tor trägt unter seinem Ziegeldach den Namen der Kirche auf Vietnamesisch und Mandarin.
Schon vom Eingang aus fallen die gotischen Merkmale der Kirche ins Auge: hohe Bögen, Lüftungsfenster und ein hoch aufragender Glockenturm. Bei genauerem Hinsehen zeigen sich auch vietnamesische Einflüsse, etwa Lotusknospen an den zylindrischen Säulen. Sie verweisen auf die Prinzipien von Yin und Yang sowie die Fünf-Elemente-Lehre des I Ging. Chinesisch-vietnamesische Philosophie und westeuropäische Architektur gehen hier nahtlos ineinander über und machen die Kirche zu einem außergewöhnlichen Bauwerk in Ho-Chi-Minh-Stadt.
Pater Huong gestaltete das Äußere im westlichen Stil und bezog zugleich Elemente der alten chinesischen Philosophie ein. Der Aufbau folgt den Prinzipien von Yin und Yang: Auf beiden Seiten verlaufen jeweils zwei Korridore, der zentrale Turm besitzt vier Fenster und das achteckige Obergeschoss acht Fenster. Auch das Dach ist in acht Abschnitte gegliedert und unterstreicht so die Harmonie traditioneller chinesischer Glaubensvorstellungen.
2.2. Innenraum der Cha-Tam-Kirche
Der Innenraum folgt der für katholische Kirchen typischen Symmetrie. Das Kirchenschiff ist von gotischen Elementen geprägt, darunter Gewölbedecken, grün-weiße zylindrische Säulen und Holzmobiliar, die gemeinsam eine vertraute, feierliche Atmosphäre schaffen.
Besondere dekorative Details unterscheiden die Cha-Tam-Kirche von anderen Gotteshäusern. Über dem zentralen Kreuz ist das chinesische Siegelzeichen “Phuoc” für Segen angebracht. Das Kreuz wird von zinnoberroten Säulen flankiert – eine im gotischen Baustil ungewöhnliche Farbe. Parallele chinesische Inschriften auf den zentralen Säulen rufen zu Güte und Mitgefühl auf.
III. Was können Sie an der Cha-Tam-Kirche unternehmen?
1. Eindrucksvolle Fotos aufnehmen
Mit ihrer einzigartigen, feierlichen Architektur bietet die Cha-Tam-Kirche eine wunderbare Kulisse für Erinnerungsfotos während Ihrer Tour durch Ho-Chi-Minh-Stadt. Umgeben ist sie von einem ruhigen Garten mit farbenfrohen Blumen und grünen Bäumen. Auch die gelben Außenmauern und das Gemeindehaus eignen sich hervorragend als Fotomotive.
2. Sich ehrenamtlich engagieren
Das Wohltätigkeitshaus der Cha-Tam-Kirche freut sich über freiwillige Helfer. Sie können bei der Zubereitung und Ausgabe von Mahlzeiten an bedürftige und ältere Menschen mitwirken und damit Mitgefühl und gesellschaftliche Verantwortung zeigen.
3. Das Viertel entdecken
Die Cha-Tam-Kirche liegt in Chinatown, dem chinesisch geprägten Viertel von Ho-Chi-Minh-Stadt. In ihrer Umgebung befinden sich zahlreiche Tempel und Pagoden mit chinesischen und vietnamesischen Architekturelementen. Unternehmen Sie nach Ihrem Kirchenbesuch einen Spaziergang und lernen Sie das lebendige Viertel aus nächster Nähe kennen.
4. Lokale Spezialitäten probieren
Ganz in der Nähe lädt die Straße Den Nam Ngon, die “Straße der fünf Lichter”, zu traditioneller chinesischer und regionaler Küche ein. Rund um den Kim-Bien-Markt finden Sie köstliche und preiswerte Gerichte wie Reisbrei, süße Fruchtsuppe, Innereien vom Rind, Teigtaschen, Popiah – süße Frühlingsrollen – und Hu Tieu, eine vietnamesische Nudelsuppe.
IV. Wie gelangen Sie zur Cha-Tam-Kirche?
Die Kirche befindet sich nahe der Kreuzung der Straßen Hoc Lac und Tran Hung Dao. Vom Ben-Thanh-Markt ist sie etwa sechs Kilometer entfernt. Mit dem Taxi oder einem Grab-Motorradtaxi erreichen Sie die Kirche in rund 20 Minuten.
Eine günstigere Alternative ist der Bus; eine Fahrt kostet etwa 10,000 VND. An der Cha-Tam-Kirche verkehren unter anderem die Buslinien 05, 54, 56, 68, 103 und 139.
V. Tipps für Ihren Besuch der Cha-Tam-Kirche
Diese kleinen, aber hilfreichen Hinweise sollten Sie bei Ihrem Besuch der Cha-Tam-Kirche beachten:
- Besonders stimmungsvoll ist die Kirche zu besonderen Anlässen wie Weihnachten, an Wochenenden oder während wichtiger katholischer Feierlichkeiten.
- Achten Sie gut auf Ihre Wertsachen. In Ho-Chi-Minh-Stadt kann es sowohl zu Taschendiebstählen als auch zu Diebstählen durch vorbeifahrende Täter kommen.
- In Ho-Chi-Minh-Stadt ist es meist recht heiß. Denken Sie daher an einen Hut oder Sonnenschirm.
- Meiden Sie möglichst die Hauptverkehrszeiten. Der dichte Verkehr kostet auch Einheimische viel Geduld und kann Ihre Fahrt erheblich verlängern.
Die Cha-Tam-Kirche ist einen Besuch wert, denn ihre unverwechselbare Architektur finden Sie in dieser Form kaum anderswo. Mit ihrer Verbindung europäischer und asiatischer Stile und ihrer wichtigen Bedeutung für die chinesisch-katholische Gemeinde bereichert sie die faszinierende Kultur der Stadt. Heute zählt sie zu den sehenswertesten historischen Orten in Ho-Chi-Minh-Stadt.
