Der Phong-Nha-Ke-Bang-Nationalpark (Phong Nha-Kẻ Bàng) liegt im Zentrum der Provinz Quang Binh im nördlichen Zentralvietnam. Er schützt eine der beiden größten Karstregionen der Welt mit mehreren Hundert Höhlen und Grotten. Seinen Namen verdankt er der Phong-Nha-Höhle, die mit ihren zahlreichen faszinierenden Felsformationen als die schönste der Region gilt, sowie dem Ke-Bang-Wald. Das Plateau zählt vermutlich zu den eindrucksvollsten und außergewöhnlichsten Beispielen einer komplexen Karstlandschaft in Südostasien.
Öffnungszeiten: 7 bis 16 Uhr
I. Geografie und Klima
Der Phong-Nha-Ke-Bang-Nationalpark liegt geografisch in Zentralvietnam, rund 500 km südlich der Hauptstadt Hanoi in der Provinz Quang Binh. Die westliche Grenze des Parks bildet teilweise die Grenze zwischen Laos und Vietnam und liegt nur 42 km vom Meer entfernt. Der Park erstreckt sich in den Bezirken Bo Trach und Minh Hoa zwischen den geografischen Koordinaten 170 20′–170 48′ N und 1050 46–1060 24′ E.
Wie das nördliche Zentralvietnam (Bac Trung Bo) im Allgemeinen und die Provinz Quang Binh im Besonderen besitzt auch dieser Nationalpark ein tropisches, heißes und feuchtes Klima. Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt zwischen 23 und 25 °C. Im Sommer werden Höchstwerte von 41 °C erreicht, während die Temperaturen im Winter auf bis zu 6 °C fallen können. Die jährliche Niederschlagsmenge beträgt 2.000 bis 2.500 mm, wobei 88 % der Niederschläge zwischen Juli und Dezember fallen.
Bei mehr als 160 Regentagen im Jahr gibt es keinen vollkommen trockenen Monat. Die durchschnittliche relative Luftfeuchtigkeit beträgt 84 %. Das typische Tropenklima sorgt für üppiges Grün und eine angenehm frische Atmosphäre – ideale Voraussetzungen für einen Besuch.
II. Höhepunkte von Phong Nha-Ke Bang
Phong Nha-Ke Bang ist für seine überwältigende Natur bekannt, deren Anblick Ihnen mitunter den Atem rauben wird.
1. Flüsse und Bäche
Hier fließen der malerische Son und der Chay – die beiden längsten unterirdischen Flussläufe von Phong Nha-Ke Bang – sanft zwischen Schilf und grünen Bambusreihen dahin. Die meisten Höhlen der Region wurden von diesen beiden Flüssen geformt. Der Son fließt in den Eingang der Phong-Nha-Höhle, wo er nach einem rund 20 km langen unterirdischen Verlauf wieder zum Vorschein kommt.
Darüber hinaus gibt es im Gebiet von Phong Nha-Ke Bang mehr als zehn eindrucksvolle Bäche, Quellen und Wasserfälle, darunter den Gió-Wasserfall, die Wasserfälle Madame Loan & Chài, den aus einem Kalksteinmassiv entspringenden Mọc-Bach und den Trạ-Ang-Bach.
In der Ferne liegen der zauberhafte, klare Bong-Lai-See und der Chai-Wasserfall, umgeben von dunkelvioletten Blüten, die in der warmen Jahreszeit erstrahlen. Angesichts dieser romantischen, beinahe unwirklichen Landschaft entfährt so manchem Besucher ein begeistertes “Wow! Wie im Paradies!”
2. Kalksteinberge
Der Park beherbergt zudem rund zwei Dutzend mächtige Kalksteinberge mit Höhen von mehr als 1.000 m. Zu den markantesten Gipfeln gehören der 1.128 m hohe Co Rilata und der 1.213 m hohe Co Preu.
Nicht vom Karst geprägte Landschaften machen nur einen kleinen Teil des Gebiets aus. Sie befinden sich überwiegend an den äußeren Rändern der Kalksteinregion im Norden, Nordosten und Südosten des Nationalparks. Die stark gegliederten Gipfel erreichen Höhen zwischen 500 und 1.000 m. Die eindrucksvollen und einzigartigen Kalksteingebirge von Phong Nha-Ke Bang üben eine besondere Anziehungskraft auf Besucher aus.
3. Flora und Fauna
Die Primärwälder von Ke Bang sind Lebensraum für Wirbeltiere aus 98 Familien, 256 Gattungen und 381 Arten. Viele davon stehen im vietnamesischen oder internationalen Rotbuch gefährdeter Arten. Wenn Sie abenteuerlustig sind, können Sie tiefer in den Wald vordringen und mit etwas Glück seltene Tiere wie Geckos oder Makaken in freier Wildbahn beobachten. Eine solche unmittelbare Begegnung ist ebenso spannend wie unvergesslich.
