Dank seiner großen ethnischen Vielfalt ist Sapa das ganze Jahr über Schauplatz zahlreicher kultureller Feste. Selbst bei einem Besuch im Sommer können Sie hier besondere Traditionen miterleben. Rund 8 Kilometer von Sapa entfernt liegt das Dorf Ta Van, wo die Giay im sechsten Monat des Mondkalenders das Nao-Cong-Fest (Lễ hội Nào Cống) feiern. Die ethnischen Gemeinschaften bewahren diese Tradition seit vielen Generationen.
Wissenswertes über das Nao-Cong-Fest in Sapa
Wann findet das Nao-Cong-Fest statt?
Es wird jedes Jahr am Tag des Drachen im sechsten Monat des Mondkalenders gefeiert.
Wo findet das Nao-Cong-Fest statt?
Es findet in einem dreigeteilten Schrein im Dorf Ta Van (bản Tả Van) statt, direkt vor der Hängebrücke, die ins Dorf führt.
Warum wird das Nao-Cong-Fest gefeiert?
Das Nao-Cong-Fest wurde erstmals in den 1950er-Jahren veranstaltet und entwickelte sich zu einem traditionellen Fest der drei im Muong-Hoa-Tal lebenden ethnischen Minderheiten: H’Mong, Dao und Giay. Während des Festes bitten sie die Götter um reiche Ernten, ein friedliches Leben sowie günstigen Regen und Wind.
Höhepunkte des Nao-Cong-Festes
1. Die Vorbereitungen
Die Vorbereitungen für das Nao-Cong-Fest beginnen bereits einige Monate vor dem sechsten Monat des Mondkalenders. Die örtlichen Behörden und die Dorfgemeinschaften planen die Feier mit großer Sorgfalt. Gemeinsam sammeln die Dorfbewohner Geld, um Büffel, Schweine und Geflügel für die Opferzeremonie zu kaufen. Die Giay sind insbesondere für die Bereitstellung von Räucherwerk, Opferpapier, Schalen und Tellern verantwortlich.
2. Der Ablauf des Nao-Cong-Festes
Während des Nao-Cong-Festes entsendet jede Familie ein Mitglied zur Feier – unabhängig von Geschlecht und Alter. Alle versammeln sich am Schrein, nehmen gemeinsam an den Zeremonien teil und genießen die festliche Atmosphäre. Der Schrein, den die H’Mong “Chế đáng” nennen, besteht aus drei Räumen. Im linken Raum verehren die Einheimischen den Berggott und den König des Meeres. Bei den Giay heißen sie “Síp po” und “Sía ta”, bei den H’Mong “Lung Vang” und “Thu Ti”. Im mittleren Raum stehen die Altäre zweier lokaler Würdenträger, die einst maßgeblich zur Erschließung des Muong-Hoa-Tals und zum Schutz seiner Bewohner beitrugen. Im rechten Raum werden die Ehefrauen dieser beiden Würdenträger verehrt.
Das Nao-Cong-Fest gliedert sich in 3 Hauptteile:
- Zeremonie zu Ehren der Götter
- Verkündung der allgemeinen Regeln
- Gemeinsames Festmahl
Früher leitete ein Schamane der ethnischen Minderheit der Tay aus Muong Bo die Zeremonie. Seit den 1940er-Jahren übernimmt diese Aufgabe jedoch ein spiritueller Zeremonienmeister der Giay aus dem Dorf Ta Van. In einer Tunika und weiten Hosen, jedoch ohne Kopftuch oder Hut, trägt er feierlich die heiligen Worte vor, lädt die Götter zur Teilnahme an den Riten ein und bittet sie um ihren Segen.
Nach der Opferzeremonie verkünden die Vertreter des Muong-Hoa-Tals die gemeinschaftlichen Regeln. Dabei stehen 4 zentrale Themen im Mittelpunkt:
- Sicherheit in den Dörfern: Die Dorfbewohner dürfen niemanden bestehlen. Zur Verhinderung von Diebstählen werden besondere Maßnahmen getroffen.
- Schutz der Wälder: Die H’Mong, Giay und Dao sollen fleißig und verantwortungsbewusst handeln. In geschützten Gebieten und im gemeinschaftlich genutzten Wald dürfen sie weder Bambussprossen noch Brennholz sammeln.
- Viehhaltung: Die Dorfbewohner dürfen ihr Vieh vom 15. Oktober des Vorjahres bis zum Tag des Drachen im ersten Monat des Mondkalenders weiden lassen. Außerhalb dieses Zeitraums ist das Weiden verboten, damit die Felder keinen Schaden nehmen.
- Soziales Miteinander: Die Regeln betonen, dass alle einander helfen und unterstützen sollen – insbesondere Familien, die einen Trauerfall zu bewältigen haben. Auch außereheliche Beziehungen werden ausdrücklich missbilligt.
Am Ende der Ansprache heben die Vertreter des Tals gewöhnlich hervor, dass sich alle an diese Regeln halten sollen. Die anwesenden Familienmitglieder sind dafür verantwortlich, die Informationen an ihre Angehörigen weiterzugeben.
Anschließend beginnt das gemeinsame Festmahl. Eine Besonderheit ist, dass sämtliche Speisen von den Dorfbewohnern der H’Mong-, Giay- und Dao-Gemeinschaften zubereitet werden. Hunderte Menschen essen gemeinsam auf dem Platz vor dem Schrein, während die Amtsträger, Dorfältesten und der Schamane ihre Mahlzeit im Inneren einnehmen. Wer nicht am Fest teilnehmen kann, bekommt von seinen Nachbarn eine Portion nach Hause gebracht.
Das Nao-Cong-Fest spielt im spirituellen und kulturellen Leben der ethnischen Minderheiten eine zentrale Rolle. Es bietet ihnen Gelegenheit, den Göttern ihre Dankbarkeit zu zeigen, die gemeinsamen Regeln der Dörfer zu bekräftigen und den Zusammenhalt innerhalb der Gemeinschaft zu stärken.
Wie gelangen Sie zum Dorf Ta Van?
Wenn Sie das Fest miterleben möchten, können Sie das Dorf Ta Van auf 2 Arten erreichen:
- Motorrad / Taxi: In Sapa können Sie ein Taxi nehmen oder ein Motorrad mieten. Die Kosten liegen bei mehr als $9.
- Trekking: Wenn Sie gern aktiv unterwegs sind, können Sie das Dorf auf einer etwa 5 Meilen langen Wanderung erreichen.
Beim Nao-Cong-Fest gewinnen Sie einen authentischen Einblick in die besonderen Traditionen verschiedener ethnischer Minderheiten. Nutzen Sie die Gelegenheit, das Fest in diesem Juni selbst mitzuerleben. Wenn Sie weitere Informationen zu Touren in Sapa wünschen, kontaktieren Sie uns gerne.
