Vietnam gehört zu den beliebtesten Reisezielen Südostasiens. Das liegt nicht nur an seinen eindrucksvollen Landschaften, sondern auch an den traditionsreichen Handwerksdörfern. Viele von ihnen bestehen seit Jahrhunderten und bewahren ihr Wissen von Generation zu Generation. Ihre Erzeugnisse sind sowohl in Vietnam als auch auf internationalen Märkten bekannt. In ihnen spiegeln sich vietnamesische Bräuche, Traditionen und kulturelle Werte wider. Wenn Sie Vietnam besuchen, sollten Sie daher mindestens eines der folgenden traditionellen Handwerksdörfer Vietnams in Ihren Reiseverlauf aufnehmen.
I. 8 traditionelle Handwerksdörfer im Norden Vietnams
1. Töpferdorf Bat Trang (Hanoi)
Höhepunkte: Dank der tonreichen Böden hat sich das Dorf Bat Trang auf die Herstellung hochwertiger Keramik spezialisiert. Seine Erzeugnisse genießen im In- und Ausland einen ausgezeichneten Ruf – unter anderem auf dem chinesischen, japanischen und westlichen Markt. Sie finden sowohl im täglichen Haushalt und bei religiösen Zeremonien als auch als Dekorationsobjekte Verwendung. Im Keramikdorf Bat Trang können Sie selbst Keramik anfertigen, durch die Gassen spazieren oder bei einer Büffeltour das Dorf erkunden und einkaufen. Vom Zentrum Hanois erreichen Sie Bat Trang bequem in nur 20 Minuten mit dem Auto.
Lage: Gemeinde Bat Trang, Bezirk Gia Lam, Hanoi
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2. Stickereidorf Quat Dong (Hanoi)
Höhepunkte: Das 20 km von Hanoi entfernte Stickereidorf Quat Dong ist landesweit für seine einzigartige Sticktechnik bekannt. Für die meisten Einwohner ist das Sticken eine seit Generationen gepflegte Tradition. Unabhängig von Alter oder Geschlecht widmen sich die Menschen im Dorf dieser filigranen Handarbeit und verbringen täglich viele Stunden mit ihren lebendigen Kunstwerken. Wenn Sie ihnen bei der Arbeit zusehen, erleben Sie, wie sich ein schlichtes Stück Stoff Stich für Stich in ein prachtvolles Bild verwandelt. Der Zauber entsteht durch farbenfrohe Garne, eine feine Nadel und vor allem durch die Leidenschaft der Kunsthandwerker. Denn ohne Hingabe wäre es kaum möglich, stundenlang solch kunstvolle Textilien anzufertigen. Die Motive reichen von Volkssagen und Blumen über ländliche Landschaften bis hin zu anmutigen Frauendarstellungen.
Lage: Bezirk Thuong Tin, Hanoi
3. Seidendorf Van Phuc (Hanoi)
Höhepunkte: Wer die vietnamesische Seidenweberei kennenlernen möchte, sollte das Seidendorf Van Phuc besuchen. Es entstand vor mehr als 100 Jahren und zählt heute zu den meistbesuchten traditionellen Handwerksdörfern Hanois. Hunderte Kunsthandwerker, mächtige Banyanbäume, Gemeinschaftshäuser und alte Brunnen prägen das Dorf. Die hier gefertigte Seide ist für ihr geringes Gewicht und ihre geschmeidige Struktur bekannt. Die Produkte werden nicht nur an Einheimische und Reisende verkauft, sondern auch in zahlreiche Länder exportiert. Nach einer kurzen Fahrt erreichen Sie einen Ort, der wie aus einer anderen Zeit wirkt und an dem Sie hochwertige Handwerkskunst und schöne Souvenirs zu angemessenen Preisen finden.
Lage: Stadtteil Van Phuc, Bezirk Ha Dong, Hanoi
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4. Dorf der Seggenmatten von Kim Son (Ninh Binh)
Höhepunkte: Das 30 Kilometer von der Stadt Ninh Binh entfernte Dorf Kim Son ist für seine hochwertigen Handwerksprodukte aus Seggen bekannt. Die weitläufigen Schwemmböden bieten ideale Bedingungen für den Anbau dieser Pflanzen. Nach der Ernte werden die frischen Seggen zugeschnitten, getrocknet und anschließend zu Matten und anderen Gegenständen verflochten, die Sie bei einem Besuch im Dorf bewundern können. Die Matten aus Kim Son sind schön, besonders langlebig und andernorts kaum zu finden. Inzwischen ist das Angebot an Seggenprodukten vielfältiger denn je und umfasst unter anderem Laternen, Teppiche, Schachteln, Becher und Handtaschen. Nehmen Sie doch eines dieser besonderen Stücke für sich oder Ihre Familie mit.
