Po-Nagar-Fest: ein religiöses Fest in Nha Trang, Vietnam

Po-Nagar-Fest: ein religiöses Fest in Nha Trang, Vietnam

Fest der Cham

Jane Pham Jane Pham | Aktualisiert am 12. März 2021

Das Po-Nagar-Fest zählt zu den bemerkenswertesten Festen in Nha Trang in der Provinz Khanh Hoa. Es gehört zum immateriellen Kulturerbe von Khanh Hoa und ganz Vietnam. Wenn Sie Nha Trang im dritten Monat des Mondkalenders besuchen, sollten Sie das Po-Nagar-Fest nicht verpassen. Es bietet Ihnen eine wunderbare Gelegenheit, die Kultur und das religiöse Leben der einheimischen Bevölkerung näher kennenzulernen.

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I. Die Geschichte des Po-Nagar-Festes

1. Die heilige Mutter Yana

Po-Nagar-Fest 2019

Das Po-Nagar-Fest, auch als Fest der heiligen Mutter Yana bekannt, findet jedes Jahr vom 20. bis zum 23. Tag des dritten Mondmonats statt. Es erinnert an die Verdienste der heiligen Mutter Yana, die von den Cham Mutter Po Inu Nagar genannt wird. Der Überlieferung zufolge war sie die Mutter dieser Region und lehrte die Menschen den Ackerbau, den Reisanbau, die Viehzucht und das Weben von Stoffen.

Die Glaubenswelt der Cham weist deutliche Gemeinsamkeiten mit der vietnamesischen Kultur und anderen Traditionen Südostasiens auf – insbesondere mit der Verehrung der Muttergöttin. Mutter Po Inu Nagar gilt als Schutzgöttin, die über ein friedliches Leben wacht und die Menschen vor Kriegen, Konflikten, Hungersnöten, Krankheiten und anderem Unheil bewahrt. Ihre Verdienste wurden von den Cham auch in Inschriften festgehalten, und sie wird als Mutter der gesamten Cham-Gemeinschaft verehrt.

2. Die Entstehungsgeschichte des Po-Nagar-Festes

Opfergaben beim Po-Nagar-Fest

Das Königreich Champa, ein historisches Reich im südlichen Zentralvietnam, erlebte im Laufe seiner Geschichte viele Höhen und Tiefen. Die Cham-Türme gehören zum kulturellen Erbe der Cham und stehen für die Widerstandskraft sowie die besonderen Traditionen, die dieses Volk über mehr als zwölf Jahrhunderte bewahrt und weiterentwickelt hat. Neben der Tempelstadt My Son in Quang Nam war auch der Po-Nagar-Turm eine bedeutende heilige Pilgerstätte.

Auch der Untergang des Königreichs Champa konnte die Weiterentwicklung der religiösen Traditionen der einheimischen Bevölkerung nicht aufhalten. Während der Nguyen-Dynastie pilgerten die Cham weiterhin zum Po-Nagar-Turm in Nha Trang und führten im Bereich der Tempeltürme ihre charakteristischen Tänze auf. Wegen kriegerischer Unruhen und der großen Entfernung mussten sie die Tempelanlage jedoch zeitweise verlassen.

Dennoch behielt das Po-Nagar-Fest seinen hohen Stellenwert im spirituellen Leben der Cham. In ihren Herzen blieb stets das Bild einer mächtigen und ehrwürdigen Mutter lebendig. Dank der staatlich gewährleisteten Religionsfreiheit bestehen heute gute Voraussetzungen, das Po-Nagar-Fest zu bewahren und bei Reisenden aus Vietnam und aller Welt bekannter zu machen.

II. Höhepunkte des Po-Nagar-Turms – Schauplatz des Po-Nagar-Festes

Höhepunkte des Po-Nagar-Turms

Im Laufe der Geschichte des Königreichs Champa schufen seine Bewohner im Gebiet des heutigen Zentralvietnams ein umfangreiches materielles und immaterielles Kulturerbe. Die Errungenschaften der Champa-Kultur zeigen sich in zahlreichen Bereichen: in der Architektur von Bauwerken und Tempeln, in der Bildhauerei, in Inschriften und in religiösen Glaubensvorstellungen. Der Po-Nagar-Turm, auch Cham-Turm genannt, zählt zu den herausragendsten Bauwerken Champas, die bis heute erhalten geblieben sind.

Nach Erkenntnissen zahlreicher Altertumsforscher und Historiker wurde der Po-Nagar-Turm zwischen dem 8. und dem 13. Jahrhundert errichtet. Die Anlage zeugt vom außergewöhnlichen bautechnischen Können der alten Champa. Bis heute gibt es unterschiedliche Erklärungsansätze, doch die Herstellung der Ziegel, die verwendeten Bindemittel und die Bautechniken der Cham-Türme bleiben ein Geheimnis, das zahlreiche Forschende und Architekten fasziniert.

Historischen Überlieferungen zufolge bestand die Anlage von Po Nagar ursprünglich aus sechs Tempeltürmen. Durch den Zahn der Zeit und kriegerische Zerstörungen sind heute jedoch nur noch vier Türme sowie die Fundamente der beiden übrigen Bauwerke zu sehen. Sämtliche Türme wurden aus roten Ziegeln auf quadratischen Grundrissen errichtet. Jeder Turm besitzt vier Tore in den Himmelsrichtungen Osten, Westen, Norden und Süden. Der tatsächliche Eingang liegt jedoch im Osten; bei den drei anderen handelt es sich lediglich um Scheintore.

