Die Versammlungshalle der Chinesen aus Fujian (auf Vietnamesisch Hội Quán Phúc Kiến) in Hoi An in der Provinz Quang Nam zählt zu den schönsten Versammlungshallen der Stadt. Sie wurde mit Beiträgen der chinesischen Gemeinde von Hoi An errichtet und beeindruckt durch ihre prachtvolle Architektur und kunstvollen Verzierungen. Damit bereichert sie das architektonische Erbe der Altstadt.
Öffnungszeiten: täglich von 8 bis 18 Uhr.
Eintritt: 120,000 VND / Person
Geschichte der Versammlungshalle der Chinesen aus Fujian
Chinesischen Geschichtsquellen zufolge stürzte die Qing-Dynastie im Jahr 1649 die Ming-Dynastie. Die Generäle der Ming wollten sich der neuen Dynastie nicht unterwerfen. Ihr Versuch, die Ming-Dynastie wiederherzustellen, scheiterte jedoch. Viele von ihnen flohen daraufhin mit ihren Familien nach Südostasien, unter anderem nach Hoi An. Sie baten den damaligen Nguyễn-Herrscher um die Erlaubnis, sich dort niederzulassen, und gründeten das Dorf Minh Huong. Die Einwanderer stammten aus fünf Regionen: Chaozhou, Guangdong, Fujian, Hainan und Hakka. Um den Handel zwischen der chinesischen und der vietnamesischen Gemeinschaft zu erleichtern und beide Gruppen enger zusammenzubringen, wurde 1697 eine Versammlungshalle errichtet.
Architektur & Restaurierung
Die 1697 errichtete Versammlungshalle wurde von der aus der Provinz Fujian stammenden chinesischen Gemeinde zunächst vollständig aus Holz gebaut. Ab 1757 wurde sie mit Ziegelmauern und einem Ziegeldach neu errichtet, die bis heute ihr Erscheinungsbild prägen.
Das Haupttor wurde 1975 restauriert. Die gesamte Anlage ist mit Porzellandekor geschmückt, während das Dach mit Yin-und-Yang-Ziegeln gedeckt ist.
Die Versammlungshalle folgt einem Grundriss in Form des chinesischen Schriftzeichens “Drei”. Die Anlage erstreckt sich von der Tran-Phu-Straße bis zur Phan-Chu-Trinh-Straße und gliedert sich in dieser Reihenfolge: Tor, Hof, Teich, Baum, Ost- und Westflügel, Heiligtum, Hinterhof und rückwärtiger Bereich.
Das Tor ist mit Porzellanfliesen verziert und wird von einem geschwungenen Yin-und-Yang-Dach bekrönt.
Wenn Sie zur Mitte des Tores hinaufblicken, sehen Sie vier rote chinesische Schriftzeichen mit der Bedeutung “Versammlungshalle von Fujian”. Die beiden Kreise daneben stellen Sonne und Mond dar. Sie symbolisieren Himmel und Erde sowie die Harmonie von Yin und Yang im Universum.
Es gibt 3 Durchgänge, die dem Prinzip “Männer links, Frauen rechts” folgen. Zugleich stehen sie für “Himmel, Erde und Mensch”. Der mittlere Durchgang wird nur selten und ausschließlich an wichtigen Feiertagen geöffnet. Einer Überlieferung zufolge könnte sonst negative Energie in die Anlage gelangen.
Vor dem Tam-Quan-Tor befindet sich eine Miniaturlandschaft mit der Statue eines Drachenkarpfens. Sie verweist auf die Legende vom Karpfen, der das Drachentor überwindet. In der Mitte sehen Sie eine verkleinerte Nachbildung der Chinesischen Mauer. Auf der anderen Seite sind die vier heiligen Tiere Drache, Qilin, Schildkröte und Phönix dargestellt. Zwei steinerne Figuren bewachen die Halle.
Hinter dem Tor gelangen Sie in den Vorhof. Dort steht eine steinerne Tischgruppe, an der die Händler aus Fujian einst ihre geschäftlichen Angelegenheiten besprachen. Besonders charakteristisch für die Versammlungshalle sind die aufgehängten Räucherspiralen. Pilger kommen hierher, um für Gesundheit, Wohlstand, Familie und Freunde zu beten. Die Spiralen werden in der Versammlungshalle verkauft, dürfen jedoch nicht selbst vor Ort entzündet werden. Jede von ihnen brennt etwa 30 Tage lang. An der Spirale wird gewöhnlich ein Zettel mit dem vollständigen Namen der Familie, ihrer Adresse und weiteren Angaben befestigt. Ist die Spirale vollständig abgebrannt, verbrennen die Mitarbeiter der Versammlungshalle auch den Zettel zu Asche – in der Hoffnung, dass der Wunsch in Erfüllung geht.