Auch Pflanzenfreunde dürfen sich auf eine beeindruckende Vielfalt freuen: In den tropischen Wäldern gedeihen zahlreiche Baumarten, Gräser und Sträucher auf Kalksteinfelsen und Erhebungen, außerdem Sindora-Bäume sowie Rattan- und Bambuswälder. Hier befindet sich zudem Vietnams größter Bestand an Calocedrus rupestris. Insgesamt wurden 140 Familien, 427 Gattungen und 751 Arten von Gefäßpflanzen erfasst, von denen 36 im vietnamesischen Rotbuch aufgeführt sind.
4. Phong-Nha-Höhle
Wer bis zu 1.500 m tief in die Phong-Nha-Höhle vordringt, erlebt eine Überraschung nach der anderen. Bis heute wurden mehr als 300 Höhlen entdeckt, die durch den Chay-Fluss fortlaufend weitergeformt werden.
Der Son fließt in den Höhleneingang und setzt seinen Lauf unterirdisch fort, wo er als Nam-Aki-Fluss bezeichnet wird. Die Haupthöhle von Phong Nha besteht aus 14 Kammern, die durch einen 1,5 km langen unterirdischen Fluss miteinander verbunden sind.
Zu den bemerkenswertesten Höhlen und Grotten von Phong Nha gehören die Phong-Nha-Höhle, die Dunkle Grotte, die E-Grotte, die Cha-An-Grotte, die Thung-Grotte, die En-Grotte, die Khe-Tien-Grotte, die Khe-Ry-Grotte und die Khe-Thi-Grotte. Am bekanntesten ist die Phong-Nha-Höhle. Wegen ihrer außergewöhnlich schönen Stalaktiten und langen unterirdischen Flüsse wurde sie von der britischen Royal Geographical Society als “erstklassiges Höhlenwunder” gewürdigt.
Während Ihr Boot auf dem Son in die Höhle gleitet und der Wind wie in einer Kathedrale durch die Felskammern pfeift, möchten Sie diesen Ort am liebsten gar nicht mehr verlassen. Je tiefer Sie in die Höhle gelangen, desto unwirklicher erscheinen die Stalaktiten und Stalagmiten, die im Schein der Lampen geheimnisvoll funkeln.
Hier eröffnet sich Ihnen eine eindrucksvolle Welt aus uralten, mächtigen Stalaktiten, die wie riesige Zähne von der Decke hängen, und rau aufragenden Stalagmiten. Das schimmernde Licht zieht sich durch die Höhle wie ein farbenprächtiges Seidenband.
Jede Höhle birgt ihre eigenen geheimnisvollen Wunder in ewiger Dunkelheit – und lädt dazu ein, sie selbst zu entdecken.
III. Kulturerbe des Phong-Nha-Ke-Bang-Nationalparks
Die ältesten Belege für die Besiedlung des Gebiets sind jungsteinzeitliche Axtköpfe und ähnliche Artefakte, die in einigen Höhlen gefunden wurden. Am Berg Maria im Norden des Parks befinden sich zudem Relikte von König Ham Nghi, einem der letzten Herrscher der Nguyen-Dynastie vor der französischen Kolonialzeit.
Heute leben die Arem sowie die Volksgruppen der Ma Coong und Ruc in zwei Dörfern in der Kernzone des Nationalparks Phong Nha-Ke Bang. Bis 1962 lebten diese indigenen Gemeinschaften im Wald – in Häusern aus Bambus und Blättern oder in Höhlen – und ernährten sich von Waldprodukten und der Jagd. Sie benutzten einfache Werkzeuge und fertigten ihre Kleidung aus der Rinde eines giftigen Waldbaums (Antiaris toxicaria) sowie aus Lianen.
Seit 1992 hat die vietnamesische Regierung zwei neue Siedlungen für diese 475 Menschen eingerichtet, die den beiden kleinsten ethnischen Gruppen Vietnams angehören. Sie verfügen über umfangreiche Kenntnisse zu wirtschaftlich wertvollen Arten, insbesondere zu Edelhölzern wie Mun und Hue (Diospyros spp., Dalbergia rimosa), zur Ölgewinnung aus Pflanzenarten wie Tau (Hopea hainanensis) sowie zu zahlreichen Heilpflanzen.
Die Phong-Nha-Höhle besitzt seit Langem religiöse und touristische Bedeutung. In ihrem Inneren wurde ein alter Cham-Tempel entdeckt; bereits im 9. und 10. Jahrhundert diente die Höhle als Kultstätte. Während des Krieges mit den USA nutzte die vietnamesische Armee den Wald und die Höhlen von Phong Nha-Ke Bang als Stützpunkt und Waffenlager.
IV. Bedeutung für den Naturschutz
Der Phong-Nha-Ke-Bang-Nationalpark besitzt einen außerordentlich hohen Naturschutzwert, da er eines der größten noch intakten Waldgebiete Vietnams umfasst. Gemeinsam mit dem angrenzenden Biodiversitätsschutzgebiet Hin Nam No in Laos bildet er einen zusammenhängenden Waldkomplex und damit eines der größten Kalkkarst-Waldgebiete Indochinas.
Die im Nationalpark vorkommenden hochwüchsigen Tieflandwälder, die als Lebensraumtyp in der Region bedroht sind, erhöhen die ökologische Bedeutung des Gebiets zusätzlich.