Lage: Bezirk Kim Son, Provinz Ninh Binh
5. Dorf der Dong-Ho-Volksmalerei (Bac Ninh)
Höhepunkte: Das Dorf der Dong-Ho-Volksmalerei begeistert besonders Kunstliebhaber. Wie der Name verrät, ist es für seine eindrucksvollen volkstümlichen Bilder bekannt. Das recht kleine Dorf zählt nicht mehr als 200 Haushalte, von denen viele ihren Lebensunterhalt mit der Herstellung dieser Bilder verdienen. Die Motive gewähren Ihnen einen tieferen Einblick in die Schönheit Vietnams, seine überlieferten Bräuche und traditionellen Feste. Früher waren die Bilder während des Tet-Festes kostbarer Festschmuck. Die Dong-Ho-Bilder sind auch deshalb so einzigartig, weil sie auf Poonah- oder Dó-Papier gedruckt werden, das aus dem Pulver des Dó-Baumes gefertigt wird. Verwendet werden hauptsächlich 5 Farben: Grün, Rot, Gelb, Schwarz und Indigo. Die Farbpigmente entstehen überwiegend aus natürlichen Materialien wie Ziegeln, Blumen, Stroh und verschiedenen Pflanzen.
Lage: Gemeinde Dong Ho, Bezirk Thuan Thanh, Provinz Bac Ninh
6. Dorf der Kegelhutmacher von Chuong (Hanoi)
Höhepunkte: Der Kegelhut gilt gemeinsam mit dem “Ao Dai” als Sinnbild der traditionellen vietnamesischen Frauenkleidung. Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie ein vietnamesischer Kegelhut entsteht? Im westlich von Hanoi gelegenen Dorf Chuong können Sie es herausfinden. Seit vielen Generationen bewahren die Dorfbewohner mit stiller Hingabe die traditionsreiche Kunst der Kegelhutherstellung. Zwar können Sie Kegelhüte vielerorts kaufen, doch die Erzeugnisse aus Chuong gelten als besonders hochwertig. Sie bestehen aus Palmblättern aus der Provinz Quang Binh, Seidengarn aus dem Dorf Trieu Khuc und Bambus aus der Provinz Hoa Binh. Dadurch sind die Hüte ebenso formschön wie robust. Sie schützen vor Sonne und Regen und eignen sich außerdem hervorragend als Geschenk für Freunde.
Lage: Gemeinde Phuong Trung, Bezirk Thanh Oai, Hanoi
7. Dorf Vong – Heimat des jungen grünen Klebreises (Hanoi)
Höhepunkte: Wenn es um die Esskultur Hanois geht, darf junger grüner Klebreis nicht fehlen – eine echte Spezialität der Hauptstadt. Besonders im Herbst wird diese feine Köstlichkeit gern gegessen und ist auch ein beliebtes Mitbringsel für Reisende. Der Reis wird mit den Händen gegessen und häufig zusammen mit reifen Bananen serviert. Genießen Sie ihn langsam, damit sich sein Duft und sein süßlicher, buttriger und leicht nussiger Geschmack voll entfalten können. Im Dorf Vong erleben Sie aus nächster Nähe, wie der junge Klebreis sorgfältig verarbeitet wird und sein unverwechselbares Aroma erhält.
Lage: Dorf Vong, Stadtteil Dich Vong, Bezirk Cau Giay, Hanoi
8. Reisweindorf Lang Van (Bac Giang)
Höhepunkte: Der Reiswein aus Lang Van ist unter einheimischen Kennern weithin bekannt. Man sagt, er sei klar und schimmernd wie das Sonnenlicht im Sommer. Hergestellt wird er aus dem Klebreis Nep Cai Hoa Vang, dessen Name “Goldblüten-Klebreis” bedeutet und der auf den Feldern des Dorfes Van Xa in der Gemeinde Van Ha, Provinz Bac Giang, angebaut wird. Der aromatische Reiswein verleiht jeder Mahlzeit eine besondere Note und ist zugleich eines der beliebtesten Mitbringsel aus dieser nordvietnamesischen Provinz.
