Das Ngo-Mon-Tor, auch als Mittagstor bekannt, ist eng mit der Kaiserstadt von Hue verbunden. Ein genauerer Blick auf diese historische Anlage eröffnet Reisenden wie Einheimischen daher tiefe Einblicke in die Kultur Hues und die Geschichte Vietnams. Das Tor gilt in vielerlei Hinsicht als architektonisches Meisterwerk. Zusammen mit der Truong-Tien-Brücke, dem Flaggenturm und der Thien-Mu-Pagode zählt es zu den bedeutendsten Wahrzeichen der Stadt Hue und des Monumentenkomplexes von Hue, der von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt wurde.
Öffnungszeiten: täglich von 7:00 bis 17:00 Uhr
Inhalt
I. Geschichte des Ngo-Mon-Tors
1. Baugeschichte
Das Ngo-Mon-Tor, der südliche Haupteingang der Zitadelle von Hue, gilt als das repräsentative Gesicht der Kaiserstadt und der einstigen Monarchie. Es wurde unter Kaiser Minh Mang, dem zweiten Herrscher der Nguyen-Dynastie, errichtet.
Im Jahr 1833 ließ Kaiser Minh Mang im Zuge des Ausbaus der Festungsanlage der Nguyen-Dynastie das Ngo-Mon-Tor als südlichen Haupteingang der Kaiserstadt errichten. Zuvor standen an dieser Stelle mehrere andere Bauwerke, die für den Neubau abgetragen wurden. Unter Kaiser Gia Long befanden sich hier die Aussichtsplattform Nam Khuyet Dai und darauf der Can-Nguyen-Palast, ebenfalls ein Aussichtsort. Zu beiden Seiten lagen die Tore Ta Doan Mon und Huu Doan Mon.
Während der Kämpfe der Tet-Offensive in Hue wurde das Ngo-Mon-Tor 1968 schwer beschädigt. Im Jahr 1970 erfolgte eine umfassende Restaurierung des Tors und weiterer in Mitleidenschaft gezogener Bauwerke.
2. Der Name
Nach dem I Ging sitzt der Herrscher mit Blick nach Süden, wenn er über das Reich regiert. Die gesamte Kaiserstadt wurde daher nach dem Prinzip “Toa can huong ton” auf einer Nordost-Südwest-Achse angelegt. Die Umfassungsmauer besitzt vier Tore, von denen Ngo Mon das größte ist. Das Wort “Ngo” bezeichnet hier den Süden – die Richtung, zu der das Tor weist. Gelegentlich wird Ngo Mon als “Mittagstor” gedeutet, da “Ngo” im sino-vietnamesischen Sprachgebrauch auch Mittag bedeuten kann. Sinngemäß verweist der Name jedoch auf die südliche Himmelsrichtung.
Auf dem traditionellen Kompass entspricht der Süden der Richtung “Ngo” auf der “Ty-Ngo”-Achse von Norden nach Süden. Der Name Ngo Mon bezeichnet somit einen Ort beziehungsweise eine Himmelsrichtung und keine Tageszeit, auch wenn “Ngọ” im Sino-Vietnamesischen ebenfalls Mittag bedeutet.
Obwohl es sich um das Haupttor handelte, wurde Ngo Mon aufgrund seiner besonderen zeremoniellen Bedeutung nur selten genutzt. Es öffnete sich vor allem, wenn der Kaiser mit seinem Gefolge die Kaiserstadt betrat oder verließ sowie zum Empfang hochrangiger Gesandtschaften.
3. Funktion
Das Ngo-Mon-Tor diente nicht nur als Zugang durch die Mauer der Kaiserstadt, sondern auch als Zeremonientor auf dem Weg zu einem zentralen Bauwerk der Zitadelle – dem Flaggenturm Ky Dai.
Das Ngo-Mon-Tor war Schauplatz zahlreicher bedeutender Ereignisse der vietnamesischen Geschichte. Dazu gehörten die Truyen-Lo-Zeremonie zur Ehrung erfolgreicher Absolventen der kaiserlichen Doktorprüfung, die Ban-Soc-Zeremonie zur Ausgabe des Kalenders durch den Kaiser und feierliche Paraden. Das wohl bedeutendste Ereignis fand am 30. August 1945 statt: Kaiser Bao Dai, der letzte Monarch Vietnams, verkündete hier seine Abdankung.
