Gau-Tao-Fest – Entdecken Sie die kulturelle Vielfalt von Sapa, Vietnam

Gau-Tao-Fest – Entdecken Sie die kulturelle Vielfalt von Sapa, Vietnam

Rachel Tran Rachel Tran | Aktualisiert am 24. Februar 2025

Die H’Mong bilden die größte ethnische Minderheit im Nordwesten Vietnams und verfügen über ein reiches spirituelles Erbe. Ihre traditionelle Kultur ist bis heute mit vielen wertvollen Eigenheiten bewahrt geblieben. Wer ihre typischen Feste kennenlernen möchte, sollte sich das Gau-Tao-Fest keinesfalls entgehen lassen: Kaum eine andere Feier bringt ihre Traditionen so deutlich zum Ausdruck. Es spiegelt nicht nur die landwirtschaftliche Lebensweise wider, sondern auch Spiritualität, Glaubensvorstellungen und Bräuche. Wenn Sie zum vietnamesischen Neujahr den Bezirk Bac Ha bei Sapa in der Provinz Lao Cai besuchen, sollten Sie dieses Fest daher unbedingt miterleben. Es eröffnet Ihnen einen faszinierenden Einblick in die weniger bekannten Seiten des Lebens einer lokalen ethnischen Minderheit.

I. Geschichte des Gau-Tao-Festes

Die Geschichte des Gau-Tao-Festes der H’Mong in Sapa
Foto: @jgibblez

Gau Tao bedeutet “Festplatz”. Nach einer Überlieferung der H’Mong begab sich ein Ehemann, dessen Frau viele Jahre lang kein Kind bekommen konnte, zu den heiligen Hügeln, um die Berggötter um einen Sohn zu bitten.

Als Gegenleistung versprach er, alle drei bis fünf Jahre ein kleines Fest auszurichten und Verwandte sowie Bekannte einzuladen, damit sie gemeinsam das Glück der Familie feierten und den Göttern dankten. Wurde seine Frau schließlich schwanger und brachte das lang ersehnte Kind zur Welt, löste die Familie ihr Versprechen ein und veranstaltete das Fest. Diese Feier ist als “Gau Tao” bekannt.

Seinen Ursprung hat das Fest somit in Ritualen, bei denen bestimmte Familien in den Dörfern der H’Mong um Nachwuchs baten. Wegen der hohen Kosten konnten es sich früher allerdings nur wohlhabende Familien leisten, eine solche Feier auszurichten.

Als die örtlichen Behörden im Laufe der Zeit die kulturelle und spirituelle Bedeutung dieser Tradition erkannten, wurde das Fest erweitert. Heute findet es regelmäßig als gemeinschaftliche Feier statt. Auch seine Bedeutung hat sich gewandelt: Neben Kindersegen erbitten die Teilnehmenden inzwischen reiche Ernten, Glück, Gesundheit und Wohlstand.

II. Wann findet das Gau-Tao-Fest statt?

Kinder beim Gau-Tao-Fest
Foto: @dasie_et_dailleurs

Das Gau-Tao-Fest findet je nach Alter des Familienoberhaupts vom 2. bis zum 4. Tag des ersten Monats nach dem Mondkalender statt.

III. Die Bedeutung des Gau-Tao-Festes

Als eines der ältesten traditionellen Feste, das die H’Mong über Jahrhunderte hinweg bewahrt haben, nimmt das Gau-Tao-Fest im kulturellen Leben dieser Gemeinschaft und der umliegenden Dörfer einen besonderen Platz ein.

Die H’Mong glauben, dass Menschen, die sich Gesundheit und mehr Kinder wünschen, auf einem niedrigen Hügel namens Gau Tao zu Gott und ihren Ahnen beten können, damit ihre Wünsche in Erfüllung gehen. Zudem soll das Fest den Lebensweg des Familienernährers widerspiegeln.

Der untere Teil des Gau-Tao-Hügels steht für vergangenes Unglück, während die höher gelegenen Bereiche künftigen Wohlstand und Glück versinnbildlichen. Zugleich bietet das Fest jungen H’Mong die Gelegenheit, ihre Talente zu zeigen und eine Partnerin oder einen Partner zu finden.