In jedem Turm verehren die Cham eine Gottheit ihrer Religion. Der größte Bau, der Nordostturm, ist Mutter Po Inu Nagar gewidmet – der Seele der gesamten Tempelanlage. Im Südturm wird Gott Shiva, der Gemahl Po Inu Nagars, verehrt. Der Südostturm ist Gott Skandha, dem Gott der Stärke und des Krieges, gewidmet. Im nahezu unversehrten Nordwestturm wird Ganesha, der Gott des Glücks, der Weisheit und der Lebensfreude, verehrt.

III. Die wichtigsten Zeremonien des Po-Nagar-Festes

1. Zeremonie des Gewandwechsels

Die Zeremonie findet am 20. Tag des dritten Mondmonats statt. Zunächst bringt die Zeremonienleitung ehrfürchtig Weihrauch, Blumen und Früchte dar. Anschließend wechseln die an der Zeremonie beteiligten Personen ihre Kleidung und waschen die Statue. Das dafür verwendete Wasser wird aus Wein und Wasser zubereitet, das mit fünf verschiedenen Blumenarten aufgekocht wurde. Die rituelle Waschung übernehmen Frauen mittleren Alters aus der Umgebung. Danach wird die Statue der Göttin mit einem neuen Gewand und einer von der einheimischen Bevölkerung gestifteten Krone geschmückt.

Aussetzen von Laternen

2. Aussetzen farbiger Laternen

Diese Zeremonie wird ebenfalls am Abend des 20. Tages des dritten Mondmonats abgehalten. Die Prozession des Po-Nagar-Festes zieht von den Türmen durch den Weiler Bong bis zu einem Altar am Ufer des Cai-Flusses, eines heiligen Flusses nahe dem Po-Nagar-Turm. Nach einer Andacht für den Frieden der Seelen Verstorbener entzünden die Menschen auf den Booten Kerzen und setzen Blumengebinde sowie farbige Laternen auf dem Fluss aus. Ihr Licht verwandelt das Wasser in eine funkelnde, beinahe märchenhafte Szenerie.

3. Traditionelles Opfer sowie Khai-Dien- und Ton-Vuong-Zeremonien

Diese Zeremonien finden am 23. Tag des dritten Mondmonats statt. An der Opferprozession nehmen die Ältesten und Dorfbewohner des Weilers Bong teil. Die Khai-Dien- und Ton-Vuong-Zeremonien werden von Künstlern des klassischen vietnamesischen Theaters auf der Bühne dargeboten. Diese traditionelle Form der Bühnenkunst verbindet Musik, Gesang und Tanz zu einer stark ritualisierten, stilisierten und symbolträchtigen Darbietung.

4. Blumengaben und gesungene Anrufungen

Diese traditionelle vietnamesische Volkskunst ist besonders bei den Ritualen zur Verehrung der Muttergöttin verbreitet. Die Darbietung beginnt im Inneren des Turms. Da dort nur wenig Platz zur Verfügung steht, dürfen sich lediglich wenige Personen darin aufhalten. Anschließend wird die Zeremonie auf der Hauptbühne fortgesetzt. Die Künstlerinnen bewegen sich so geschickt, dass die pyramidenförmig auf ihren Köpfen angeordneten Blumen während des Tanzes nicht zu Boden fallen. Ihre Bewegungen zeugen von großem Können: Nicht nur Hände und Füße bewegen sich anmutig und fließend, auch Kopf und Oberkörper folgen rhythmisch den Schritten und der Musik.

IV. Das Po-Nagar-Fest im Leben der Cham

Das Po-Nagar-Fest im Leben der Cham

Während viele Vietnamesen Feste in kleineren Gruppen oder nur mit wenigen Familienmitgliedern besuchen, reisen die Cham mit ihrer gesamten Familie oder sogar gemeinsam mit ihrem ganzen Dorf zum Po-Nagar-Fest. Jede Familie bringt ein Tablett mit Opfergaben mit. Für die Durchführung des Rituals wird häufig ein spiritueller Zeremonienmeister gebeten; andernfalls übernimmt die Mutter der Familie die Leitung.

Als Opfergaben für Mutter Po Inu Nagar bringen die Cham Erzeugnisse dar, die sie selbst anbauen oder herstellen, darunter Hühner, Ziegen, Weintrauben, Bananen, Reis und Blumen. Eine vollständige Opfergabe umfasst zwei Hühner, drei Behälter Reis, vier Schalen Suppe, Früchte, Wachskerzen, gerösteten Klebreis, drei Hühnereier, eine Flasche Wein, einen Teller mit Betelblättern und Arekanüssen sowie Weihrauch. Familien mit geringen finanziellen Mitteln können auch lediglich einen Teller mit Früchten darbringen.

Die Cham besuchen das Po-Nagar-Fest, um die heilige Mutter Yana zu verehren und für ein neues Jahr voller Gesundheit, Wohlstand, Glück und Wohlergehen für ihre Familien zu beten.

Das alljährliche Fest vom 20. bis zum 23. Tag des dritten Mondmonats ist längst nicht mehr nur ein Fest der Menschen in Khanh Hoa, sondern auch der Bevölkerung im Zentralen Hochland und in ganz Zentralvietnam. Die heilige Mutter Yana findet daher auch in einem bekannten vietnamesischen Sprichwort Erwähnung: “Der Gedenktag des Vaters ist im achten Mondmonat, der Gedenktag der Mutter im dritten.”

Das Po-Nagar-Fest in Nha Trang in der Provinz Khanh Hoa vereint traditionelle Werte, die aus dem jahrhundertelangen kulturellen Austausch zwischen Vietnamesen und Cham hervorgegangen sind. Es gilt als Symbol der nationalen Einheit und trägt zum vielfältigen Gemeinschaftsleben Vietnams bei. Bei diesem Fest können Sie die Geschichte, die kulturellen Traditionen und die Menschen von Khanh Hoa inmitten einer reizvollen Landschaft näher kennenlernen.

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