4. Bedeutung und kultureller Wert
Seit rund 180 Jahren trotzt das Ngo-Mon-Tor dem Lauf der Zeit, den Einflüssen von Natur und Klima sowie den Folgen zahlreicher Kriege. Bis heute steht es als unverwechselbares Wahrzeichen von Hue.
Dr. Phan Thanh Hai, ehemaliger Direktor des Denkmalschutzzentrums von Hue, sagte über das Ngo-Mon-Tor: “Inmitten schattiger Bäume, Blumen und Wasser vermittelt das Ngo-Mon-Tor von Hue stets ein Gefühl von Ruhe und Gelassenheit. Vielleicht ist sein Bild gerade deshalb ganz selbstverständlich zum Symbol von Hue geworden.”
Das Ngo-Mon-Tor bewahrt die Werte der einstigen höfischen Gesellschaft. Über politische Umbrüche und Epochen hinweg ist es zum Wahrzeichen von Hue geworden – und wird für immer eines der schönsten Sinnbilder der alten Kaiserstadt bleiben.
II. Höhepunkte des Ngo-Mon-Tors
Das nach Süden ausgerichtete Ngo-Mon-Tor ist seit Langem für seine monumentalen Ausmaße und seine einzigartige Architektur bekannt. “Ngo” bezeichnet in diesem Zusammenhang die Lage des Tors in südlicher Richtung und nicht, wie manche Übersetzungen nahelegen, die Mittagszeit. Diese Bedeutung zu kennen, hilft Ihnen, die Position des Ngo-Mon-Tors innerhalb der Gesamtanlage von Dai Noi besser zu verstehen.
Da das Ngo-Mon-Tor den Haupteingang zur Kaiserstadt in der Provinz Thua Thien Hue bildet, ist es ein idealer Ausgangspunkt, um die Zitadelle von Hue zu erkunden. Bei Ihrem ersten Besuch empfiehlt sich eine geführte Besichtigung, damit Sie die wichtigsten Sehenswürdigkeiten und ihre historischen Zusammenhänge kennenlernen. Wenn Sie bereits hier waren oder gern auf eigene Faust unterwegs sind, lohnt sich eine selbstständige Erkundung der Anlage – dabei entdecken Sie oft noch einmal ganz neue Perspektiven.
1. Architektur
Das Ngo-Mon-Tor zählt zu den bedeutendsten historischen Bauwerken in der Kulturlandschaft rund um den Berg Ngu Binh und den Huong-Fluss (Parfümfluss), die Seele von Hue. Obwohl das Tor mehr als eineinhalb Jahrhunderte lang Kriegen und Naturkatastrophen ausgesetzt war, hat es dank ausgefeilter Bautechniken und hoher architektonischer Kunstfertigkeit die Zeiten überdauert. Auch sein immaterieller kultureller Wert ist bis heute erhalten geblieben.
Die Architektur des Ngo-Mon-Tors ist ausgesprochen kunstvoll. Zwar werden häufig Ähnlichkeiten mit dem gleichnamigen Tor der kaiserlichen Palastanlage in Peking festgestellt, doch das Bauwerk trägt unverkennbar vietnamesische Züge. Neben seiner außergewöhnlichen Gestaltung macht vor allem seine Rolle als historischer Schauplatz den Besuch so eindrucksvoll. Eine sachkundige Führung lässt die lange Geschichte der vietnamesischen Monarchie besonders anschaulich werden.
Auch die erhöhte Lage des Bauwerks ist bemerkenswert. Vom Ngu-Phung-Pavillon eröffnet sich Ihnen ein weiter Panoramablick über die gesamte Zitadelle von Hue. Besonders ins Auge fällt der monumentale Flaggenturm, auf dem die rote Flagge mit gelbem Stern weht. Auch er ist ein bedeutender Zeitzeuge: Am 23. August 1945 wurde hier erstmals die Flagge der Demokratischen Republik Vietnam gehisst – ein Sinnbild für den damaligen Bruch mit der Monarchie. Weiter im Inneren führt der Weg über die Trung-Dao-Brücke, die den Thai-Dich-See überspannt, zum Thai-Hoa-Palast und anschließend zum Hof Dai Trieu Nghi.
