Wer an Hoi An in der Provinz Quang Nam denkt, verbindet die Stadt meist mit historischen Gassen und einer angenehm ruhigen Atmosphäre. Berühmte Sehenswürdigkeiten wie die Cau-Pagode, besser bekannt als Japanische Brücke, der Strand Cua Dai und der Markt von Hoi An laden zum entspannten Entdecken ein. Ein Ort sollte dabei keinesfalls fehlen: das Tischlerdorf Kim Bong, in dem Hoi Ans Kultur und jahrhundertealtes Handwerk bis heute bewahrt und weiterentwickelt werden.
Das Tischlerdorf Kim Bong bewahrt nicht nur die Traditionen und Bräuche von Hoi An, sondern gilt auch als Wiege vieler Generationen von Handwerkern. Gemeinsam mit den Dörfern Thanh Ha und Tra Que zeugt Kim Bong von der langen Geschichte und einstigen Blüte Hoi Ans, das sich im 16. Jahrhundert zu einem bedeutenden Handelszentrum Vietnams entwickelte.
Dank seiner günstigen Lage und guten Erreichbarkeit war das Tischlerdorf Kim Bong in feudaler Zeit ein lebhafter Handelsplatz, an dem auch zahlreiche ausländische Kaufleute verkehrten.
Bis heute pflegt das Dorf seine Traditionen und entwickelt seine kunstvollen Schnitztechniken weiter – das besondere Markenzeichen Kim Bongs. Seine Beliebtheit verdankt der Ort sowohl der feinen handwerklichen Ausführung seiner Erzeugnisse als auch seiner jahrhundertealten Geschichte. Besucher aus nah und fern kommen hierher, um die ländliche Idylle und das außergewöhnliche Geschick der Handwerker aus nächster Nähe zu erleben.
Öffnungszeiten: ganztägig
Inhalt
I. Geschichte des Tischlerdorfs Kim Bong
Neben dem ursprünglichen Charakter seiner kunstvoll gefertigten Erzeugnisse weckt vor allem die jahrhundertealte Geschichte des Dorfes die Neugier internationaler Besucher.
Der Überlieferung zufolge stammten die Vorfahren der Tischler von Kim Bong aus dem Delta Nordvietnams und der nördlichen Zentralregion. Im 15. Jahrhundert verließen diese geschickten Holzhandwerker ihre Heimat und zogen auf der Suche nach einem Auskommen durch das Land. Anfangs konnten nur wenige von ihnen ihren Lebensunterhalt mit dem Handwerk bestreiten. Nach und nach bauten sie neben einfachen Holzhütten und Bambushäusern auch Haushaltsgegenstände sowie Boote und Schiffe. So verbesserten sich ihre Fertigkeiten und zugleich ihre Lebensbedingungen.
Mit dem Aufschwung der historischen Handelsstadt Hoi An ab dem späten 16. Jahrhundert erlebte auch das Tischlerhandwerk von Kim Bong einen Wandel, geprägt vom internationalen Handel sowie von wirtschaftlichem und kulturellem Austausch.
In dieser Zeit setzte in Hoi An und insbesondere in Kim Bong eine starke städtebauliche Entwicklung ein, die den Lebensstandard der Bevölkerung verbesserte. Dank ihrer hervorragenden Fertigkeiten erfüllten die Handwerker von Kim Bong die hohen Anforderungen anspruchsvoller Architektur und religiöser Bauwerke. Zudem fertigten sie fortschrittliche Ausrüstung für Transport, Bauwesen und militärische Zwecke. Im 19. Jahrhundert fanden ihre Arbeiten weite Verbreitung; in ihre Techniken flossen auch Einflüsse der Cham sowie chinesischer und japanischer Handwerker ein.
Die Schnitzereien der Künstler von Kim Bong sind meisterhafte Schöpfungen. Doch erst eine offenere Politik und verschiedene Reformen trugen dazu bei, dass sich das traditionelle Handwerksdorf zu einem heutigen Reiseziel entwickelte. Zahlreiche Investitionen und Projekte wurden umgesetzt, um das Zentrum von Hoi An besser mit der Gemeinde Cam Kim, dem Standort des Tischlerdorfs Kim Bong, zu verbinden.
Bei einem Besuch im Tischlerdorf Kim Bong entdecken Sie einen berühmten Ort mit mehr als 600-jähriger Geschichte. Dabei erfahren Sie, wie sich das Dorf zu einem kostbaren Kulturerbe entwickelte, und lernen die schönsten Seiten dieses besonderen Reiseziels kennen.
II. Höhepunkte des Tischlerdorfs Kim Bong
Die Verbindung aus günstiger Lage, meisterhafter Holzkunst und historischen Bauwerken macht dieses Dorf zu einer besonders sehenswerten Attraktion in Hoi An.
