Das Ba-Chua-Xu-Tempelfest, auch als Fest zu Ehren der Göttin bekannt, ist eines der berühmtesten Feste der Provinz An Giang und wird jedes Jahr im großen Rahmen gefeiert. 2001 erkannte das vietnamesische Ministerium für Kultur, Information und Tourismus die Feierlichkeiten als nationales Fest an.
Geschichte des Ba-Chua-Xu-Tempels
Der Ba-Chua-Xu-Tempel wurde 1820 am Fuß des Sam-Berges in der Gemeinde Vinh Te, Chau Doc, Provinz An Giang, erbaut. Sein Grundriss folgt dem chinesischen Schriftzeichen “quoc”; vier quadratische, mit blau glasierten Ziegeln gedeckte Dächer prägen die Architektur.
Einer Legende zufolge entdeckten Dorfbewohner Anfang der 1800er-Jahre im Wald die aus dem 6. Jahrhundert stammende Statue einer Frau. Sie errichteten ihr zu Ehren einen Tempel – in der Hoffnung, die Göttin möge ihnen reichere Ernten und ein besseres Leben schenken.
Seither wird die aus Marmor gefertigte Statue der Ba Chua Xu verehrt, deren Name “Herrin des Landes” bedeutet. Während des Festes berühren Gläubige die Statue und bitten sie um Schutz und Segen.
Traditionelle Zeremonien beim Ba-Chua-Xu-Tempelfest
Das Ba-Chua-Xu-Tempelfest ist das größte Volksfest Südvietnams. Es findet jedes Jahr vom 23. bis zum 27. Tag des vierten Mondmonats statt und umfasst folgende Zeremonien:
1. Rituelle Waschung der Ba-Chua-Xu-Statue
Während der Festtage werden verschiedene Rituale vollzogen. In der ersten Nacht wird die Statue der Ba Chua in parfümiertem Wasser gebadet und für den Anlass mit frischen Gewändern bekleidet. Anschließend schneidet man ihre abgelegten Gewänder in kleine Stücke und verteilt diese an die Gläubigen. Sie gelten als Glücksbringer, die ihre Besitzer gesund halten und böse Geister vertreiben sollen.
2. Tuc-Yet-Ritual
Das Tuc-Yet-Ritual beginnt nach der rituellen Waschung. Bei dieser Zeremonie des Ba-Chua-Xu-Tempelfests bitten die Gläubigen Ba Chua, ihre Anliegen dem Himmel vorzutragen. Begleitet wird das Ritual von einem prachtvollen Umzug mit Drachentanz; anschließend werden im Tempel der Ba Chua Gebete rezitiert. Den Abschluss bildet das Duc-Boi-Ritual: Ein Mann aus dem Dorf trägt dabei laut singend Wünsche für das Wohlergehen des Landes und der Menschheit vor.
Teilnehmende in festlicher traditioneller Kleidung stehen zu beiden Seiten, während der Zeremonienmeister vor der Statue der Ba Chua steht. Zu den Opfergaben gehören ein weißes Schwein, eine als Mao Huyet bezeichnete Schale mit Schweineblut und einigen Borsten, ein Tablett mit Klebreis, ein Tablett mit Früchten, ein Tablett mit Arekanüssen und Betelblättern sowie eine Schale mit Reis und Salz. Die Gaben werden auf einem Tisch vor der Statue aufgestellt. Der Zeremonienmeister und die Würdenträger entzünden Räucherstäbchen am Altar.
3. Xay-Chau-Ritual
Das Xay-Chau-Ritual wird nach dem Tuc-Yet-Ritual vollzogen. Zur Vorbereitung ersetzt man den Tisch vor dem Altar durch eine Trommel. Der Zeremonienmeister hält zwei Trommelstöcke in den Händen und spricht vor dem Altar seine Gebete. Anschließend taucht er einen Weidenzweig in eine Wasserschale links neben dem Altar und besprengt damit den Boden. Nach Abschluss des Rituals stellt er die Schale und den Weidenzweig auf den Altar und schlägt drei Trommelwirbel, mit denen die Hat-Boi-Aufführung, eine Form der klassischen Oper, beginnt.
4. Chanh-Te-Ritual
Das Chanh-Te-Ritual findet am 26. um 4 Uhr morgens statt und ähnelt in seinem Ablauf dem Tuc-Yet-Ritual. Am Nachmittag des 27. werden die vier Gedenktafeln zum Mausoleum von Thoai Ngoc Hau zurückgebracht. Damit endet das Fest.
Darüber hinaus finden während der Festtage zahlreiche traditionelle kulturelle Darbietungen statt, darunter Löwentänze sowie Tänze mit Tellern und Tassen. Das Tempelfest der Ba Chua Xu ist tief in der vietnamesischen Identität verwurzelt und vom kulturellen Erbe Südvietnams geprägt. Der friedvolle Ba-Chua-Xu-Tempel zählt zu den bedeutendsten religiösen Stätten im Mekong-Delta und zieht Tausende Reisende in die Provinz An Giang. Sie kommen, um das einwöchige Fest mitzuerleben und die berühmte Göttin des Wohlstands um ein glückliches und erfolgreiches Leben zu bitten.
Wann findet das Tempelfest der Ba Chua Xu statt?
Am stärksten besucht ist der Ba-Chua-Xu-Tempel vom ersten bis zum vierten Monat des Mondkalenders. Menschen aus allen Teilen des Landes strömen zum Tempel und bleiben dort bis 2-3 Uhr morgens. Sie verbrennen Votivpapier und bringen Früchte sowie weitere Opfergaben dar, um Ba Chua Xu ihren Respekt zu erweisen. Dabei hoffen sie auf Glück, Wohlstand und Zufriedenheit im kommenden Jahr.
Am 25. Tag des vierten Monats nach dem chinesischen Mondkalender findet im Tempel das größte Fest mit zahlreichen traditionellen Darbietungen statt. Wenn Sie die hiesige Kultur besonders intensiv erleben möchten, sollten Sie Ihren Besuch daher für diesen Tag planen.
Der traditionelle Besuch des Tempelfests der Ba Chua Xu schenkt Pilgern eine friedvolle, besinnliche Atmosphäre. Sie entzünden Räucherstäbchen und bitten um Gesundheit und Glück.