Lage: Dorf Van, Gemeinde Van Ha, Bezirk Viet Yen, Provinz Bac Giang
II. 5 traditionelle Handwerksdörfer in Zentralvietnam
1. Töpferdorf Bau Truc (Ninh Thuan)
Höhepunkte: Wenn Sie Zentralvietnam besuchen, sollten Sie sich das Töpferdorf Bau Truc nicht entgehen lassen – das älteste Töpferdorf Südostasiens. Es liegt rund 10 km südlich der Stadt Phan Rang und zählt mehr als 400 Familien, von denen etwa 85 % ihren Lebensunterhalt mit traditioneller Töpferkunst verdienen.
Das Dorf besteht seit über 200 Jahren, und die meisten seiner Bewohner gehören zum Volk der Cham. Der Name Bau Truc geht auf die ursprüngliche Bezeichnung Paley HamuTrok zurück, die “Ort am Ende des Flusses” bedeutet. Begründet wurde die Töpfertradition von einem Cham namens Poklong Chan; bis heute ist sie lebendig geblieben. Anders als viele andere traditionelle Handwerksdörfer wirkt Bau Truc weitläufig und modern: Betonierte Straßen, rot gedeckte Häuser und Geschäfte bestimmen das Bild. Bei Ihrem Besuch sehen Sie die Familien bei der Arbeit und können sich einzelne Techniken erklären lassen. Jedes Stück aus dem Dorf ist ein Unikat und greift Motive aus dem Alltag der Cham auf. Verziert mit einfachen Blumen, Muscheln oder handgemalten Mustern wirken die Töpferwaren zugleich ursprünglich und eindrucksvoll.
Lage: Kleinstadt Phuoc Dan, Bezirk Ninh Phuoc, Provinz Ninh Thuan
2. Dorf der Poonah-Papierherstellung Yen Thai (Quang Binh)
Höhepunkte: Die Papierherstellung blickt in Quang Binh auf eine mehr als 6 Jahrhunderte lange Geschichte zurück. Das Dorf Yen Thai ist für unterschiedliche Papiersorten bekannt, darunter Papier für königliche Erlasse und Anordnungen. Das Ausgangsmaterial stammt von Poonah-Bäumen, die für die nördlichen Provinzen Vietnams typisch sind. Die Herstellung verlangt den Bewohnern von Yen Thai zahlreiche präzise und aufwendige Arbeitsschritte ab: Geeignete Rohstoffe werden ausgewählt, in Wasser eingeweicht, zerstampft und anschließend geglättet. Das fertige Papier wird unter anderem für Schriftzeichen, den Druck von Volksbildern und die Herstellung von Büchern verwendet.
Lage: Dorf Yen Thai, Provinz Quang Binh
3. Steinmetzdorf Non Nuoc (Da Nang)
Höhepunkte: Bei einem Aufenthalt in Da Nang sollten Sie das Steinmetzdorf Non Nuoc nicht verpassen – eines der außergewöhnlichsten Handwerksdörfer Zentralvietnams. Die mehr als 200 Jahre alte Tradition erfüllt die Steinmetze von Non Nuoc mit Stolz. Entsprechend engagiert bewahren sie sowohl die historische Stätte als auch ihre überlieferten Fertigkeiten. Ursprünglich entstanden hier Gebrauchsgegenstände für die lokale Bevölkerung, darunter Getreidemühlen, Reismörser und Grabsteine. Inzwischen ist die Produktpalette deutlich gewachsen und zählt zu den wertvollsten Exportgütern der Stadt. Im Dorf arbeiten Tausende Steinmetze in mehr als 300 Betrieben.
Lage: Steinmetzdorf Non Nuoc, Stadtteil Hoa Hai, Bezirk Ngu Hanh Son, Da Nang.
4. Tischlerdorf Kim Bong (Hoi An – Quang Nam)
Höhepunkte: Das Tischlerdorf Kim Bong gehört zu den bekanntesten Handwerksdörfern der Region und steht für einzigartige kulturelle Werte sowie zahlreiche kunstvolle Arbeiten. Seine schönen und eindrucksvollen Holzerzeugnisse ziehen Besucher aus Vietnam und aller Welt an. Der im 16. Jahrhundert entstandene Stil der Kim-Bong-Tischler verbindet chinesische, japanische und vom Cham-Königreich geprägte Einflüsse mit dem handwerklichen Können vietnamesischer Meister. Der Eintritt in das Dorf ist kostenlos. Hier können Sie echten Holzschnitzern bei der Arbeit zusehen und in den Geschäften der Einheimischen kleine Souvenirs für Ihre Freunde erwerben.