1. Günstige Lage und gute Verkehrsanbindung
Die Gemeinde Cam Kim liegt nahe dem Unterlauf des Flusses Thu Bon und war daher für Händler besonders günstig erreichbar. Zudem befindet sich das Dorf gegenüber der Altstadt von Hoi An, sodass Sie es mit der Fähre in nur 10 Minuten erreichen. Während der Fahrt über den Thu Bon genießen Sie reizvolle Uferlandschaften und den Blick auf kunstvoll verzierte Bauwerke.
Wenn Sie lieber auf dem Landweg unterwegs sind, gelangen Sie über die 2016 errichtete Cam-Kim-Brücke ins Dorf. Sie verbindet Kim Bong direkt mit der Altstadt von Hoi An. Die besondere Lage und gute Erreichbarkeit tragen wesentlich zum unverwechselbaren Reiz des Dorfes bei. Ganz gleich, welches Verkehrsmittel Sie wählen: Schon unterwegs begegnen Ihnen eindrucksvolle Beispiele der lokalen Schnitzkunst.
2. Der ursprüngliche Charakter der Schnitzkunst
Neben der guten Erreichbarkeit bleibt Besuchern vor allem der ursprüngliche Charakter der Schnitzarbeiten in Erinnerung. Bereits der Name Tischlerdorf Kim Bong steht für die Schönheit und die typischen Merkmale dieses traditionsreichen Handwerksortes.
Anders als in vielen anderen Handwerksdörfern werden in Kim Bong unverwechselbare Techniken gepflegt, deren feine Unterschiede vor allem erfahrene Handwerker erkennen. Alteingesessene Kunsthandwerker erzählen, dass jeder Tischler hier mit Leidenschaft arbeitet und selbst dem kleinsten Detail etwas von seiner Persönlichkeit verleiht.
Obwohl der kulturelle Austausch mit dem feudalen Nordvietnam Spuren hinterließ, greifen die Handwerker von Kim Bong in ihren Mustern immer wieder Drachen, Phönixe und Blumen auf – Sinnbilder für Macht, Lebenskraft und Wohlstand.
Das Besondere an den Arbeiten der Handwerker von Kim Bong sind ihr Aufbau und ihre Bildsprache. Die geschnitzten Darstellungen vermitteln Besuchern einen lebendigen Eindruck vom Alltag in Hoi An – einer Stadt voller kultureller Werte und jahrhundertealter Geschichte.
3. Die historischen Bauwerke von Kim Bong
Ein weiteres charakteristisches Merkmal des Tischlerdorfs Kim Bong zeigt sich in den historischen Gebäuden und Sakralbauten von Hoi An. Wer das Dorf besucht, wird den imposanten und zugleich schlichten Eingang mit der Inschrift “LANG MOC KIM BONG” kaum vergessen.
Nicht nur die bekannten Gebäude im Dorf Kim Bong, sondern beinahe alle bedeutenden Holzbauten von Hoi An wurden von den talentierten Tischlern aus Kim Bong entworfen und mit Schnitzereien versehen.
Während der Nguyen-Dynastie wurden neben den Handwerkern aus Kim Bong auch Tischler aus Van Ha und Quang Nam an den Kaiserhof von Hue berufen, um an der Gestaltung der Hauptstadt mitzuwirken. Gebäude, Brücken und Sakralbauten wurden von diesen versierten Kunsthandwerkern sorgfältig behauen, geschnitzt und graviert.
Das Tischlerdorf Kim Bong ist nicht nur für seine reizvolle Lage und ursprünglichen Gebäude, sondern auch für seine bedeutenden Bauwerke bekannt. Jahr für Jahr ziehen sie Besucher aus Vietnam und aller Welt an.
III. Was können Sie im Tischlerdorf Kim Bong unternehmen?
Das Dorf gliedert sich im Wesentlichen in zwei Bereiche: einen westlichen und einen östlichen Teil. Während der eine für Möbel und Haushaltsgegenstände bekannt ist, hat sich der andere auf den Bau von Schiffen und Booten spezialisiert. Fernab vom hektischen Stadtverkehr können Sie hier an verschiedenen Aktivitäten im Freien teilnehmen und den Alltag für eine Weile hinter sich lassen.
1. Den Handwerkern im westlichen Dorfteil über die Schulter schauen
Die Möbel und Kunstgegenstände aus Kim Bong sind für ihre sorgfältige, bis ins Detail präzise Verarbeitung bekannt und werden von landesweit angesehenen Kunsthandwerkern hoch geschätzt. Im westlichen Dorfteil entstehen vor allem Möbel und Haushaltsgegenstände, religiöse Statuen sowie Souvenirs.
Bei Ihrem Besuch können Sie unmittelbar verfolgen, wie erfahrene Hände große Holzblöcke in mehreren Arbeitsschritten in nützliche Gegenstände für den täglichen Gebrauch verwandeln.
