Die Purpurne Verbotene Stadt in Hue – eine nostalgische Reise in die Vergangenheit

Die Purpurne Verbotene Stadt in Hue – eine nostalgische Reise in die Vergangenheit

Reiseführer für Tu Cam Thanh in Hue, Vietnam

Rachel Tran Rachel Tran | Aktualisiert am 22. Februar 2021

Wenn Sie sich für Geschichte begeistern, sollten Sie Vietnams letzte Kaiserstadt in der zentralvietnamesischen Provinz Thua Thien Hue nicht verpassen. Die rund 2000-jährige Geschichte des Landes birgt zahlreiche faszinierende Fakten und Geheimnisse, die sich anhand historischer Artefakte und Bauwerke zumindest teilweise erschließen lassen. Die Purpurne Verbotene Stadt – auf Vietnamesisch Tu Cam Thanh – ist eines davon. Erfahren Sie mehr über diese bedeutende historische Sehenswürdigkeit in Hue!

1. Geschichte der Purpurnen Verbotenen Stadt

Vietnams Feudalzeit war von zahlreichen historischen Umbrüchen geprägt. Besonders die letzte Herrscherdynastie, die Nguyen-Dynastie, fasziniert nicht nur vietnamesische Historiker, sondern auch Besucher aus aller Welt. Nguyen Anh bestieg 1789 den Thron und bestimmte Hue zur Hauptstadt. Diesen Status behielt die Stadt bis zur Unabhängigkeitserklärung der Demokratischen Republik Vietnam im Jahr 1945.

Im Inneren der Purpurnen Verbotenen Stadt in Hue
Foto: flickr.com

Nguyen Anh ließ die Kaiserstadt 1804 von Tausenden Arbeitern errichten. Sie war von einem 10 Kilometer langen Wassergraben, einem 2 Kilometer langen Wall und einer massiven Backsteinmauer umgeben. Wie bei vielen früheren Königsresidenzen bestand die Anlage aus 3 umschlossenen Bereichen: Kinh Thanh bildete den äußersten Bereich und war der allgemeinen Bevölkerung zugänglich. Hoang Thanh, die Kaiserstadt, schützte als zweite Ebene die wichtigsten Gebäude und diente als Schauplatz königlicher Zeremonien. Tu Cam Thanh, die Purpurne Verbotene Stadt, war der innerste Bereich, den ausschließlich die kaiserliche Familie, die Konkubinen des Kaisers und ausgewählte Bedienstete betreten durften.

Der Name und die Funktion der Purpurnen Verbotenen Stadt erinnern an die Verbotene Stadt in Peking. Tatsächlich diente diese als Vorbild, wenngleich die Anlage in Hue einige Besonderheiten aufwies. Einst war die Purpurne Verbotene Stadt weitläufig und prachtvoll, doch Kriege und schwere Zeiten zerstörten einen Großteil der Anlage. Vor allem während der Kämpfe gegen die Franzosen und der Unruhen von 1968 gingen zentrale Bauwerke verloren. Erhalten blieben nur wenige Gebäude, Teile des Palastgeländes sowie Abbildungen, die einen Eindruck von Architektur und höfischem Leben vermitteln. Die vietnamesische Regierung bemüht sich seither, Artefakte und bauliche Überreste zu restaurieren, damit Besucher ein möglichst authentisches und anschauliches Bild der ehemaligen Kaiserstadt erhalten.

2. Höhepunkte der Purpurnen Verbotenen Stadt

Zu den bedeutendsten und dauerhaftesten Vermächtnissen der Anlage zählt zweifellos ihre Architektur. Die Verbotene Stadt entstand unter der Aufsicht der erfahrensten Baumeister und Feng-Shui-Experten ihrer Zeit. Während die Anlage in Peking exakt nach Süden ausgerichtet ist – traditionell die Himmelsrichtung des Wohlstands und der Harmonie –, weisen die Paläste in Hue nach Südwesten und direkt zum Huong-Fluss. Diese Lage sollte den Energiefluss und das Zusammenspiel der Elemente Erde und Wasser begünstigen.

Die Bezeichnung Verbotene Stadt verweist darauf, dass gewöhnlichen Menschen der Zutritt streng untersagt war. Nur Eunuchen und weitere ausgewählte Personen, die ihr gesamtes Leben in den Dienst des Kaisers und seiner Gemahlinnen stellten, durften den innersten Bereich betreten. Die rechteckige Anlage erstreckte sich über rund 520 ha. Ihre 0.72 Meter dicke Umfassungsmauer bestand aus einer besonders widerstandsfähigen Ziegelart namens “gach vo”. Etwa 50 Bauwerke dienten dem täglichen Leben des Kaisers: Audienzpaläste für Zusammenkünfte mit Mandarinen, Bibliotheken, Residenzen der Konkubinen, Andachtsstätten sowie Bereiche zur Erholung mit Teichen, prächtigen Blumengärten und Teehäusern. In ihnen befanden sich kostbare Gegenstände, von denen manche sogar aus reinem Gold gefertigt waren. Anzahl und Gestaltung der Paläste unterschieden sich je nach Regierungszeit. Einige Kaiser liebten besonderen Luxus oder pflegten ausgefallene Hobbys und ließen daher prachtvolle Opernhäuser oder eigene Spielpaläste errichten.