Lage: Tischlerdorf Kim Bong, Gemeinde Cam Kim, Hoi An, Quang Nam
5. Bronzegießerdorf Phuoc Kieu (Quang Nam)
Höhepunkte: Bei einer Reise in die Altstadt von Hoi An lohnt sich ein Abstecher in das für seinen traditionellen Bronzeguss bekannte Dorf Phuoc Kieu. Seit seiner Gründung im 16. Jahrhundert fertigen die geschickten Handwerker hier vielfältige Bronzegegenstände wie antike Vasen, Räuchergefäße und Lampenhalter. Daneben entstehen zahlreiche Musikinstrumente, insbesondere “Gongs” für die ethnischen Gemeinschaften Vietnams. Bei Ihrem Besuch können Sie den gesamten Herstellungsprozess vom Rohmaterial bis zum fertigen Stück verfolgen. Ein besonderes Erlebnis sind die musikalischen Darbietungen auf Bronzeinstrumenten, mit denen Künstler das Handwerk zum Klingen bringen. Ein Besuch bietet Ihnen einen lebendigen Einblick in eine der ältesten Handwerkstraditionen Vietnams.
Lage: Gemeinde Dien Phuong, Bezirk Dien Ban, Provinz Quang Nam.
III. 3 traditionelle Handwerksdörfer im Süden Vietnams
1. Dorf der schwarzen Seide von Tan Chau (An Giang)
Höhepunkte: Im 20. Jahrhundert träumten viele Vietnamesinnen von Kleidung aus Tan-Chau-Seide. Bei einem Besuch des Dorfes können Sie die feinen Stoffe selbst berühren – und verstehen schnell, warum sie so berühmt sind. Tan Chau liegt im Nordwesten der Provinz An Giang. Entlang der Flussufer und über die Felder hinweg erstreckt sich von Dorf zu Dorf das satte Grün der Maulbeerbäume. Die freundlichen Bewohner zeigen Ihnen Schritt für Schritt, wie die Seide hergestellt wird. Einige Arbeitsschritte, etwa das Aufspulen der Seidenfäden, können Sie unter fachkundiger Anleitung selbst ausprobieren.
Lage: Stadt Tan Chau, Provinz An Giang
2. Dorf der Kokosbonbons von Ben Tre (Ben Tre)
Höhepunkte: Schon bei der Annäherung an das Dorf liegt der charakteristische Duft von Kokosnüssen in der Luft. Das Dorf der Kokosbonbons von Ben Tre gehört zu den traditionellen Handwerksdörfern Vietnams, die Sie unbedingt besuchen sollten. Zwar gibt es im Mekong-Delta zahlreiche Orte, an denen Süßigkeiten hergestellt werden, doch das Dorf der Kokosbonbons von Ben Tre gilt als Wiege dieses besonderen Handwerks. Ihr unverwechselbares Aroma entsteht aus Zutaten wie Zucker, Malz und Kokosmilch. Die Bonbons verkörpern ein wertvolles Stück regionaler Kultur und bewahren zugleich die Tradition sorgfältiger Handarbeit.
Lage: Stadt Mo Cay, Bezirk Mo Cay, Provinz Ben Tre
3. Bootsbauerdorf Ba Dai (Dong Thap)
Höhepunkte: Kaum ein Ort verkörpert die Kultur des Mekong-Deltas so anschaulich wie das Bootsbauerdorf Ba Dai. Da die Region von einem weitverzweigten Netz aus Flüssen und Kanälen durchzogen ist, zählen Sampans und andere Boote zu den wichtigsten Verkehrsmitteln der Bevölkerung. Mehr als 200 Familien fertigen in Ba Dai jährlich bis zu 10.000 Holzboote. Das Bootsbauhandwerk wird hier seit einem Jahrhundert ausgeübt und ist im Südwesten Vietnams als nationales Kulturerbe anerkannt. Die Boote aus Ba Dai sind weit über die Region hinaus bekannt und werden für ihre ansprechende Form und hohe Qualität geschätzt. Bei Ihrem Besuch lernen Sie nicht nur eine weitere faszinierende Seite des vietnamesischen Handwerks kennen, sondern können auch selbst ein kleines Souvenir anfertigen – als Erinnerung oder Geschenk für Freunde und Familie.
Lage: Gemeinde Long Hau, Bezirk Lai Vung, Provinz Dong Thap
Wir hoffen, dass Sie unter den vorgestellten traditionellen Handwerksdörfern Vietnams Ihren persönlichen Favoriten finden. Ganz gleich, für welches Sie sich entscheiden: Der Besuch wird Ihre Vietnamreise um besondere Eindrücke und unvergessliche Erinnerungen bereichern.
