WICHTIGER HINWEIS: Das antike Steinfeld von Sapa ist derzeit und bis auf Weiteres für die Öffentlichkeit geschlossen. Grund dafür sind laufende Konservierungs- und Instandhaltungsarbeiten, die dem Erhalt dieser historischen Stätte dienen.
Bei einem Spaziergang durch das Muong-Hoa-Tal im Bezirk Sapa der Provinz Lao Cai stoßen Sie auf große, verstreut liegende Steine mit eingravierten Mustern. Die Quarzsteine sind mitunter mehr als zehn Meter lang und verteilen sich über Berghänge, Felder und Bachläufe. Bis heute ist unbekannt, wer diese geheimnisvollen Gravuren geschaffen hat.
Geschichte des antiken Steinfelds von Sapa
Das antike Steinfeld von Sapa liegt im Muong-Hoa-Tal nahe den Gemeinden Ta Van, Su Pan und Hau Thao im Bezirk Sapa und zählt zu den wertvollen Naturdenkmälern der Region.
Die Stätte erstreckt sich über eine Fläche von rund 8 Quadratkilometern und wurde 1994 als nationales historisches Denkmal anerkannt.
Im Oktober 2005 begann die Kultur- und Informationsbehörde von Lao Cai gemeinsam mit der EFEO eine langfristig angelegte Untersuchung zur Entschlüsselung der Felsgravuren. Das Forschungsteam fotografierte sämtliche gravierten Steine, bestimmte ihre Position per GPS und übertrug ihre Lage auf Nepalpapier. Die mühsame Arbeit an den Berghängen sowie das Freilegen der Steine war nur während der Trockenzeit von November bis April möglich.
Dr. Philippe Le Failler, der die Arbeiten der EFEO leitete, erklärte, dass das Forschungsteam nach drei Feldforschungsphasen 1.900 Fotografien archiviert und rund 100 gravierte Steine in der Gemeinde Hau Thao auf 1.321 Papierbögen kartiert habe. Etwa ein Viertel der dokumentierten Steine wurde erst vor Kurzem entdeckt. Bei der Analyse dieser neuen Funde müssen die Forschenden zwischen ursprünglichen Gravuren und jüngeren Ergänzungen unterscheiden. Für endgültige Schlussfolgerungen aus den Untersuchungen der EFEO ist es noch zu früh. Fest steht jedoch, dass die eingeritzten Schriftzeichen und Motive außergewöhnlich selten sind.
Auf den Felsplatten finden sich Darstellungen von Pfahlhäusern, Reisterrassen und menschenähnlichen Figuren sowie Spuren von Schriftzeichen. Daneben gibt es zahlreiche schwer deutbare Motive, deren Bedeutung Forschende und Besucher seit Langem zu entschlüsseln versuchen.
Steine und Felsen gelten gemeinhin als leblose Bestandteile der Natur. Die Felsen des antiken Steinfelds von Sapa strahlen jedoch eine überraschende Wärme und Vertrautheit aus. Die Menschen vor Ort verehren sie als heilig und glauben, dass sie Gesundheit, Glück, Wohlstand und reiche Ernten schenken können.
Die beste Reisezeit für das antike Steinfeld von Sapa
Das antike Steinfeld zeigt sich zu jeder Jahreszeit in anderen Farben und Stimmungen. Im Frühling liegen die Felsen inmitten weitläufiger grüner Reisfelder und vermitteln einen unmittelbaren Eindruck vom ländlichen Leben. Im Sommer beginnt die Erntezeit, und von hier eröffnet sich ein weiter Blick über goldgelbe Reisfelder. Dieses Panorama begeistert viele Reisende, die ihre Kamera zücken, um die eindrucksvolle Szenerie festzuhalten und ihre Aufnahmen etwa auf Facebook zu teilen.
Im Winter kann sich das antike Steinfeld von Sapa unter einer Schneedecke präsentieren. Besonders romantisch ist dann ein Spaziergang zu zweit durch die verschneiten Reisfelder – Hand in Hand und ganz in Ruhe.
Von März bis Mai pflanzen die ethnischen Gemeinschaften den Reis um. In dieser Zeit können Sie das lebhafte Treiben auf den Reisfeldern beobachten. Die Gespräche der Erwachsenen, das Lachen der Kinder und der Gesang der Vögel in den Bäumen erfüllen das weite Tal mit einer heiteren Atmosphäre.
Die beste Zeit für einen Besuch des antiken Steinfelds von Sapa liegt zwischen September und November, wenn das Muong-Hoa-Tal im Goldgelb reifer Reisfelder leuchtet. Von oben wirkt das Panorama des Tals wie eine majestätische und geheimnisvolle Szene aus einem Märchen. Gilt Dalat als zauberhafter Sehnsuchtsort, so erscheint das Muong-Hoa-Tal wie ein wahres Märchenland.
Wenn Sie Schnee fallen sehen möchten, bietet die Zeit von Dezember bis Februar die besten Chancen. Dann sind viele Bäume kahl, während weiße Schneeflocken ihre Stämme und den Boden bedecken. Eine heiße, gebackene Süßkartoffel und ein Spaziergang durch den Schnee machen dieses seltene Wintererlebnis besonders stimmungsvoll.