IV. Höhepunkte des Gau-Tao-Festes

1. Vorbereitungen auf das Gau-Tao-Fest

Obwohl das Gau-Tao-Fest erst im ersten Monat des Mondkalenders stattfindet, beginnen die Vorbereitungen bereits im November und dauern bis Ende Dezember. Zu den wichtigsten Ritualen gehören das Aufstellen und spätere Fällen des “Nêu”-Baumes, der auch als Neujahrsbaum bezeichnet wird. Dieser Bambus soll böse Geister fernhalten und Glück bringen. Als heiliges Sinnbild steht er im Mittelpunkt des Festes. Die Einheimischen wählen dafür sorgfältig einen geraden, makellosen Bambus ohne Schädlingsbefall oder Beschädigungen aus.

Vor dem Fällen sprechen sie ein Gebet zu den Göttern. Der Baum darf den Boden nicht berühren und muss nach Osten fallen. Sobald er gefällt ist, darf niemand über ihn hinwegsteigen.

Bevor der “Nêu”-Baum aufgestellt wird, muss ein Zeremonienmeister ein Huhn opfern und die Berggötter um Erlaubnis bitten, das Fest abhalten zu dürfen. Der Baum dient als Leiter, über die die Opfergaben zu den Göttern gelangen. An seinem Stamm befestigen die Menschen einen indigofarbenen Stoffstreifen, eine Geldschnur sowie Bündel aus Mais oder Reis.

Während des Gau-Tao-Festes

4.2. Während des Gau-Tao-Festes

Das Fest beginnt mit einer rituellen Zeremonie, die vom Zeremonienmeister und seinen Helfern geleitet wird. Zunächst reicht er dem Hausherrn Wein, woraufhin dieser mit dem Gesang “Siet” den Anlass des Festes erläutert. Anschließend singt er “Say din se” – “Geht und sucht den Baum” –, bevor der ausgewählte Bambus gefällt wird. Die Zeremonie dauert etwa 90 Minuten.

Danach erwacht der Festplatz mit Gesang, Tanz, Ringkämpfen, Armbrustschießen, Stocktänzen und Kreiselspielen zum Leben. Alle Teilnehmenden müssen sich dabei an die Regeln der Veranstaltung halten. Ein Höhepunkt ist das Werfen des “Con”-Balls. Die Spielenden versuchen, einen mit Baumwollsamen und Reis gefüllten Stoffball durch einen Ring an der Spitze einer 15–20 Meter hohen Bambusstange zu werfen. Auf der anderen Seite versucht eine Person, ihn zu fangen. Wenn Sie das Fest besuchen, sollten Sie dieses Spiel keinesfalls verpassen!

Junge Menschen zeigen beim Tanzen, Musizieren und in den Kampfkünsten ihr Können. Die übrigen Gäste feuern sie an und sorgen mit ihrem Applaus für ausgelassene Stimmung. Dazu werden köstliche Speisen und Getränke serviert, die der Gastgeber vorbereitet hat. Sobald die Nacht hereinbricht, bringen die jungen Männer den Frauen mit Gesang sowie Flöten- oder “Khen”-Melodien ein Ständchen.

Für junge H’Mong-Frauen und -Männer ist das Fest zugleich eine Gelegenheit, einander kennenzulernen und vielleicht eine Partnerin oder einen Partner zu finden. Hier dürfen sie ihre alltäglichen Pflichten für eine Weile vergessen und den Augenblick unbeschwert genießen. Die besten Sängerinnen, Sänger, Tänzerinnen und Tänzer erhalten zum Abschluss kleine Geschenke vom Gastgeber.

4.3. Nach dem Fest

Am Ende des Festes dankt der Zeremonienmeister im Namen des Hausherrn der Erde, dem Himmel und den Göttern. Anschließend nimmt er den “Nêu”-Baum herunter, verbrennt Opferpapier und versprengt ringsum Wein. Auch der indigofarbene Stoffstreifen wird abgenommen und an der Haustür befestigt – als Zeichen für den Schutz durch die Götter. Aus dem “Nêu”-Baum wird später eine Bambusmatte gefertigt. Diese Aufgabe darf jedoch nur ein eigens ausgewähltes junges Paar oder ein frisch vermähltes Ehepaar übernehmen. So erbittet man gesunden Nachwuchs und hält böse Geister fern.

Im Laufe der Zeit hat sich Gau Tao von einem Fest einzelner H’Mong-Dörfer zu einer gemeinsamen Feier verschiedener ethnischer Minderheiten entwickelt. Dieser jahrhundertealte Brauch zieht immer mehr Gäste aus Vietnam und aller Welt in die Region. Worauf warten Sie also noch? Nutzen Sie die Gelegenheit, die besondere Schönheit dieses Festes selbst zu entdecken.

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