Das Ngo-Mon-Tor zählt zu Recht zu den herausragenden Kunstwerken der Nguyen-Dynastie und zu den Meisterleistungen der historischen vietnamesischen Architektur. Trotz bewegter Zeiten und zahlreicher revolutionärer Umbrüche hat es wesentliche Merkmale seiner ursprünglichen Gestaltung bewahrt. Es ist nicht nur ein Wahrzeichen der alten Kaiserstadt, sondern auch ein eindrucksvolles Zeugnis früherer Ingenieurs- und Bautechnik. Die harmonische Verbindung einheimischer und fremder Materialien mit dem Können erfahrener Handwerker verlieh dem Bauwerk eine Stabilität, die Jahrhunderte überdauert hat.
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Das Ngo-Mon-Tor verkörpert die charakteristische Baukunst der Nguyen-Dynastie, geprägt von vietnamesischer Identität und höfischer Symbolik. Durch die geschickte Auswahl und Kombination heimischer Materialien schufen Baumeister und Kunsthandwerker ein Meisterwerk, das als Höhepunkt der kaiserlichen Architektur von Hue gilt. Über alle politischen und historischen Zusammenhänge hinaus ist Ngo Mon zu einem Sinnbild Hues geworden, das fest im kulturellen Gedächtnis Vietnams verankert ist.
2. Gliederung
Das Ngo-Mon-Tor besteht aus zwei Hauptteilen: dem massiven Unterbau Dai und dem darüberliegenden Ngu-Phung-Pavillon. Während der Unterbau einer Festung aus Ziegeln und Stein gleicht, weist der Pavillon eine wesentlich filigranere und aufwendigere Konstruktion auf.
Der Unterbau Dai besitzt einen rechtwinkligen, U-förmigen Grundriss und misst 57,77 Meter in der Länge sowie 27,06 Meter in der Breite. Die fast 5 Meter hohe Konstruktion aus Ziegeln und Stein ist mit stabilen Messingstreben verstärkt und erstreckt sich über mehr als 1.560 Quadratmeter. Ihre mächtigen Mauern und nahezu senkrechten Flanken bilden ein solides Fundament, das dem gesamten Bauwerk bis heute Stabilität verleiht. Zugleich strahlt der Unterbau eine eindrucksvolle Würde aus.
Der Dai verfügt über insgesamt fünf Durchgänge, die jeweils bestimmten gesellschaftlichen Gruppen vorbehalten waren. Der zentrale Haupteingang, das eigentliche Ngo Mon, durfte ausschließlich vom Kaiser benutzt werden. Mandarine und Soldaten sowie Pferde und Elefanten passierten die beiden kleineren U-förmigen Seitentore. Für die übrige Bevölkerung waren die beiden äußersten Durchgänge bestimmt. Alle fünf Tore werden von hohen Rundbögen überspannt und durch Querstreben aus Messing verstärkt. Kupferverkleidungen an der Außenseite verleihen dem Ngo-Mon-Tor zusätzliche Eleganz.
Über dem Unterbau erhebt sich der zweigeschossige Ngu-Phung-Pavillon, der “Pavillon der fünf Phönixe”. Sein Tragwerk besteht vollständig aus Eisenholz und ruht auf insgesamt 100 Säulen. Der Name geht auf die anmutige Silhouette des Bauwerks zurück, die an fünf versammelte Phönixe erinnert.
Der Pavillon umfasst 13 Räume und eine kunstvoll gegliederte Dachlandschaft. Das durchgehende untere Dach folgt dem Verlauf des Unterbaus und schützt den umlaufenden Korridor. Darüber liegen neun separate Dachpartien: Der mittlere Abschnitt ist mit gelben Ziegeln gedeckt, die acht übrigen mit grünen. Das harmonische Zusammenspiel dieser Elemente macht den Ngu-Phung-Pavillon zu einem besonders eindrucksvollen Beispiel vietnamesischer Baukunst.