Bemerkenswert ist, dass viele einheimische Handwerker nicht nur in ihren Werkstätten zu Hause arbeiten. Einige sind in die Altstadt von Hoi An gezogen, um historische Gebäude und Kulturdenkmäler zu erhalten und fachgerecht zu restaurieren.
2. Die Schiffswerften im östlichen Dorfteil besuchen
Vom westlichen Teil des Dorfes können Sie bequem in den Osten spazieren und dort den Handwerkern bei ihrer Arbeit zusehen. Anders als im Westen stehen hier Holzschiffe im Mittelpunkt – sie sind seit Generationen untrennbar mit dem Leben der Menschen in Kim Bong verbunden.
Die traditionell gebauten Schiffe entstehen mit großem handwerklichem Können aus Materialien wie Holz, Ziegeln und Metall. Entlang des Flussufers können Sie zudem eine Reihe großer alter Schiffe betrachten, mit denen die Einheimischen einst aufs offene Meer hinausfuhren. Sie sind eindrucksvolle Symbole für die bis heute bewahrten Traditionen des Tischlerdorfs Kim Bong und der gesamten Region Hoi An–Quang Nam.
Eine weitere Besonderheit: Neben dem Bau moderner Schiffe gehört auch die Reparatur und Aufarbeitung ausrangierter Boote zum Arbeitsalltag. Die Handwerker schenken ihnen neues Leben, damit sie weiterhin genutzt werden können.
3. In den Souvenirläden stöbern
Runden Sie Ihren Besuch mit einem Abstecher in die Souvenirläden ab. Eine kleine Schnitzerei als Andenken macht die Erlebnisse in Kim Bong auch zu Hause unvergesslich.
Entlang der Straße finden Sie zahlreiche kleine Geschäfte, in denen Sie hübsche Erinnerungsstücke für sich und Ihre Familie entdecken können.
Die Preise sind erschwinglich und mitunter niedriger als andernorts. Viele kleine Stücke werden direkt vor Ort aus Holzresten gefertigt, die bei der Herstellung von Möbeln und Haushaltsgegenständen anfallen.
Die örtlichen Behörden veranstalten regelmäßig eine jährliche Ausstellung. Prüfen Sie daher vor Ihrem Besuch den Veranstaltungskalender: Zu diesem besonderen Anlass können Sie die neuesten und kunstvollsten Arbeiten des Dorfes bewundern.
4. An einem eintägigen Handwerkskurs im Dorf teilnehmen
Wenn Sie schon immer wissen wollten, wie eine Schnitzarbeit von Hand entsteht, können Sie sich hier selbst als “Tischlerlehrling” versuchen.
Die Einheimischen und erfahrenen Kunsthandwerker vermitteln Besuchern gern die Grundlagen des Schnitzens. In der Werkstatt beobachten Sie nicht nur sämtliche Arbeitsschritte bis zum fertigen Werkstück, sondern können auch Ihr eigenes Lieblingsmotiv gestalten.
IV. Wie gelangen Sie zum Tischlerdorf Kim Bong?
Das Tischlerdorf Kim Bong liegt in der Gemeinde Cam Kim in Hoi An, Provinz Quang Nam
Für die Anreise ins Dorf stehen Ihnen verschiedene Verkehrsmittel zur Verfügung.
Besonders beliebt ist die Anreise per Boot, häufig in Verbindung mit einem Zwischenstopp bei der Tempelstätte My Son. Schon die etwa 10-minütige Bootsfahrt nach Kim Bong ist ein schönes Erlebnis.
Alternativ können Sie mit dem Fahrrad oder Motorrad anreisen. Überqueren Sie dazu die 620 Meter lange Cam-Kim-Brücke. Vom Thu Bon aus fahren Sie anschließend noch weitere 3 Kilometer, bis Sie das Dorf erreichen.
V. Zusätzliche Tipps für Ihren Besuch im Tischlerdorf Kim Bong
- Prüfen Sie vorab die Wettervorhersage und meiden Sie möglichst die stürmische Regenzeit, da viele Aktivitäten im Freien dann nur eingeschränkt möglich sind
- Wählen Sie bequeme, angemessene Kleidung und nehmen Sie Rücksicht auf die traditionellen Bräuche des ländlich geprägten Dorfes. Der Eintritt ist kostenlos
- Der Ausflug eignet sich besonders gut für Familien mit Kindern. Auf anschauliche Weise erfahren sie mehr über die Geschichte und das wertvolle Kulturerbe Vietnams.
- Für die Anreise stehen Ihnen zahlreiche Verkehrsmittel zu sehr günstigen Preisen zur Verfügung.
Das Tischlerdorf Kim Bong ist bei vietnamesischen wie internationalen Reisenden ein beliebtes Ausflugsziel, wenn sie die Altstadt von Hoi An besuchen. An diesem besonderen Ort können Sie in die jahrhundertealte Geschichte und die überlieferten Traditionen des Handwerks eintauchen.