Auch die Konkubinen führten ein materiell komfortables Leben, das jedoch von strengen Regeln bestimmt war. Es gab 9 Rangstufen, von denen sowohl ihr Lebensstandard als auch ihr Einfluss am Hof abhingen. Entsprechend erbittert konkurrierten sie um die Gunst des Kaisers. Zunächst mussten sie sämtliche Vorschriften und Zeremonien der kaiserlichen Familie auswendig lernen. Dazu kamen Fertigkeiten wie Tanz, höfische Kommunikation, angemessene Gesten und der richtige Umgang mit dem Herrscher. Bei Entscheidungen hatten sie jedoch kein Mitspracherecht und an den Regierungsgeschäften durften sie nicht teilnehmen. Fehlverhalten konnte sogar mit dem Tod bestraft werden. Starb der Kaiser, mussten sie zunächst sein Grab betreuen und anschließend in den Palast zurückkehren, um seiner Mutter zu dienen. Erneut heiraten durften sie nie – ein Leben, das trotz aller Annehmlichkeiten äußerst hart war.

Die Zitadelle der Purpurnen Verbotenen Stadt in Hue
Foto: myvideomedia.com

3. Was gibt es in der Purpurnen Verbotenen Stadt zu sehen?

Leider ist heute nur noch wenig von der einstigen Pracht erhalten. Von den eleganten Palästen blieben vielerorts überwucherte Ruinen zurück. Nur wenige Schritte entfernt können Sie in einem neu errichteten Ausstellungsgebäude historische Gewänder und Alltagsgegenstände betrachten. Einige Exponate und Bauten verbinden deutlich asiatische und westliche Gestaltungselemente, da mehrere Kaiser der Nguyen-Dynastie durch längere Studienaufenthalte in Frankreich geprägt waren.

Ein Rundgang durch den gesamten Komplex lohnt sich unbedingt. Mit etwas Vorstellungskraft wird die geheimnisvolle, zugleich melancholische Atmosphäre der einstigen Verbotenen Stadt wieder lebendig. Anschließend können Sie das Grabmal von Kaiser Minh Mang, den Huong-Fluss, die Thien-Mu-Pagode und den Dong-Ba-Markt besuchen, um auch das heutige Alltagsleben der Menschen in Hue kennenzulernen.

4. Was können Sie an der Purpurnen Verbotenen Stadt essen?

Rund um Vietnams einstige Kaiserstadt erwartet Sie eine große Auswahl köstlicher Gerichte. Hanoi ist für Bun Cha bekannt – Reisnudeln mit Schweinefleisch und süß-säuerlicher Sauce. Hue hingegen ist die Heimat von Bun Bo Hue, einer würzigen Nudelsuppe mit Reisnudeln, Sojasprossen und geronnenem Schweineblut, deren scharfe, salzige und herzhafte Aromen wunderbar miteinander harmonieren.

Ebenfalls sehr zu empfehlen sind die vielfältigen Teig- und Reisspezialitäten der Stadt: Banh Khoai ist eine in der Pfanne gebratene, mit Garnelen und Schweinefleisch gefüllte Teigflade, die mit frischem Gemüse serviert wird. Banh Loc besteht aus Tapiokateig und einer ähnlichen Füllung. Banh Beo wird aus Reis- und Tapiokamehl zubereitet und mit getrockneten Garnelen sowie knuspriger Schweineschwarte verfeinert. Banh Ram wiederum ist ein knusprig frittierter Reisteig. Seit Langem beliebt sind außerdem Reis und Nudeln mit Muscheln. Diese Gerichte sind günstig, köstlich und besonders aromatisch, denn Schweineschwarte, Garnelenpaste, rohe Kräuter und Gemüse, Bananenblüten, Sojasprossen, kleine weiße Taroknollen und Erdnüsse werden sorgfältig miteinander vermischt. Es gibt sogar eine Schwemmlandinsel namens Con Hen, die auch als Muschelinsel bekannt ist. In ihrem dicken, schlammigen Untergrund gedeihen Muscheln von besonders hoher Qualität.

5. Anreise zur Purpurnen Verbotenen Stadt

Wie bereits erwähnt, gehört die Purpurne Verbotene Stadt zur Zitadelle von Hue und liegt im Zentrum der Stadt. Hue befindet sich etwa 100 Kilometer von Da Nang entfernt; mit dem Bus oder Reisebus dauert die Fahrt ungefähr 2,5 Stunden. Von Hanoi gelangen Sie bequem per Flug zum Flughafen Phu Bai. Außerdem verkehren fast zu jeder Tageszeit Züge und Reisebusse.

6. Praktische Tipps

Die beste Reisezeit für Hue ist von März bis April sowie von November bis Dezember. Dann herrschen milde Temperaturen, die sich ideal für Besichtigungen eignen.

Der Eintritt nur für die Purpurne Verbotene Stadt beträgt 200,000 VND ($8.5) pro Erwachsenen und 40,000 VND ($1.7) pro Kind. Wenn Sie außerdem die Kaisergräber von Tu Duc, Minh Mang und Khai Dinh besuchen möchten, kostet das Kombiticket 530,000 VND ($22.7) pro Erwachsenen und 100,000 VND ($4.3) pro Kind.

Die Purpurne Verbotene Stadt in Hue gehört zum UNESCO-Welterbe. Wenn Sie mehr über Vietnams Geschichte, Traditionen und Küche erfahren möchten, sollten Sie diesen bedeutenden Ort in Hue unbedingt besuchen. Mit ihrer poetischen Atmosphäre und eindrucksvollen Kulisse wird die Stadt gewiss zu einem Höhepunkt Ihrer Reise. Teilen Sie uns unten in den Kommentaren mit, welche Erwartungen Sie an die Zitadelle und die Stadt haben oder welche Eindrücke Sie von Ihrem Besuch mitnehmen.

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