Die historische Architektur des Ngo-Mon-Tors unterscheidet sich grundlegend von modernen Bauwerken und wird Sie mit ihren feinen Details beeindrucken. Nehmen Sie bei Ihrem Besuch unbedingt eine Kamera mit, denn in diesem Teil des Monumentenkomplexes von Hue erwarten Sie zahlreiche reizvolle Fotomotive. Während der Öffnungszeiten herrscht auf dem Platz vor dem Tor meist reges Treiben.
III. Anreise zum Ngo-Mon-Tor
Da das Ngo-Mon-Tor ein fester Bestandteil der Kaiserstadt von Hue ist, führt Ihr Weg zunächst zur historischen Zitadelle. Dank ihrer zentralen Lage und der belebten Umgebung ist die Anreise unkompliziert. Folgende Möglichkeiten stehen Ihnen zur Verfügung:
► Mit Grab oder Be: Diese beiden Dienste gehören zu den beliebtesten Buchungs-Apps in Vietnam. Internationale Gäste können damit bequem ein Taxi oder ein vietnamesisches “xe om”, ein Motorradtaxi, bestellen. Der Fahrpreis wird bereits vor der Buchung angezeigt, sodass Sie keine unangenehmen Überraschungen oder überhöhten Forderungen befürchten müssen.
► Zu Fuß: Rund um den bekannten Monumentenkomplex finden Sie zahlreiche komfortable Hotels. Wenn Ihre Unterkunft in der Nähe liegt, ist ein Spaziergang oft die beste Wahl. Sie zahlen keinen Fahrpreis, müssen nicht verhandeln und können die Straßen von Hue in aller Ruhe auf sich wirken lassen. Erfahrene Reisende empfehlen, diese besonders ursprüngliche Form der Fortbewegung am frühen Morgen zu wählen. Dann zeigt sich die sonst so geschäftige Stadt von ihrer frischen, stillen Seite, und der ruhige Blick auf den Fluss begleitet Sie auf Ihrem Weg.
IV. Wissenswertes und Tipps
Das Ngo-Mon-Tor wurde sorgfältig in seiner einstigen Pracht wiederhergestellt. Das Denkmalschutzzentrum des Monumentenkomplexes von Hue erforscht weiterhin bedeutende Ereignisse aus seiner Vergangenheit und bereitet diese anschaulich auf, damit Besucher die Geschichte des Ortes noch intensiver erleben können.
Ein Besuch in Hue bietet Ihnen zahlreiche Gelegenheiten, den Alltag der Einheimischen aus nächster Nähe kennenzulernen und das für vietnamesische Städte typische geschäftige Treiben zu erleben. Besonders lebendig geht es auf den lokalen Märkten zu. Wenn Sie neugierig auf authentische Eindrücke sind, lohnt sich ein Abstecher zum Dong-Ba-Markt, einem der bekanntesten Märkte von Hue.
Das Hue-Festival findet in der Regel jedes Jahr zwischen April und Mai statt. Dann ist in der Stadt besonders viel los, denn zahlreiche attraktive Kultur- und Kunstveranstaltungen stehen auf dem Programm. Wenn Sie Hue zu dieser Zeit besuchen möchten, sollten Sie Ihre Reise sorgfältig planen und möglichst frühzeitig buchen. Beachten Sie außerdem, dass die Preise in der touristischen Hauptsaison deutlich steigen können.
Für den Besuch des Ngo-Mon-Tores benötigen Sie eine Eintrittskarte, die Sie vor der Kaiserstadt kaufen können. Halten Sie diese bitte griffbereit, damit sie unkompliziert kontrolliert werden kann. Achten Sie als Besucher auf angemessene Kleidung und vermeiden Sie ärmellose Oberteile sowie kurze Hosen oder Röcke – insbesondere beim Betreten von Gebetsstätten in den Palast- und Tempelbereichen. Dort ist laut Vorschrift auch das Fotografieren und Filmen untersagt. Explosive oder leicht entzündliche Stoffe dürfen unter keinen Umständen mitgeführt werden. In den Palästen und Gebetsstätten gilt zudem Rauchverbot.
Mit diesen grundlegenden Hinweisen sind Sie bestens auf Ihren Besuch vorbereitet. Entdecken Sie das Ngo-Mon-Tor und lassen Sie die faszinierende Atmosphäre der alten Kaiserstadt auf sich wirken.