In der Haupthalle befinden sich Altäre für den Bodhisattva Avalokiteshvara und die Himmelsmutter Thiên Hậu. Der Überlieferung zufolge schützt Thiên Hậu Händler und Seeleute auf dem Meer vor Stürmen und anderen Gefahren. Sie wird nicht nur hier, sondern auch in den chinesischen Tempeln von Hoi An und in vielen chinesischen Gemeinden verehrt. Da chinesische Händler früher häufig mit dem Schiff reisten, baten sie die als Meeres- und Schutzgöttin verehrte Himmelsmutter um eine sichere Fahrt sowie um Erfolg bei ihrer Arbeit und ihren Geschäften.
Rechts vom Altar wird Thiên Lý Nhãn verehrt, der Gott, dessen Blick über tausend Meilen reicht. Links steht der Altar von Thuận Phong Nhĩ, der über tausend Meilen hinweg hören kann. Beide gelten als Helfer der Himmelsmutter: Sie spüren Menschen in Seenot auf, damit diese gerettet werden können.
Links von der Haupthalle ist ein detailreiches Modell eines Handelsschiffes ausgestellt, das 1875 auf See in Not geriet. Besonders auffällig sind die Augen am Schiffsrumpf. Die Menschen in Hoi An glauben, dass alles eine eigene Seele besitzt und Augen braucht, um die Welt wahrzunehmen. Daher müssen auch Gegenstände, von denen das Schicksal eines Menschen abhängt, sehen können. Aus diesem Grund malte man auf beide Seiten des Schiffes je ein Auge, damit es Gefahren auf See frühzeitig erkennt.
Hinter der Haupthalle wird der 6 Generäle aus Fujian gedacht, die den Aufstand zur Wiederherstellung der Ming-Dynastie anführten. Nachdem dieser gescheitert war, flohen sie mit ihren Familien über das Meer nach Hoi An. Jedes Jahr findet hier am 6. Tag des 2. Monats nach dem Mondkalender eine Gedenkfeier für die Generäle statt. Bereits in den Tagen zuvor kommen viele Menschen, bringen Räucheropfer dar und beten für gutes Wetter und Gesundheit.
Rechts vom Altar sehen Sie außerdem eine große Statue der Geburtsgöttin Bà Chúa Sinh Thai. Ihr wird zugeschrieben, dem ungeborenen Kind seine Gestalt zu verleihen. Begleitet wird sie von zwei untergeordneten Gottheiten: Eine wacht über den Tod, die andere über das Leben.
Der Altar auf der linken Seite ist den Gottheiten des Wohlstands gewidmet. Die Gottheit links steht für Reichtum, während jene rechts Menschen bestraft, die Geld auf moralisch verwerfliche Weise verwenden.
Entlang der Seiten des Ost- und Westflügels finden Sie Altäre für die Gründer der Versammlungshalle sowie für jene Menschen, die Geld für ihren Bau und ihre Restaurierung spendeten.
Was gibt es zu sehen und zu erleben?
Die Versammlungshalle der Chinesen aus Fujian ist die größte und schönste ihrer Art in Hoi An. Viele Besucher kommen hierher, um die prachtvolle Architektur zu bewundern und zu fotografieren. Sie zählt zu den sehenswertesten Orten in der Altstadt von Hoi An.
Nach lokalem Glauben ist die Versammlungshalle ein heiliger Ort. Viele Besucher bringen deshalb Räucheropfer dar und bitten um Glück und Wohlergehen. Auch Paare mit unerfülltem Kinderwunsch kommen hierher, um für Nachwuchs zu beten.
Das zentrale Heiligtum ist der Göttin Thiên Hậu Thánh Mẫu gewidmet, die Händler auf ihren Seereisen beschützen soll. Geschäftsleute besuchen den Altar daher häufig, um ihren Segen für erfolgreiche Geschäfte zu erbitten.
Darüber hinaus gibt es einen Altar der Wohlstandsgottheit. Besonders zu Beginn eines neuen Jahres entzünden hier viele Menschen Räucherstäbchen und beten um Glück und Wohlstand.
Tipps für Ihren Besuch
An Feiertagen und Vollmondtagen des Mondkalenders ist die Versammlungshalle meist besonders gut besucht. Jedes Jahr finden hier an mehreren Festtagen – darunter am 15. Tag des 1. Monats, am 16. Tag des 2. Monats, am 23. Tag des 3. Monats und am 2. Tag des 2. Monats nach dem Mondkalender – zahlreiche Feierlichkeiten statt, an denen Reisende aus Vietnam und aller Welt teilnehmen.
Tragen Sie beim Besuch dieses heiligen Ortes bitte keine kurzen Röcke oder freizügige Kleidung.
Die Versammlungshalle der Chinesen aus Fujian wurde am 17. Februar 1990 als nationales historisches und kulturelles Denkmal anerkannt. Bei einem Besuch werden Sie von der meisterhaften Handwerkskunst früherer Generationen und ihren einzigartigen Werken beeindruckt sein. Mit Unterstützung der Auslandschinesen in Hoi An hat sich die Halle zu einer bedeutenden kulturellen Sehenswürdigkeit in Hoi An entwickelt. Nehmen Sie sich bei Ihrem Aufenthalt unbedingt Zeit für diesen besonderen Ort – hinter seinen Toren warten zahlreiche faszinierende Entdeckungen auf Sie.