V. Aktivitäten im Phong-Nha-Ke-Bang-Nationalpark
Seit der Park in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen wurde, ist die Zahl der Besucher stark gestiegen. Für den Tourismus in der Region ist die Handels- und Tourismusbehörde der Provinz Quang Binh zuständig. In der Provinz stehen 280 Zimmer mit internationalem Standard sowie 8 Fahrzeuge mit jeweils 4 bis 15 Sitzplätzen für den touristischen Transport zur Verfügung. Die Förster der Gemeinde Son Trach im Bezirk Bo Trach kümmern sich um die Sicherheit der Besucher.
Die Provinz Quang Binh hat in den Ausbau der Besuchereinrichtungen von Phong Nha-Ke Bang investiert, um das Gebiet zu einem der wichtigsten Reiseziele Vietnams zu entwickeln.
Mehrere Ökotourismusprojekte wurden genehmigt. Gleichzeitig investiert die Provinz umfassend in die touristische Entwicklung der Region, damit sie sich als bedeutendes Reiseziel Vietnams etabliert.
Phong Nha-Ke Bang ist Teil des touristischen Themenprogramms “Straße des Welterbes in Zentralvietnam”. Dazu gehören die alte Kaiserstadt Hue, die Cham-Ruinen von My Son, die Stadt Hoi An, die höfische Musik Nha Nhac und der Kulturraum der Gongs im zentralen Hochland Vietnams.
Lokale Reiseveranstalter bieten im Phong-Nha-Ke-Bang-Nationalpark verschiedene Aktivitäten an:
- Höhlen- und Grottenexpeditionen per Boot und mit professioneller Höhlenausrüstung
- Ökotourismus und Erkundung der Tier- und Pflanzenwelt des Ke-Bang-Waldes
- Bergsteigen: Die steilen, mehr als 1.000 m hohen Berge stellen selbst für abenteuerlustige Kletterer eine echte Herausforderung dar
Um der steigenden Besucherzahl gerecht zu werden, wurde der Flughafen Dong Hoi gebaut, dessen Inbetriebnahme für Ende 2008 vorgesehen war.
Keine Ergebnisse
VI. Was sollten Sie in Phong Nha-Ke Bang probieren?
Die Provinz Quang Binh bietet zahlreiche Spezialitäten, die Besuchern noch lange in Erinnerung bleiben.
- Getrocknete Süßkartoffeln
Die wichtigste Zutat dieser Spezialität sind natürlich Süßkartoffeln, die in sandigem Boden angebaut werden. Zunächst werden sie gekocht, anschließend in Scheiben geschnitten und etwa 10 bis 12 Mal in der Sonne getrocknet. Als kleiner Imbiss zwischendurch begeistern sie mit ihrer natürlichen Süße, die förmlich auf der Zunge zergeht.
- Reisnudelsuppe
Diese dickflüssige Reisnudelsuppe wird mit Garnelen, Schlangenkopffisch und Krabben zubereitet. Gehacktes Gemüse und würzige Gewürze verleihen der kräftigen Brühe zusätzlichen Geschmack. Einheimische genießen dazu häufig kleine frittierte Frühlingsrollen.
- Transparente Teigtaschen mit Garnelen und Schweinefleisch
Diese Teigtaschen gehören zu den beliebtesten Spezialitäten der Provinz Quang Binh. Für die Füllung werden geschmortes Schweinefleisch, Garnelen, Maniokstärke, Mu-Err-Pilze, Flussgarnelen und pikante Gewürze miteinander vermischt. Anschließend werden die Teigtaschen in Bananenblätter gewickelt. Am besten schmecken sie, wenn Sie sie in eine besondere vietnamesische Fischsoße dippen.
VII. Wo können Sie nahe dem Phong-Nha-Ke-Bang-Nationalpark übernachten?
- Areca Bungalow
Lage: Phong Nha, Bo Trach, Provinz Quang Binh
Tel.: 091 482 19 64
- Mountain Expedition Chalet
Lage: Phong Nha, Bo Trach, Provinz Quang Binh
Tel.: 093 593 1009
- Chay Lap Farmstay & Resort
Lage: Gemeinde Phuc Trach, Bezirk Bo Trach, Provinz Quang Binh
Tel.: 093 248 88 39
VIII. Wie erreichen Sie den Phong-Nha-Ke-Bang-Nationalpark?
Von Hanoi aus erreichen Sie das Gebiet am besten mit dem Thong-Nhat-Zug. Nach Ihrer Ankunft am Bahnhof Dong Hoi können Sie die Reise über Land oder auf dem Wasser fortsetzen. Beide Möglichkeiten sind unkompliziert, doch eine Bootsfahrt vermittelt Ihnen besonders authentische Einblicke in das Leben am Fluss.
Der Phong-Nha-Ke-Bang-Nationalpark birgt beeindruckende Zeugnisse der Erdgeschichte. Er ist von herausragender Bedeutung für das Verständnis der geologischen, geomorphologischen und geochronologischen Entwicklung der Region. Ein Tagesausflug hierher ist eine wunderbare Ergänzung Ihrer Vietnamreise.