Höhepunkte des antiken Steinfelds von Sapa
Obwohl die Felsplatten scheinbar wahllos verstreut liegen, erweckt ihre Anordnung den Eindruck, als seien sie bewusst platziert worden.
In die großen Steine sind rätselhafte Muster tief eingraviert: Rund 90 Prozent der Gravuren bestehen aus parallelen Linien, daneben finden sich Kurven, menschenähnliche Formen und Zeichen, die wie eine Schrift wirken. In den vergangenen Jahren haben die Steine immer mehr Reisende angezogen, denn das Muong-Hoa-Tal ist von Sapa aus leicht zu erreichen.
Bereits vor mehr als achtzig Jahren untersuchten westliche Wissenschaftler diese Muster. Im August 1925 befasste sich Professor Victor Goloubew von der EFEO als Erster mit den Steinen im Muong-Hoa-Tal. Die meisten seiner Untersuchungen führten jedoch zu keinen eindeutigen Ergebnissen. Auf Grundlage von Goloubews Dokumenten verglich der Anthropologe Paul Levy die Gravuren 1938 mit ethnografischen Studien zu Felszeichnungen aus anderen Teilen der Welt. Dabei stellte Levy Ähnlichkeiten mit der Kunst indigener Bevölkerungsgruppen in Neuguinea, Australien und Taiwan fest.
Damals wurden lediglich dreißig große Steinblöcke untersucht. Seither kamen jedoch immer mehr gravierte Steine ans Licht. 1992 wurde im Dorf Ma Tra, rund acht Kilometer von Muong Hoa entfernt, ein weiteres Feld mit Felsgravuren entdeckt. Nach Angaben der Kultur- und Informationsbehörde von Lao Cai beläuft sich die Gesamtzahl der gravierten Steine inzwischen auf 159.
In jüngerer Zeit widmeten auch vietnamesische Archäologen, Sozialanthropologen und weitere Forschende diesen ungewöhnlichen Zeichnungen verstärkte Aufmerksamkeit. Konkrete Belege für die Herkunft der Steine konnte bislang jedoch niemand finden. Die Urheber der Gravuren sind ebenso unbekannt wie deren Bedeutung.
Die heutigen Bewohner des Muong-Hoa-Tals, darunter die H’mong, Giay und Dao, leben erst seit einigen Jahrhunderten in diesen Tälern. Die Felsgravuren sind jedoch älter. Nach Angaben des vietnamesischen Instituts für Geschichtsforschung entstanden die Muster vor höchstens neunhundert Jahren, vermutlich im 11. oder 12. Jahrhundert n. Chr. Goloubew vertrat die Auffassung, die Darstellungen seien eine Art Dorfkarte der damaligen Bevölkerung. Der vietnamesische Forscher Vu Ngoc Lien deutete sie hingegen als Aufzeichnungen früher astronomischer Beobachtungen. Andere sehen in den Gravuren eine ursprüngliche Schriftform der alten Vietnamesen. Von den Schriftzeichen auf den Steinen konnte bislang nur eine chinesische Inschrift übersetzt werden; sie stammt aus dem Jahr 1490.
Neben der Bedeutung der Gravuren geben auch die Steine selbst Rätsel auf. Bislang können Forschende nicht erklären, wie ihre ungewöhnliche Anordnung zustande kam. Manche gravierten Steine liegen in Gruppen mit anderen, ähnlich großen Felsen, die keinerlei Muster tragen. Warum bestimmte Steine bearbeitet wurden und andere nicht, ist bis heute unbekannt.
Was sollten Sie bei einem Besuch des antiken Steinfelds von Sapa probieren?
Die Küche des vietnamesischen Nordwestens und insbesondere Sapas ist ausgesprochen vielfältig und auch optisch reizvoll. Ihre Gerichte verbinden natürliche Zutaten mit den besonderen Rezepten der Bergregion. Feinschmecker werden die aromatischen Spezialitäten schnell zu schätzen wissen. Bemerkenswert ist vor allem, wie aus einfachen Zutaten wie Gemüse, Bambussprossen und Waldpilzen unverwechselbare Gerichte entstehen.
Zu den besonderen Spezialitäten der Region zählen gedämpftes mageres Fleisch, geräuchertes Büffelfleisch und gegrillter Fisch. Was die lokale Küche von anderen unterscheidet, ist vor allem die Mischung natürlicher Gewürze, welche die ethnischen Gemeinschaften selbst anbauen oder im Wald sammeln. Neben den Speisen sollten Sie auch den traditionellen Maiswein probieren, der als Seele der Bergbevölkerung gilt.
Wie gelangen Sie zum antiken Steinfeld von Sapa?
Das antike Steinfeld von Sapa befindet sich im Muong-Hoa-Tal in der Gemeinde Hau Thao, Bezirk Sapa, Provinz Lao Cai. Es liegt etwa 8 Kilometer südöstlich des Zentrums von Sapa. Folgen Sie dem Weg durch die Berglandschaft und genießen Sie unterwegs die eindrucksvolle Aussicht.
Obwohl seit der Entdeckung der Steine bereits Jahrzehnte vergangen sind, bleiben die ursprünglichen Fragen unbeantwortet: Wer schuf diese außergewöhnlichen Muster? Vielleicht wird das Geheimnis nie gelüftet – und bereichert das wolkenverhangene, sagenumwobene Sapa damit um ein weiteres Rätsel.
