Das Thay-Pagodenfest beginnt offiziell jedes Jahr am siebten Tag des dritten Mondmonats und dauert mindestens eine Woche. Es ehrt den Volkshelden Tu Dao Hanh und zählt für Einheimische wie Reisende zu den interessantesten Festen in Hanoi.
Die Legende des Thay-Pagodenfestes
Die Thay-Pagode liegt am Fuße des Sai-Son-Berges in einem ruhigen, idyllischen Dorf, nur rund 40 km westlich von Hanoi. Besonders bekannt ist sie für ihre traditionellen Wasserpuppenspiele.
Der Überlieferung zufolge war Tu Dao Hanh ein buddhistischer Mönch während der Ly-Dynastie (1010-1225 n. Chr.). Er führte ein religiöses Leben und starb in dieser Pagode. Große Verdienste erwarb er sich durch die Verbreitung des Buddhismus, die Heilung von Krankheiten und die Entwicklung des Wasserpuppenspiels.
Der Legende nach erlangte er auf geheimnisvolle Weise den Rang eines Heiligen: Am Ende seines Lebens verharrte der buddhistische Mönch mehrere Monate lang ohne Nahrung und Wasser in Meditation und starb schließlich in dieser Haltung. Daraufhin brachten die Menschen seinen ausgetrockneten Körper zur Verehrung in die Heiligenhalle.
Welche Aktivitäten erwarten Sie beim Thay-Pagodenfest?
Während des Festes finden zahlreiche traditionelle Spiele und künstlerische Darbietungen statt. Dazu gehören die rituelle Waschung der Statue von Tu Dao Hanh, das Darbringen von Räucherstäbchen, die Prozession mit Gedenktafeln, Aufführungen des Volkstheaters Cheo, Schachspiele, Wasserpuppentheater und Erzählungen über die Taten Tu Dao Hanhs.
Vorbereitungen auf das Fest
Bereits einige Tage vor Festbeginn strömen buddhistische Gläubige und Pilger zur Pagode und tragen zur lebhaften Atmosphäre bei. Die Pagode wird sorgfältig gereinigt, während duftender Weihrauch und flackernde Kerzen eine stimmungsvolle Kulisse schaffen.
Religiöse Zeremonien
Das Thay-Pagodenfest ist eigentlich ein gemeinsames Fest der vier Dörfer Thuy Khue, Da Phuc, Khanh Tan und Sai Khe. Obwohl es in dieser Gegend zahlreiche Pagoden gibt, wird hauptsächlich in der Thay-Pagode gefeiert. Diese besteht aus drei Gebäuden: der Vorhalle, der Buddhahalle und der Heiligenhalle.
Noch vor der offiziellen Eröffnung des Festes findet die rituelle Waschung der Statuen statt. Buddhistische Mönche und die Bevölkerung nehmen gemeinsam daran teil. Die Statuen werden mit roten Tüchern gereinigt. Die Umstehenden halten feierlich die Hände vor der Brust und murmeln buddhistische Sutren.
Nach dem Ritual wird das vom Buddha gesegnete Wasser in der gesamten Pagode versprengt – verbunden mit dem Wunsch nach reichen Ernten und einem Leben in Wohlstand.
Die heilige Prozession
Die Prozession mit der Gedenktafel von Tu Dao Hanh findet am 7. Tag des dritten Mondmonats statt. Nach dem Glauben der Einheimischen erlernte Tu Dao Hanh zunächst übernatürliche Kräfte und wurde zu einem Heiligen, bevor er sich später dem Buddhismus zuwandte.
Zu Beginn der Prozession wird seine Gedenktafel daher in ein gelbes Tuch gehüllt – die Farbe der Gewänder von Priestern, denen übernatürliche Kräfte zugeschrieben werden. Auf dem Rückweg wird dieselbe Tafel dann in die braune Robe eines buddhistischen Mönchs gehüllt.
Während der Prozession schreiten buddhistische Nonnen mit und erzählen von den Taten Tu Dao Hanhs. Bemerkenswert ist außerdem, dass die Gedenktafel und das weiße Pferd aus Da Phuc in der Prozession vor jenen aus Thuy Khue gehen müssen.
Gewöhnlich erreicht die Prozession die Pagode in der Dämmerung. Dieser Zeitpunkt gilt als besonders glückverheißend, da hier die Nacht den Tag ablöst und Licht und Dunkelheit aufeinandertreffen.
Wasserpuppenspiele
Unter den faszinierenden Darbietungen des Thay-Pagodenfestes ragt das Wasserpuppentheater besonders hervor. Es bildet einen weiteren Höhepunkt des Festes und ist eine traditionelle Kulturform, die eng mit dem Nassreisanbau im Delta des Roten Flusses verbunden ist. Die Aufführungen finden vor der Pagode auf dem Long-Tri-Teich statt.
Tu Dao Hanh gilt als Begründer dieser Kunstform. Sie beruht auf zwei wesentlichen Elementen: Puppen und Wasser. Die Figuren entstehen in traditioneller Holzschnitzkunst und werden kunstvoll lackiert. Als Bühne dient ein Teich oder ein abgegrenzter Abschnitt eines Flusses.
Zu den Höhepunkten der Aufführungen gehören:
- Traditionell geschnitzte und lackierte Holzpuppen
- Geschichten von Thach Sanh und Tam Cam
- Szenen aus dem ländlichen Alltag (Feldarbeit, Entenhüten, Fischfang und Weben)
- Volks- und klassisches Theater
Keine Ergebnisse
Neben dem Wasserpuppentheater erwarten Sie Feuerwerke – meist mit lautem Knall –, Darbietungen von Volkssängern sowie sportliche Wettbewerbe wie Bergsteigen und Rudern.
Das Thay-Pagodenfest zieht viele Besucher an: wegen der Legenden um den Mönch Tu Dao Hanh, der reizvollen Landschaft und der eindrucksvollen Wasserpuppenspiele. Ein Besuch lohnt sich besonders für Pilger, die hier ehrwürdige Reliquien entdecken können, die bis heute an bedeutende Mönche und Persönlichkeiten vergangener Zeiten erinnern.
